NORD BEI NORDWEST – Das dritte Grab
AM DONNERSTAG, 27. AUGUST 2026, IM ERSTEN
AB MONTAG, 24. AUGUST, IN DER ARD MEDIATHEK
INHALT
Mehmet Ösker fängt als Friedhofsgärtner an, doch Bine Pufal, die er in ihrem Restaurant unterstützt, fühlt sich von ihm im Stich gelassen. Und dann wird auch noch auf dem Schwanitzer Friedhof die Leiche eines Mannes gefunden, der offenbar lebendig begraben wurde. Friedhofsverwalter Dirk Eilers und seine resolute alte Bekannte Brigitte Grimm mutmaßen, dass sie die nächsten auf der Liste des Mörders sein könnten. Die beiden teilen nämlich ein düsteres Geheimnis. Während Jule Christiansen der Legehenne von Brigitte Grimm das Leben rettet, nehmen Hauke Jacobs und Hannah Wagner die Ermittlungen auf. Sie können jedoch nicht verhindern, dass der Mörder bald ein zweites Opfer vergräbt. Und es kommt noch schlimmer, denn das dritte und letzte Grab wartet auf eine ganz besondere Bestimmung …
BESETZUNG
Hauke Jacobs
Hinnerk Schönemann
Hannah Wagner
Jana Klinge
Jule Christiansen
Marleen Lohse
Mehmet Ösker
Cem Ali Gültekin
Herr Töteberg
Stephan A. Tölle
Frau Bleckmann
Regine Hentschel
Puttkammer
Joshy Peters
Dirk Eilers
Arnd Klawitter
Brigitte Grimm
Oda Thormeyer
Lorenz Hummel
Christian Beermann
Ulrike Seewald
Dagmar Leesch
Malte Seewald
Jonathan Stolze
Martin Kappes
Kristoffer Fuss
Bine Pufahl
Victoria Fleer
Holly
Fritz
STAB
Regie
Greta Benkelmann
Reihenidee
Holger Karsten Schmidt
Buch
Niels Holle
Kamera
Philip Jestädt
Ton
Maarten van de Voort
Musik
Stefan Hansen
Szenenbild
Kay Anthony
Kostümbild
Antje Petersen
Maske
Marie-Ena Wolf, Nicole Masztalerz
Schnitt
Tina Freitag
Casting
Marion Haack
Produzenten
Seth Hollinderbäumer, Joshua Lantow, Oliver Behrmann
Redaktion
Donald Kraemer (NDR), Katja Kirchen (ARD Degeto Film)
Drehzeit
27. April 2025 bis 27. Mai 2025
Länge
88´58
Drehorte
Fehmarn und Umgebung, Hamburg und Umgebung
„Nord bei Nordwest – Das dritte Grab“ ist eine Produktion der triple pictures GmbH im Auftrag der ARD Degeto Film und des Norddeutschen Rundfunks für die ARD.
HAUKE
JAKOBS
Polizist und Inhaber der Schwanitzer Tierarztpraxis
Der 30. Kriminalfall beginnt für den wortkargen Polizisten und Inhaber der Tierarztpraxis, Hauke Jacobs, wieder mit einem erotischen Traum: dieses Mal mit seiner Kollegin Hannah Wagner. Ausgerechnet Jule Christiansen reißt ihn aus diesem Traum, was Hauke für einige Minuten ziemlich durcheinanderbringt. Kurz darauf überschlagen sich im vermeintlich beschaulichen Schwanitz wieder einmal die Ereignisse. Eine unheimliche Bedrohung scheint dieses Mal von Schwanitzern auszugehen, was viel Grübelei für Hauke bedeutet, der die Zusammenhänge zwischen den grauenvollen Vorfällen auf dem Friedhof verstehen will. Ein Besuch am Grab seiner ehemaligen Kollegin und Freundin Lona Vogt könnte ihm vielleicht eine Eingebung geben. Hauke stutzt: Ob sie ihm mit dem seltsamen Ex-Kollegen, der wie aus dem Nichts neben ihm an ihrem Grab auftaucht, eine Botschaft bringen möchte? Als sich die Ermittlungen dramatisch zuspitzen, gerät ausgerechnet Hauke unfreiwillig in höchste Gefahr, was ihm zwar einen weiteren erotischen Traum beschert, das aber in einer unheilvollen und nahezu ausweglosen Situation.
