ACHIM, WIE HAST DU MENSCHEN AUS DER DDR GESCHMUGGELT?

AB DEM 2.7.2026 IN ARD SOUNDS

ZEITKAPSEL, Staffel 2:
Achim, wie hast du Menschen aus der DDR geschmuggelt?

Achim Neumann ist 22, als in Berlin die Mauer gebaut wird. Er fühlt sich eingesperrt in der DDR – und erlebt er immer häufiger, wie heftig die Regierung Andersdenkende schikaniert. Noch 1961 flieht er aus der DDR. Um auch seine Freundin in den Westen zu holen, schließt er sich einer Gruppe an, die einen Tunnel von West nach Ost graben will. Ein gefährliches Unterfangen.

Achim Neumann | © NDR/Moritz Strohm

Achim Neumann | © NDR/Moritz Strohm

Im Podcast „Zeitkapsel“ erzählt Achim seine Geschichte – und die ist spannend wie ein Krimi, wenn plötzlich Wasser in den Fluchttunnel läuft, wegen eines Verrats alles abgebrochen wird, tödliche Schüsse fallen. Sie ist erschreckend, wenn es um junge Menschen in der DDR geht, die verhaftet werden, weil sie die falsche Musik hören. Die für Jahre im Gefängnis landen, weil sie über Flucht nachdenken. Es ist aber auch (oder vielleicht vor allem) eine große Liebesgeschichte: Für seine Freundin (und spätere Ehefrau) riskiert Achim sein Leben.

Wie schon in der preisgekrönten ersten Staffel über die Holocaustüberlebende Irene Butter sind es Jugendliche, die ins Gespräch mit dem Zeitzeugen kommen. Eva und Josef sind 16 und 17 und damit im selben Alter wie Achim, als er die ersten Konflikte mit dem SED-Regime hatte. Die beiden leben im niedersächsischen Lohne und kennen die DDR nur aus dem Geschichtsunterricht. Zu dem 86-jährigen Achim haben sie sofort einen Draht, unterhalten sich auch mal über Musikgeschmack und Lieblingsessen.

Für eine Folge des Podcasts geht es mit Achim neun Meter unter die Erde, wo Eva und Josef einen Original-Fluchttunnel besichtigen. Zusammen mit den Hörer*innen bekommen sie hier einen unmittelbaren Eindruck davon, wie es war, in einem feuchten, kalten Keller nur mit einem Spaten einen mehr als 100 Meter langen Tunnel in den harten Boden zu graben.

„Zeitkapsel“ ist ein Oral History Podcast: Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte - auf Augenhöhe und für Jugendliche. Mit Achim Neumann haben wir für die zweite Staffel wieder einen wunderbaren Protagonisten gefunden, der es mühelos schafft, bei einer jungen Generation Interesse für ein besonderes Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte zu wecken.

Host ist diesmal Wiebke Keunecke, Journalistin aus Berlin, die die Jugendlichen begleitet und zwischen den Interview-Passagen die nötigen historischen Einordnungen liefert.

Wiebke Keunecke | © NDR/Moritz Strohm

Wiebke Keunecke | © NDR/Moritz Strohm

Viele Archiv-Töne und ein aufwendiges Sounddesign machen den Podcast zu einem echten Hörerlebnis.

Den achtteiligen Podcast „Zeitkapsel: Achim, wie hast du Menschen aus der DDR geschmuggelt?“ gibt es in ARD Sounds. Die ersten beiden Folgen werden am 3. Juli 2026 veröffentlicht, die weiteren Folgen dann im Wochenrhythmus.

Länge der Folgen: 30 Min
Anzahl der Folgen: 8
Lineare Ausstrahlung: ab 2. Juli auf NDR Kultur

Auferstanden aus Ruinen (1/8)

Als die DDR gegründet wird, ist Achim zehn Jahre alt. Je älter er wird, desto mehr bekommt er die Ungerechtigkeit des Regimes zu spüren. Er ist dabei, als sowjetische Soldaten den Aufstand von 17. Juni 1953 brutal niederschlagen. Er muss Mitglied der FDJ sein, um studieren zu dürfen. Er darf nicht die Musik hören, die ihm gefällt. Aber als Berliner hat er immer noch die Chance, Clubs und Konzerte in West-Berlin zu besuchen. Bis sich im Sommer 1961 alles ändert.

