NORD BEI NORDWEST – Bei Einbruch Mord

AM DONNERSTAG, 3. SEPTEMBER 2026, IM ERSTEN
AB MONTAG, 24. AUGUST, IN DER ARD MEDIATHEK

INHALT

Der Berufseinbrecher Jan und seine Begleitung Nele dringen ins Haus des vermögenden Ehepaares Leyla und Malte Spiekermann ein – doch das Vorhaben läuft anders als geplant. Als Leyla und Malte die Einbrecher stellen, liegen plötzlich Jan und Malte erschossen am Boden. Hatten sich die beiden Frauen verabredet? Nele flieht spurlos. Für die Schwanitzer Polizisten Hauke Jacobs und Hannah Wagner scheint der Fall zunächst klar, bis KTUler Puttkammer Ungereimtheiten auffallen. Jule Christiansen, die in ihrer Jugend mit Leyla und Nele befreundet war und mit ihnen in einer Band spielte, konfrontiert die beiden Frauen mit ihren Erkenntnissen zu einem möglichen Komplott. Dabei bringt sie sich selbst in höchste Gefahr.

BESETZUNG

Hauke Jacobs
Hinnerk Schönemann

Hannah Wagner
Jana Klinge

Jule Christiansen
Marleen Lohse

Mehmet Ösker
Cem Ali Gültekin

Herr Töteberg
Stephan A. Tölle

Puttkammer
Joshy Peters

Leyla Spiekermann
Janina Elkin

Nele Storm
Lana Cooper

Malte Spiekermann
Moritz Vierboom

Jan Krüger
Tosja Merlin Kruppa

Klaus Witt
Martin Stange

Leonard Böhm
Michael B. Sattler

Holly
Fritz

u. v. m.

STAB

Regie
Judith Kennel

Reihenidee
Holger Karsten Schmidt

Buch
Holger Karsten Schmidt

Kamera
Nicolay Gutscher

Ton
Maarten van de Voort

Musik
Stefan Hansen

Szenenbild
Kay Anthony

Kostümbild
Antje Petersen

Maske
Marie-Ena Wolf, Simone Rademacher, Nicole Masztalerz

Schnitt
Tina Freitag

Casting
Marion Haack

Produzenten
Seth Hollinderbäumer, Joshua Lantow, Oliver Behrmann

Redaktion
Donald Kraemer (NDR), Katja Kirchen (ARD Degeto Film)

Drehzeit
11. November 2026 bis 11. Dezember 2026

Länge
88´58

Drehorte
Fehmarn und Umgebung, Hamburg und Umgebung

„Nord bei Nordwest – Bei Einbruch Mord“ ist eine Produktion der triple pictures GmbH im Auftrag der ARD Degeto Film und des Norddeutschen Rundfunks für die ARD.

HAUKE
JAKOBS

Polizist und Inhaber der Schwanitzer Tierarztpraxis

Der 30. Kriminalfall beginnt für den wortkargen Polizisten und Inhaber der Tierarztpraxis, Hauke Jacobs, wieder mit einem erotischen Traum: dieses Mal mit seiner Kollegin Hannah Wagner. Ausgerechnet Jule Christiansen reißt ihn aus diesem Traum, was Hauke für einige Minuten ziemlich durcheinanderbringt. Kurz darauf überschlagen sich im vermeintlich beschaulichen Schwanitz wieder einmal die Ereignisse. Eine unheimliche Bedrohung scheint dieses Mal von Schwanitzern auszugehen, was viel Grübelei für Hauke bedeutet, der die Zusammenhänge zwischen den grauenvollen Vorfällen auf dem Friedhof verstehen will. Ein Besuch am Grab seiner ehemaligen Kollegin und Freundin Lona Vogt könnte ihm vielleicht eine Eingebung geben. Hauke stutzt: Ob sie ihm mit dem seltsamen Ex-Kollegen, der wie aus dem Nichts neben ihm an ihrem Grab auftaucht, eine Botschaft bringen möchte? Als sich die Ermittlungen dramatisch zuspitzen, gerät ausgerechnet Hauke unfreiwillig in höchste Gefahr, was ihm zwar einen weiteren erotischen Traum beschert, das aber in einer unheilvollen und nahezu ausweglosen Situation.