Hauke schätzt Jules großes Herz für Tiere, auch wenn ihm die Arche Noah, in die Jule den Gnadenhof umgewandelt hat, zu viel wird. Noch hält er sich zurück, denn in erster Linie versteht sich Hauke als Polizist. Und Jule gelingt es immer wieder, ihn um den Finger zu wickeln. Schockiert reagiert Hauke, dass er im Verlauf seiner und Hannahs Recherchen zu einem weiteren Fall, einem merkwürdigen Einbruch mit tödlichem Ausgang, Jules eigenmächtiges Handeln unterschätzt hat. Hannah und Jule sind für Hauke unentbehrlich. So dürfen sie auch mit ihm auf der „Princess of Schwanitz“, seinem Hausboot, „Mensch ärgere dich nicht“ spielen, was bislang Holly, seinem treuen Hund und Lebensbegleiter, vorbehalten war.
HANNAH
WAGNER
Leiterin des Polizeiposten Schwanitz
Zwei neue knifflige Fälle – für die toughe Kommissarin Hannah Wagner bedeuten sie jede Menge Recherche- und Analysearbeit, aber die gehört zu ihren Stärken in dem Schwanitzer Ermittlerduo. Fokussiert auf die zu lösenden Fälle lässt sie sich von nichts ablenken, es sei denn, sie wird erneut Zeugin eines vertrauten Moments zwischen Hauke und Jule …
Was und wer stecken hinter den gruseligen Entdeckungen auf dem Friedhof? Was verbirgt der hypernervöse, weinerliche Friedhofsverwalter? Vor allem Hannah misstraut ihm. An ihre Grenzen stößt Hannah, als sie Hauke telefonisch nicht erreichen kann. Panik erfasst sie, denn die emotionale Verbindung zu ihrem Kollegen ist intensiver geworden, auch seit sie einen seltsamen, verführerischen Traum hatte, von dem sie Hauke natürlich nichts erzählen wird. Aber zu einer Andeutung lässt sie sich schon hinreißen …
Der zweite Kriminalfall um einen Einbruch mit zwei Toten entpuppt sich als nicht minder komplex und Hannah spürt früh, dass die Ehe von Leyla Spiekermann alles andere als glücklich war. Dass Jule sich wieder einmal aktiv in die polizeilichen Ermittlungen einmischt, nur weil sie, Leyla und die Musikerin Nele früher in einer gemeinsamen Band spielten, gefällt Hannah nicht. Sie befürchtet, Jule, immerhin Tierärztin und keine Polizistin, könnte sich mit ihren Alleingängen wieder einmal gefährden. Oder ist Hannah eifersüchtig? Letztendlich liegt sie mit ihrer Sorge nicht falsch – und gerät wie Hauke in helle Aufregung, als Jule nicht auffindbar ist.
JULE
CHRISTIANSEN
Tierärztin, Mitinhaberin der Schwanitzer Tierarztpraxis
Sie ist das Herz von Schwanitz, offen und fröhlich, mit einem entwaffnenden Charme gesegnet, jemand, der für Mensch und Tier immer tröstende Worte findet, jeden im Dorf kennt und von allen geschätzt wird: Jule Christiansen, Tierärztin und Mitinhaberin von Hauke Jacobs’ Tierarztpraxis. In ihrer Welt geht sie derart auf, dass der Gnadenhof der Praxis inzwischen einem Zoo gleicht – zum Missfallen von Hauke, der jeden Neuzugang kritisch kommentiert: „Frau Christansen, wir sind nicht die Arche Noah!“. Aber sollte man die ausgediente Legehenne Chantal nicht lieber vor dem Suppentopf ihrer grimmigen Besitzerin retten oder zwei Eseln, deren Halterin sehr krank ist, nicht ein Zuhause auf dem Gnadenhof gewähren?!