Bild: © NDR/Historische Sammlungen BU e.V. - Archiv Neumann und Paape

Die Mauer – eingesperrt im eigenen Land (2/8)

Was war eigentlich so anders in der DDR – und warum? Das wollen Eva und Josef von Achim wissen. Und inwiefern verschärft der Bau der Berliner Mauer die Situation damals gerade für Jugendliche? Für Achim ist die krasse Abschottung gegen den Westen ein Schock. Er fühlt sich eingesperrt. Eine Party, die für einen Freund im Gefängnis endet, gibt den Ausschlag: Achim will weg.

Bild: © NDR/picture-alliance / Konrad Giehr | Konrad Giehr

Flucht in den Westen (3/8)

Achims Entschluss steht fest: Er will in den Westen. Selbst wenn er Freunde, Eltern und seine große Liebe Christa zurücklassen muss. Eine Flucht über die Grenze ist gefährlich, viele Menschen werden bei dem Versuch erschossen oder verhaftet und dann landen für Jahre im Gefängnis. Wie überwindet man eine derartig schwer bewachte Grenze? Im Auto verstecken, einen Pass fälschen? Achim findet einen Weg, aber das Thema „Flucht“ ist für ihn danach nicht vorbei. Im Gegenteil: Jetzt will er Freunde in den Westen holen – und Christa.

Bild: © NDR/picture-alliance / IBL Schweden | IBL Bildbyrå

Ein Tunnel unterm Todesstreifen (4/8)

Es ist ein waghalsiger Plan: Achim und eine Gruppe junger Männer wollen einen Tunnel unter der Mauer graben. Von West- nach Ost-Berlin. Um zu verstehen, wie schwierig das ist, besuchen Eva und Josef mit Achim den Verein Unterwelten e.V. direkt an der Bernauer Straße. Dort geht es neun Meter unter die Erde. In einem feuchten, kalten, dunklen Keller erklärt Achim den beiden Jugendlichen aus Lohne (Niedersachsen) genau, wie sie damals die Tunnel gebaut haben. Und mit welchen Problemen sie dabei dealen mussten.

© NDR/Katharina Mahrenholtz

Die Tunnelbauer (5/8)

Wochenlang graben. Nur mit einem Spaten. Meter für Meter von Ost nach West, bis zu zwölf Meter unter der Erde. Dabei immer die Angst, dass die Aktion verraten wird, denn die Stasi hat ihre Augen und Ohren überall. Die Menschen im Osten, die auf ihre Flucht warten, dürfen mit niemanden darüber sprechen, denn schon für den Plan einer Flucht kann man ins Gefängnis kommen. Genau das passiert mit Christa, Achims Freundin, die er so dringend in den Westen holen will. Was jetzt?

© NDR/Historische Sammlungen BU e.V. - Archiv Neumann und Paape

Ein Brief von Christa (6/8)

Auch nachdem der eine Tunnel verraten wurde, geben die Tunnelbauer nicht auf. Sie starten einen neuen Versuch. Es wird der längste, tiefste und teuerste Tunnel. Eigentlich soll der unter anderem Achims Freundin Christa endlich die Flucht ermöglichen. Allerdings sitzt sie im Gefängnis, verurteilt zu 21 Monaten Haft. Achim ist enttäuscht. Doch dann bekommt er einen Brief von Christa. Am Tag, an dem der Tunnel geöffnet werden soll. Sie ist vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, könnte es also doch in den Tunnel schaffen. Aber: Wie soll Achim sie informieren, ohne dass die Stasi davon Wind bekommt?

© NDR/Historische Sammlungen BU e.V. - Archiv Neumann und Paape

Ein Toter am Tunnel (7/8)

Eine ganze Nacht lang schleusen Achim und die anderen Tunnelbauer Menschen von Ost nach West. Alles klappt perfekt. In der nächsten Nacht geht es weiter. Doch plötzlich tauchen zwei verdächtige Männer auf. Sind das wirklich Fluchtwillige oder Spitzel? Und dann fallen plötzlich Schüsse am Tunneleingang.