Hauke schätzt Jules großes Herz für Tiere, auch wenn ihm die Arche Noah, in die Jule den Gnadenhof umgewandelt hat, zu viel wird. Noch hält er sich zurück, denn in erster Linie versteht sich Hauke als Polizist. Und Jule gelingt es immer wieder, ihn um den Finger zu wickeln. Schockiert reagiert Hauke, dass er im Verlauf seiner und Hannahs Recherchen zu einem weiteren Fall, einem merkwürdigen Einbruch mit tödlichem Ausgang, Jules eigenmächtiges Handeln unterschätzt hat. Hannah und Jule sind für Hauke unentbehrlich. So dürfen sie auch mit ihm auf der „Princess of Schwanitz“, seinem Hausboot, „Mensch ärgere dich nicht“ spielen, was bislang Holly, seinem treuen Hund und Lebensbegleiter, vorbehalten war.

HANNAH
WAGNER

Leiterin des Polizeiposten Schwanitz

Zwei neue knifflige Fälle – für die toughe Kommissarin Hannah Wagner bedeuten sie jede Menge Recherche- und Analysearbeit, aber die gehört zu ihren Stärken in dem Schwanitzer Ermittlerduo. Fokussiert auf die zu lösenden Fälle lässt sie sich von nichts ablenken, es sei denn, sie wird erneut Zeugin eines vertrauten Moments zwischen Hauke und Jule …
Was und wer stecken hinter den gruseligen Entdeckungen auf dem Friedhof? Was verbirgt der hypernervöse, weinerliche Friedhofsverwalter? Vor allem Hannah misstraut ihm. An ihre Grenzen stößt Hannah, als sie Hauke telefonisch nicht erreichen kann. Panik erfasst sie, denn die emotionale Verbindung zu ihrem Kollegen ist intensiver geworden, auch seit sie einen seltsamen, verführerischen Traum hatte, von dem sie Hauke natürlich nichts erzählen wird. Aber zu einer Andeutung lässt sie sich schon hinreißen …

Der zweite Kriminalfall um einen Einbruch mit zwei Toten entpuppt sich als nicht minder komplex und Hannah spürt früh, dass die Ehe von Leyla Spiekermann alles andere als glücklich war. Dass Jule sich wieder einmal aktiv in die polizeilichen Ermittlungen einmischt, nur weil sie, Leyla und die Musikerin Nele früher in einer gemeinsamen Band spielten, gefällt Hannah nicht. Sie befürchtet, Jule, immerhin Tierärztin und keine Polizistin, könnte sich mit ihren Alleingängen wieder einmal gefährden. Oder ist Hannah eifersüchtig? Letztendlich liegt sie mit ihrer Sorge nicht falsch – und gerät wie Hauke in helle Aufregung, als Jule nicht auffindbar ist.

JULE
CHRISTIANSEN

Tierärztin, Mitinhaberin der Schwanitzer Tierarztpraxis

Sie ist das Herz von Schwanitz, offen und fröhlich, mit einem entwaffnenden Charme gesegnet, jemand, der für Mensch und Tier immer tröstende Worte findet, jeden im Dorf kennt und von allen geschätzt wird: Jule Christiansen, Tierärztin und Mitinhaberin von Hauke Jacobs’ Tierarztpraxis. In ihrer Welt geht sie derart auf, dass der Gnadenhof der Praxis inzwischen einem Zoo gleicht – zum Missfallen von Hauke, der jeden Neuzugang kritisch kommentiert: „Frau Christansen, wir sind nicht die Arche Noah!“. Aber sollte man die ausgediente Legehenne Chantal nicht lieber vor dem Suppentopf ihrer grimmigen Besitzerin retten oder zwei Eseln, deren Halterin sehr krank ist, nicht ein Zuhause auf dem Gnadenhof gewähren?!