Tiere ermöglichen dem „U-Boot“, wie Hauke Jule aufgrund ihrer vielfältigen Kontakte, ihrer Neugier und Unerschrockenheit insgeheim nennt, außerdem den Zugang zu Menschen, die verbergen, was ans Licht kommen sollte, um ein Verbrechen aufzuklären oder ein weiteres zu verhindern. Oder wie Jule es ausdrückt, wenn sich wieder einmal ihr Bauchgefühl meldet: „Hier stimmt etwas nicht.“ So auch dieses Mal: Jule scheut kein Risiko. Ihre Beobachtungsgabe und ihr Mut führen dazu, dass sie sich im Alleingang in die polizeilichen Ermittlungen um ihre Ex-Band-Kolleginnen Leyla und Nele einmischt. Vielleicht auch aus Trotz, weil sie sich von Hauke und Hannah dieses Mal nicht ernst genommen fühlt. Das führt allerdings dazu, dass Jule, die sich in Schwanitz längst als dritte Polizistin sieht, sich einmal mehr überschätzt und in höchste Lebensgefahr bringt. Was rettet sie letztlich? Haukes herzenszerreißender Schrei in der Stunde der Not: „Du kannst alle Tiere haben für deinen Gnadenhof!“ Weiß Hauke, was er sich damit einhandelt?
DIRK
EILERS
Friedhofverwalter
Die schrecklichen Funde auf dem Schwanitzer Friedhof werfen Friedhofsverwalter Dirk Eilers völlig aus der Bahn. Sie zwingen ihn, sich mit einer grausamen Tat aus seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, in die er und zwei Freunde verstrickt waren. Wird er der nächste sein, der auf der Liste steht? Je mehr sich die Ereignisse zuspitzen, desto panischer, hysterischer wird Eilers und er neigt zu sonderbaren, bizarren Handlungen. Seine alte Bekannte, die abgebrühte Brigitte Grimm, die ebenfalls in die alte dunkle Geschichte involviert war, will ihm nicht weiterhelfen. Auf ihren Rat hin besorgt sich der Verängstigte zumindest eine Waffe, um kurz darauf festzustellen, dass auch diese ihm keineswegs Sicherheit gibt. Vor Hauke Jacobs und Hannah Wagner, die ihn im Visier haben, weil er im Zuge der Ermittlungen eine auffällig seltsame Figur abgibt. Vor den Friedhofsbesuchern versucht Eilers die Fassung zu wahren, was ihm aber zu nehmend misslingt. Je näher er der Wahrheit kommt, desto mehr verliert er die Kontrolle über sein Tun. Getrieben von Angst ist Eilers nicht mehr zu bremsen und richtet verheerenden Schaden an.
„Schwanitz ist ein Ort, an dem alles passieren kann.“
Ein Gespräch mit Greta Benkelmann, Regisseurin von „Das dritte Grab“
Frau Benkelmann, Sie haben zum ersten Mal Regie bei dieser Reihe geführt. Was hat Sie an dem Format gereizt, was an der Inszenierung des Buches „Das dritte Grab"?
Bei einer so lang bestehenden und erfolgreichen Reihe habe ich mich zuerst gefragt, was ich als „Neue“ dem Ganzen noch hinzufügen kann. Nicht umsonst hat „Nord bei Nordwest“ letztes Jahr den Publikums-Preis für die ARD-Kultserie der letzten 75 Jahre bekommen. Aber das Tolle an „Nord bei Nordwest“ ist – und zumindest für mich ist es auch das Rezept des Erfolgs –, dass jeder Film eine Wundertüte ist. Einige Filme sind dramatischer, andere lustiger, einige dippen in Genres wie Western oder Horror. Es gibt Schwanitz mit den dort lebenden Figuren und deren Beziehungen, aber dazwischen ist ganz viel Freiraum und Platz für Experimente. Das ist ein riesiges Spielfeld für mich als Regisseurin. Schwanitz ist ein Ort, an dem alles passieren kann.
Ein großes Geschenk ist es, wenn man nicht nur ein gutes Drehbuch als Vorlage bekommt, sondern eins, das den Kern der Reihe trifft. Das war bei „Das dritte Grab“ von Niels Holle der Fall. Es vereint sämtliche „Nord bei Nordwest“-Zutaten: den Humor, schräge Figuren, die Liebe, den Krimi, die Tiere und das norddeutsche Flair.
Wie haben Sie sich der Tonalität und den Figuren angenähert?
Der Humor der Schwanitzer Welt und der Figuren ist einer der Hauptgründe, warum ich Lust hatte, eine Folge zu inszenieren. Ich glaube, wenn man nichts mit dem Humor dieses Formats anfangen kann, ist man nicht gut beraten, dafür Regie zu führen. Autor Niels Holle beherrscht die skurrile Tonalität meisterlich und hat über die Jahre natürlich auch die Spielweise und den ‚Sprech‘ des Hauptcasts mit aufgenommen und umgekehrt.
Dann komme ich mit meinem Humor und bereite den Film vor. Es ist immer auch ein Experiment, was der eigene Humor bzw. das individuelle Verständnis des Humors der Reihe letztendlich mit dieser macht. Hinzu kommen die humoristischen Momente, die spontan am Set entstehen, wo man kuratieren muss, ob sie die Szenen wirklich besser machen. Nicht alles, was am Set lustig ist, überträgt sich auch auf den Film.
Gab es während der Dreharbeiten Besonderheiten?
Oh ja! Die Seebestattung auf dem Schiff brachte definitiv die größten Schwierigkeiten mit sich. Ein Dreh auf einem Schiff ist immer schon eine logistische Herausforderung, weil da nicht viel Platz ist und man deshalb nur mit kleiner Teamgröße drehen kann. Für die Szene mussten wir weit aus der Bucht herausfahren, damit man das Gefühl hatte, wir wären auf offener See. Bei einem alten Boot wie dem von Hauke dauert das und kostet wertvolle Drehzeit. Außerdem wurde an diesem Tag das Wetter sehr schlecht und es zog kräftiger Wind auf. Wegen des Filmtons mussten wir den Motor des Bootes zum Drehen immer ausmachen, so dass das Boot während des Drehs den Wellen ausgeliefert war. Einige im Team wurden seekrank. Besonders in den Einstellungen auf Hauke im Fahrerhäuschen sieht man den kräftigen Wellengang. Und irgendwann fing dann auch noch der Motor an zu qualmen und fiel komplett aus, so dass das ganze Team von Speedbooten evakuiert werden musste. Da war die kleine Teamgröße von Vorteil.
Inwieweit war es wichtig, diese doch eher düstere Geschichte im Frühjahr zu inszenieren und nicht in der dunklen Jahreszeit?
Der Drehzeitraum der Folge stand schon fest, bevor ich zu dem Projekt kam. Aber für meinen Kameramann Philip Jestädt und mich hätte es keinen besseren Zeitpunkt geben können. Wir wollten Schwanitz als frühlingshaftes Idyll zeigen, weil uns gerade dieser Kontrast zu der düsteren Geschichte so reizte. In „Das dritte Grab“ kommt das Böse nicht von außen, sondern entsteht aus dem idyllischen Ort selbst und entlarvt diesen. Dass das Wetter während des Drehs dann größtenteils so gut war, war pures Glück. Man plant beim Film ja sehr viel voraus, aber das Wetter gehört immer noch zu den unkalkulierbaren Variablen. Es hätte uns auch passieren können, auf einem verregneten, matschigen Friedhof stehen zu müssen.
Das Zusammenspiel des Trios Hauke, Hannah und Jule bildet den emotionalen Kern der Reihe. Inwieweit empfanden Sie das als eine Herausforderung?