Tiere ermöglichen dem „U-Boot“, wie Hauke Jule aufgrund ihrer vielfältigen Kontakte, ihrer Neugier und Unerschrockenheit insgeheim nennt, außerdem den Zugang zu Menschen, die verbergen, was ans Licht kommen sollte, um ein Verbrechen aufzuklären oder ein weiteres zu verhindern. Oder wie Jule es ausdrückt, wenn sich wieder einmal ihr Bauchgefühl meldet: „Hier stimmt etwas nicht.“ So auch dieses Mal: Jule scheut kein Risiko. Ihre Beobachtungsgabe und ihr Mut führen dazu, dass sie sich im Alleingang in die polizeilichen Ermittlungen um ihre Ex-Band-Kolleginnen Leyla und Nele einmischt. Vielleicht auch aus Trotz, weil sie sich von Hauke und Hannah dieses Mal nicht ernst genommen fühlt. Das führt allerdings dazu, dass Jule, die sich in Schwanitz längst als dritte Polizistin sieht, sich einmal mehr überschätzt und in höchste Lebensgefahr bringt. Was rettet sie letztlich? Haukes herzenszerreißender Schrei in der Stunde der Not: „Du kannst alle Tiere haben für deinen Gnadenhof!“ Weiß Hauke, was er sich damit einhandelt?

LEYLA
SPIEKERMANN

(Janina Elkin)

Leyla Spiekermann hatte sich ihre Rückkehr nach Schwanitz mit Ehemann Malte anders vorgestellt. Nach außen hin scheint die heile Welt mit luxuriöser Villa, großem Garten, Pferden und eigenem Pferdestall perfekt, aber Malte entwickelt sich vom liebevollen Gatten zum herrischen, gewalttätigen Partner. Die Fassade von der perfekten, harmonischen Ehe hält Leyla auch vor Jule aufrecht, mit der sie früher in einer Musikband spielte. Den Boden unter den Füßen verliert Leyla endgültig, als sie herausfindet, dass Malte eine Geliebte hat. Emotional und ökonomisch abhängig von ihm, sucht sie verzweifelt Liebe und Verbundenheit, verstrickt sich dabei aber immer tiefer in ihrer eigenen Ausweglosigkeit. Sie erlangt nicht die ersehnte Freiheit, sondern gerät immer tiefer ins Verderben. Ein zufälliges Wiedersehen mit Nele, der dritten Bandkollegin, macht der völlig verunsicherten Frau Hoffnung. Gemeinsam schmieden sie einen ausgeklügelten Plan. Aus Leyla, einer schüchternen jungen Frau, wird eine Femme fatale, die sich entsprechend mondän und geheimnisvoll kleidet. Sie beschließt, unterstützt von Nele, ihr Leben endlich in die eigenen Hände zu nehmen. Dabei hat sie allerdings die Rechnung ohne Nele gemacht und auch Jule unterschätzt.

„Das Ergebnis ist vielleicht am ehesten eine Art Krimi-Melodramödie – wobei allein das Wort schon das Schräge in sich trägt, das mir in 'Nord bei Nordwest' so gut gefällt.“

Ein Gespräch mit Judith Kennel, Regisseurin von „Bei Einbruch Mord“

Frau Kennel, was hat Sie an der Inszenierung des Buchs von Holger Karsten Schmidt gereizt?
Es dauerte einen Moment, bis ich die Herausforderung gefunden hatte – und dann entblätterte sich das Buch wie von selbst. Der Reiz, zwei Frauen zu zeigen, die Gewalt und Verrat durch einen Mann erleben und dabei weder in die Opferrolle fallen noch das Richtige tun, sondern das denkbar falsche Mittel wählen – nämlich Rache – begann richtig Spaß zu machen.

Ist die Geschichte Krimi und Melodrama zugleich?
Natürlich ist die Geschichte vom Plot her ein Krimi und man könnte durchaus ein Melodrama daraus machen. Aber wir befinden uns ja in der Welt von Schwanitz und da gehören Humor, ein Augenzwinkern und eine gewisse Überhöhung dazu. Das Ergebnis ist vielleicht am ehesten eine Art Krimi-Melodramödie – wobei allein das Wort schon das Schräge in sich trägt, das mir in „Nord bei Nordwest“ so gut gefällt.