Bei gleich welcher Liebesgeschichte ist es für die Regie ein Geschenk, wenn sich der Cast schon gut kennt und man die Verbindung nicht von Anfang an herstellen muss. Das Liebesdreieck von Hauke, Hannah und Jule durfte und konnte sich über Jahre entfalten, die drei sind ein wirklich eingespieltes Team. Bei einer so langsam erzählten Liebesgeschichte, oder besser gesagt, bei zwei so langsam erzählten Liebesgeschichten, liegt die größte Herausforderung im Buchprozess. Schließlich braucht es ja immer wieder Gegebenheiten, die Hauke mehr zu Hannah ziehen und dann wieder mehr zu Jule. Und es braucht Gründe, warum sich zwei verpassen oder der richtige Moment nicht kommt. Während des Drehs liegt dann in der Inszenierung die Herausforderung, nicht nur die Auflösung des Kriminalfalls mitzudenken, sondern eben auch immer wieder Raum zu schaffen für Annäherungen und Anziehung. Es muss in jeder Folge immer wieder die richtige Balance zwischen Krimi und Liebe gefunden werden. Mal ist da mehr Platz, mal weniger.
Was brachten Arnd Klawitter, Oda Thormeyer und Dagmar Leesch für die Verkörperung ihrer Figuren mit?
Mit Dagmar Leesch hatte ich in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet und wusste, dass sie nicht nur den Spagat zwischen der Weichheit und gnadenlosen Härte der Figur Ulrike Seewalds wunderbar würde meistern können, sondern sich auch in die skurrile Schwanitz-Welt gut würde einfügen können. Oda Thormeyer kannte ich vom Thalia Theater, hatte aber noch nie mit ihr gearbeitet. Ihre Figur Grimm ist eine misanthropische, zurückgezogen lebende Figur, die sich nicht viel um soziale Gepflogenheiten kümmert. Privat ist Oda genau das Gegenteil: eine absolute Menschen- und Tierfreundin. Genau deswegen hat es großen Spaß gemacht, sich mit ihr der Figur körperlich wie emotional zu nähern. Oda hat stechend blauen Augen mitgebracht für diesen Grimm-Blick, der andere im Erdboden versinken lässt.
Auch mit Arnd Klawitter war es die erste gemeinsame Arbeit. Trotzdem haben wir uns in unseren Blicken auf Figur und Humor direkt gefunden. Der von ihm gespielte Dirk Eilers ist eine Figur, deren Motor Angst ist, die sie abwechselnd zu Höchstleistung treibt und in sich zusammenfallen lässt – sie ist immer in Bewegung. Da liegt ein großes Potential für Körperkomik, das Arnd hervorragend gemeistert hat. Er war dabei nicht nur sehr präzise und vielschichtig, sondern auch mutig. Mutig, weil solche schrillen Figuren wie Dirk Eilers im deutschen Fernsehen selten sind und damit auch immer ein Wagnis. Aber wir fanden das richtig und hatten Lust darauf.
„Ich habe versucht, den Charakter immer ernst zu nehmen und trotz seiner skurrilen Anwandlungen von Schwäche und Schuld zu verteidigen.“
Arnd Klawitter (Dirk Eilers)
„Nord bei Nordwest“ war für mich immer schon eine absolute Überraschung, da diese Reihe trotz klassischer 90 Minuten-Stories, in denen ein, vielleicht zwei Morde passieren, die Täter anschließend geschnappt werden und damit die Filme enden. Es wird etwas riskiert, was ich sonst so nicht kenne. „Nord bei Nordwest“ schafft es, alle Figuren mit einer sonderbaren Skurrilität auszustatten, hat merkwürdige und mutige Wendungen in den Drehbüchern und traut sich, neben dem Komischen und den Krimiplots auch andere Genres mit einzubeziehen. Ich war außerdem immer schon sehr begeistert und erstaunt, wie es den drei Hauptdarstellern Hauke Jacobs, Hannah Wagner und Jule Christiansen jedes Mal gelingt, ihre Beziehung neu zu definieren, auf eine besondere Art komisch zu sein und dabei wahrhaftig, und auch, wie sie ihre Gefühle zeigen. Da wollte ich unbedingt dabei sein.