Judith Kennel, Regisseurin von „Bei Einbruch Mord“

Judith Kennel, Regisseurin von „Bei Einbruch Mord“

Wie sind Sie auf die Besetzung von Janina Elkin und Lana Cooper gekommen? Wie haben beide Sie davon überzeugt, ihren Figuren die gewünschte Glaubwürdigkeit geben zu können?
Interessanterweise habe ich mir beim ersten Lesen die Figur der Nele gleich als jemanden wie Lana Cooper vorgestellt. Als Casterin Marion Haak sie vorschlug, war sie eigentlich sofort besetzt. Bei der Figur der Leyla war ich zunächst unschlüssiger, vor allem was ihre Verletzlichkeit und Weiblichkeit betrifft – Eigenschaften, die im Laufe der Geschichte ja massiv brechen. Deshalb habe ich mir die Castingbänder mehrerer Schauspielerinnen angeschaut. Persönlich getroffen und gesprochen habe ich zuerst mit Janina und nach diesem Gespräch war für mich klar, dass sie genau das mitbrachte, wonach ich suchte: die Lust, widersprüchlich zu sein, in die Überhöhung und den Humor zu gehen, ohne die Figur dabei zu verraten.
Schön war, dass Produzent Seth Hollinderbäumer und Redakteur Donald Kraemer das genauso sahen. Ich stand also mit meinen absoluten Wunschkandidatinnen am Set. Das war auch bei Moritz Vierboom so, der Rolle des Ehemanns. 

Hatten Sie für die Inszenierung Vorbilder im Kopf? Es gibt ja einige Reminiszenzen an Filme von Hitchcock.
Thelma & Louise waren präsent, ebenso Hitchcock und der Film Noir. Diese Inspirationen nutzte ich aber vor allem für Zitate: Kopftuch, Sonnenbrille und die Eleganz von Leyla sind Anspielungen auf Audrey Hepburn. Für den Unterbau der Inszenierung suchte ich nach etwas Archetypischerem und wurde in der griechischen Mythologie fündig. Diese zwei Frauen, die sich gegen Verrat und Gewalt verbünden und dennoch das falsche Mittel wählen, haben für mich etwas von den großen Rächerinnen Medea und Klytämnestra – Frauen, die nicht klein beigeben, auch wenn sie sich dabei selbst schaden. Und im Sinne des Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung würde ich sagen: Es geht um den Schatten, um das, was lange verdrängt wurde und sich irgendwann Bahn bricht – in seiner ganzen Gewalt.
Was die Geschichte noch komplizierter und interessanter macht: Die eine Frau benutzt die andere. Auch das ist archetypisch, auch das kennen wir aus der Mythologie. Es gibt keine unschuldige Seite. Genau das hat mich fasziniert – diese moralische Grauzone, in der alle Figuren verstrickt sind, auch der Mann.

War es eine Herausforderung, das flirrende Spiel des Trios Hauke, Hannah und Jule am Laufen zu halten?
Dazu musste ich eigentlich nicht viel beitragen. Die drei kennen ihre Figuren und ihre Positionen in der Dreieckskonstellation ganz genau  und haben so viel Lust, das in allen Varianten auszuspielen, dass meine Herausforderung vor allem darin bestand, fast wie eine Jongleurin diese drei flirrenden, bunten Bälle in der Balance zu halten.

 

„Spätestens, als wir meine ersten Musikentwürfe zum Bild sahen, zeigte sich, dass dieses Konzept wunderbar aufgeht und dem Film eine emotionale Tiefe verleiht, die weit über einen 'normalen' Krimi hinausgeht.“

Ein Gespräch mit Stefan Hansen, Filmkomponist

Herr Hansen, Ihr Musikkonzept zu dem Film „Bei Einbruch Mord" lehnt sich eng an die Musik von Hitchcock- bzw. Hollywood-Filmen an. Was hat Sie dazu inspiriert, wie haben Sie die Musik kreiert?
Unser Ziel bei „Nord bei Nordwest“ ist es, möglichst keine „normalen" Krimis zu produzieren, sondern immer auch eine spezielle Farbe einzubauen, die unsere Filme besonders macht. Das fängt mit dem Setting, den Figuren und dem Drehbuch an. Darauf versuche ich dann aufzubauen und im Rahmen der Musik idealerweise einen speziellen Aspekt hinzuzugeben. Bei diesem Film war die Idee unserer tollen Regisseurin Judith Kennel, das Ganze etwas in Richtung Hitchcock/Film Noir zu drehen. Ausstattung und Kostüm zeigen dies: So fährt Leyla Spiekermann zum Beispiel ein altes Mercedes-Cabrio und trägt dabei 50er-Jahre-Sonnenbrille und Kopftuch. Aber auch die Story selbst könnte man sich wunderbar als Film Noir der 50er Jahre vorstellen. Daher war der musikalische Ansatz von vornherein klar und spätestens, als wir meine ersten Musikentwürfe zum Bild sahen, zeigte sich, dass dieses Konzept wunderbar aufgeht und dem Film eine emotionale Tiefe verleiht, die weit über einen „normalen“ Krimi hinausgeht.

Ich habe verschiedene Themen und Motive entwickelt, die vor allem die Figur Leyla sowie die Rückblenden, aber auch Jules Ermittlungen passend unterstützen. Diese Themen werden an einigen Stellen mit bereits eingeführten Motiven wie dem „Hauke“-Thema kombiniert, worauf nicht zuletzt unser Redakteur Donald Kraemer immer sehr viel Wert legt. Im Verlauf des Films entwickeln sich die verschiedenen Themen so, wie es Handlung und Szene erfordern.

Ihre Musik zu dieser Geschichte ersetzt oftmals Dialoge. Inwiefern war es Ihnen wichtig, diesen Hebel einzusetzen?
Musik kann neutralen Handlungen im Bild mit nur wenigen Tönen einen emotionalen Kontext verleihen. Das sieht man in unserem Film sehr gut am Einsatz des Themas in den Rückblenden, die mit wenig Dialog auskommen und trotzdem die Geschichte erzählen. Dabei beziehen sie emotional eindeutig Stellung und vermitteln zugleich, dass es sich um eine Rückblende handelt. Das hilft uns als Zuschauer, Leylas Motivation zu verstehen und dadurch ihre Handlungen in einem etwas anderen Licht zu sehen. Insgesamt verbindet man sich dadurch mehr mit der Protagonistin Leyla, womit der Film vom reinen Krimi in Richtung Drama schwenkt und uns mehr mitnimmt.

Welche Instrumente und Klangfarben haben Sie eingesetzt, um die Emotionen der Zuschauer*innen zu steuern?
Mit dem Hitchcock- bzw. Film Noir-Ansatz war klar, dass ein großer Teil des „Klangkörpers“ orchestral sein sollte. Ich habe entsprechend der Filmmusik der 50er Jahre Besetzungen und Arrangements sowie in der Komposition entsprechende, seinerzeit als sehr „modern“ empfundene harmonische Wendungen benutzt. Darüber hinaus habe ich bei der Musikmischung auf Software zurückgegriffen, die den damaligen Klang – u.a. alte Röhrentechnik und Aufnahme auf Bandmaschinen – möglichst authentisch nachbildet. Parallel gibt es einige „Trademark“-Klänge, die ich immer wieder in den „Nord bei Nordwest“-Filmen benutze, wie etwa Akkordeon, Gitarren, Hang Drum, und die ich auch hier eingesetzt habe, um den Zuschauer unterbewusst daran zu erinnern, dass er gerade einen „Nord bei Nordwest“-Film sieht.

 

„Ihre Tat ist für mich deshalb kein Akt von Hass, sondern vor allem ein Akt tiefster Machtlosigkeit.“

Statement von Janina Elkin

Mich hat an dieser Figur interessiert, den Weg einer Frau nachzuvollziehen, die nach außen ein scheinbar gutes Leben führt und dennoch an den Punkt kommt, einen Schlussstrich zu ziehen. In Filmen und Serien sieht man oft fast selbstverständlich zu, wie getötet wird. Aber im wirklichen Leben stellt sich die Frage: Was muss in einem Menschen vorgehen, damit er diese Grenze überschreitet?

In meiner Vorbereitung auf die Rolle habe ich vor allem Leylas tiefe Trauer über die zerbrochene Liebe zwischen Malte und ihr gespürt. Für sie ist diese Beziehung nicht nur Partnerschaft, sondern der Mittelpunkt ihres Lebens, die Grundlage ihres Selbstwertes. Zu merken, wie die Liebe des Partners langsam versickert und sich am Ende in Respektlosigkeit und Verachtung verwandelt, ist für Leyla ein existenzieller Schmerz. Sie spürt instinktiv, dass es sie innerlich zerstören würde, wenn ihr Mann sie verlässt, weil seine Liebe nun einer anderen Frau gehört.