Erstes Rollenvorbild für meine Figur des Friedhofverwalters nach dem Lesen des Drehbuchs von Niels Holle war für mich William H. Macy aus der schwarzen Komödie „Fargo“. Eine fantastische Figur! Unter Druck zu stehen, chancenlos zu sein, von vorneherein zum Scheitern verurteilt, sich zugleich schuldig zu fühlen und trotzdem immer weiterzukämpfen, so wie sich auch Eilers verhält – das finde ich urkomisch.
Unsere Regisseurin Greta Benkelmann und ich hatten uns schnell darauf einigen können, wo wir hinwollten. Und ich hatte einen unfassbaren Spaß, diesen Mann so überhöht zu spielen. Ich habe versucht, den Charakter immer ernst zu nehmen und trotz seiner skurrilen Anwandlungen von Schwäche und Schuld zu verteidigen. Die freie, kreative und Mut machende Stimmung am Set, wie ich sie bei „Nord bei Nordwest“ erleben konnte, hat mir da gewaltig geholfen.
„Dass ich so gern in dieses Dorf an der Ostseeküste zurückkehre, hat natürlich nicht nur mit der teils doch recht eigenartigen Bevölkerung dort zu tun, sondern vor allem mit Hinnerk Schönemann, Jana Klinge und Marleen Lohse.“
Niels Holle, Autor von „Das dritte Grab“
Wie gehen drei grundverschiedene Menschen damit um, dass sie vor langer Zeit gemeinsam Schuld auf sich geladen haben? Diese Frage hat mich neben der genretypischen Spannung, die eine morbide Rachegeschichte wie diese mit sich bringt, vor allem an „Das dritte Grab“ interessiert. Während den linkisch-verklemmten Friedhofsverwalter Dirk Eilers seine dunkle Vergangenheit offenbar nie losgelassen hat, verschwendet seine beängstigend gewissenlose Bekannte Brigitte Grimm schon lange keinen Gedanken mehr an die Tat, die Eilers und sie gemeinschaftlich mit dem ehemaligen Kfz-Mechaniker Olaf Dannenberg begangen haben.
Die daraus resultierenden Konflikte und Dynamiken zwischen Grimm und Eilers haben mir beim Schreiben viel Spaß gemacht. Und wie Oda Thormeyer und Arnd Klawitter ihre Charaktere zum Leben erweckt haben, war für mich eine ebenso große Freude wie die Zusammenarbeit mit Regisseurin Greta Benkelmann und Kameramann Philip Jestädt, deren Inszenierung genau die Mischung aus Skurrilität und schwarzem Humor getroffen hat, die mir vorgeschwebt hatte.
„Das dritte Grab“ ist mittlerweile mein 13. Schwanitzer Fall – und die 30. Folge insgesamt. Dass ich so gern in dieses Dorf an der Ostseeküste zurückkehre, hat natürlich nicht nur mit der teils doch recht eigenartigen Bevölkerung dort zu tun, sondern vor allem mit Hinnerk Schönemann, Jana Klinge und Marleen Lohse, die mit ihrem einzigartigen Zusammenspiel die mitunter sehr verschiedenen Tonalitäten der Filme zusammenhalten.
Nachdem Hauke Jacobs bereits in „Die letzte Fähre“ von Jule Christiansen geträumt hatte, schien es mir eine schöne Idee zu sein, diese Geschichte mit einem Traum von Hannah Wagner zu eröffnen. Der verläuft allerdings nicht so romantisch, hat dafür aber ungeahnte Auswirkungen auf die Geschichte, in der wir auch noch einmal eine überraschende Nuance aus der Vergangenheit von Haukes Ex-Kollegin Lona Vogt kennenlernen.
Impressum
Herausgegeben von Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation
Redaktion:
Bettina Brinker, NDR/Presse und Kommunikation
Mitarbeit:
Nicola Sorgenfrey, NDR
Interviews, Rollenprofile, Texte:
Gitta Deutz
Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation
Bildnachweis:
NDR/Gordon Timpen
NDR/Johannes Fielers (Greta Benkelmann)
NDR/Anke Winschewski (Niels Holle)
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