Ihre Tat ist für mich deshalb kein Akt von Hass, sondern vor allem ein Akt tiefster Machtlosigkeit. In Leyla verbinden sich Wut, Trauer und Demütigung zu dem Gefühl, alles gegeben zu haben und trotzdem nicht genug gewesen zu sein. Wir spielen in dieser Geschichte mit Rückblenden, es gibt – typisch für den Film Noir – kein Happy End, und Leyla erinnert ein wenig an eine Antiheldin dieses Genres. Auch Nele, ihre Freundin und spätere Kontrahentin, ist eine Anlehnung an die Femme fatale.

Die Arbeit mit Judith war für mich etwas ganz Besonderes. Sie hat mir sehr viel Vertrauen entgegengebracht, war offen für Ideen und Vorschläge und ließ einem im Spiel eine große Freiheit. Gleichzeitig weiß sie sehr liebevoll einzugreifen und zu lenken, wenn es nötig ist. Und das „Nord bei Nordwest“-Team ist wirklich außergewöhnlich. Man fühlt sich so willkommen und angenommen, dass man am liebsten für immer bleiben möchte. Es ist nicht selbstverständlich, ein Team zu erleben, das untereinander wie eine große Familie funktioniert. Da wird nicht gezickt, nicht geschrien, sondern alle unterstützen einander und wollen gemeinsam das Beste für den Film. Auch Marleen, Jana, Hinnerk und Cem sind einfach zauberhaft: sehr offen, freundlich und zugewandt. Es machte große Freude, mit ihnen zu arbeiten und gemeinsam etwas zu entwickeln.

„Mir gefiel bei der Entwicklung dieser Episode der Gedanke, dass dieser mörderische Plan lediglich ein Mosaik eines noch raffinierteren darstellt.“

Holger Karsten Schmidt, Autor von „Bei Einbruch Mord“

Der Arbeitstitel war „Schwarze Witwen“, und zunächst hat es zu Beginn der Geschichte den Anschein, als hätten sich hier zwei Frauen zu einem mörderischen Plan verabredet.
Aber mir gefiel bei der Entwicklung dieser Episode der Gedanke, dass dieser mörderische Plan lediglich ein Mosaik eines noch raffinierteren darstellt.
Den nämlich einer Femme fatale, einer archaischen Figur, die dieser Folge vielleicht einen Hauch Film Noir verleiht – auch wegen des Endes. Vor allem aber, weil Judith Kennel meine Geschichte sehr fein als einen Film Noir inszeniert hat. Garniert mit der großartigen Musik von Stefan Hansen, der diese Umsetzung mit seiner Komposition untermalt, begleitet und abrundet.
Von dem US-amerikanischen Schriftsteller William Faulkner stammt das Zitat „Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Schmerz und dem Nichts, wähle ich den Schmerz.“
Für Nele, meine Femme fatale, gilt dieser Satz in seiner Umkehrung: „Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Schmerz und dem Nichts, wähle ich … das Nichts.“
Daraus bezieht diese Figur ihre Entschlossenheit und Gradlinigkeit.
Auch Hauke Jacobs respektiert am Ende ihren stummen, nur mit einer Geste ausgesprochenen Wunsch. Aus Mitmenschlichkeit.

Impressum

Herausgegeben von Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation

Redaktion:
Bettina Brinker, NDR/Presse und Kommunikation

Mitarbeit:
Nicola Sorgenfrey, NDR

Interviews, Rollenprofile, Texte:
Gitta Deutz

Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation

Bildnachweis:
NDR/Sandra Hoever
NDR/Gordon Timpen
NDR/Marcel Gisler (Judith Kennel)
NDR/Shirin Baouche (Stefan Hansen)
NDR/Ira Zehender (Holger Karsten Schmidt)

Fotos:
www.ard-foto.de

Presseservice:
ARDTVAudio.de

Pressekontakt

Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation

E-Mail:
presse@ndr.de

Web:
www.ndr.de/presse