© NDR/Historische Sammlungen BU e.V. - Archiv Neumann und Paape

Das Leben nach der Flucht (8/8)

Mehr als 60 Jahre ist es jetzt her, dass Achim Menschen durch den Tunnel von Ost nach West geschleust hat. Lange Zeit hat er mit niemandem über seine Arbeit als Fluchthelfer gesprochen. Erst zehn Jahre nach der Wiedervereinigung wird sein Name bekannt. Und inzwischen ist es für Achim sehr wichtig, seine Geschichte zu erzählen, weil sie ein Teil der deutsch-deutschen Vergangenheit ist, der nicht vergessen werden darf.

© NDR/Katharina Mahrenholtz

STAB

Host
Wiebke Keuneke (Studio van Meer)

Story Editing und Redaktion
Katharina Mahrenholtz

Redaktionelle Mitarbeit
Katja Essbach

Skript, Ton und Schnitt
Mark Diening (Studio van Meer)

Faktencheck
Yves Müller (Historiker an der Hochschule Magdeburg-Stendal)

Producer
Alexander Gerhardt

Sounddesign
Bente Faust (Honig und Gold)

Mischung
Jan Stahlmann

Marketing und Distribution
Birgit Laabs, Julia Kaiser und Marie Hamann

Projektleitung und Executive Producer
Torben Steenbuck

Produktionsleitung
Claudia Richter

Leitung NDR Kultur
Anja Würzberg

© NDR/Katharina Mahrenholtz

© NDR/Katharina Mahrenholtz

EVA KOHAKE

Wie waren die Aufnahmetage für euch?
Für mich waren die Aufnahmetage unfassbar intensiv. Natürlich wollte man immer gut zuhören und das Thema war ja auch sehr interessant, aber es war dann doch anstrengender als gedacht.

Was habe ich mitgenommen?
Ich habe für mich mitgenommen, dass man durchaus Systeme kritisch hinterfragen darf und auch sollte. Gleichzeitig finde ich die Vorstellung immer noch sehr heftig, dass das vor nicht einmal 100 Jahren genau hier in Deutschland war. Natürlich hat man z.B. im Geschichtsunterricht über die Lebensbedingungen etc. gesprochen, es war aber nochmal heftig, das alles wirklich von jemandem geschildert zu bekommen, der das auch wirklich miterlebt hat.

Wie wirkt das ganze bei dir nach?
Ich denke noch öfter an die unglaublich intensiven und interessanten Gespräche. Ich glaube, viele Quintessenzen konnte ich auch wirklich mitnehmen und behalten. Ich bin allerdings auch schon gespannt auf die Veröffentlichung, da ich mir, um ehrlich zu sein, nicht jedes Detail der, ich glaube es waren am Ende über 15 Stunden, merken konnte.

Hast du mit Freunden darüber gesprochen?
Meine Freunde waren schon sehr interessiert an dem Projekt und an meinen Erfahrungen und wir haben schon viel darüber gesprochen.

Hat sich dein Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte verändert?
Mein Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte hat sich nicht wirklich verändert, aber definitiv verdeutlicht. Ich finde, Achim konnte uns die Lage, in der sich viele DDR Bürger befanden, sehr gut darstellen und auch viel besser als jeder Geschichtslehrer es jemals könnte.

JOSEF LESCH 

Wie waren die Podcast Tage für mich?
Die Tage waren sehr, sehr interessant und beeindruckend. Die Gespräche mit Achim haben mir hautnah gezeigt, wie die DDR wirklich war, viel besser als es Schulbücher können.

Was habe ich mitgenommen?
Dass es Menschen wie Achim gibt, die - egal was kommt - immer anderen helfen wollen und dafür auch sich selbst gefährden. Und wie krass Regime ihre Bürger unterdrücken oder einfach willkürlich einsperren und drangsalieren.

Wie wirkt das ganze bei dir nach?
Die Gespräche mit Achim haben mich tief beeindruckt. Er hatte so viel Mut und Vertrauen zu seinen Freunden. Vor allem fand ich krass, dass er, nachdem er in Sicherheit war, immer weiter Menschen in den Westen holen wollte - auf eigene Gefahr.

Hast du mit Freunden darüber gesprochen?
Mit meinen engsten Freunden ja. Vor allem darüber, wie das alles ablief usw. Vor allem aber auch mit Eva nach den Aufnahmen, um das Gehörte zu verarbeiten.

Hat sich dein Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte verändert?
Auf jeden Fall! Vorher hatte ich die DDR nie wirklich als autoritäres Regime wahrgenommen. Ich hatte keine Ahnung, wie schlimm es dort wirklich war. In unseren Schulbüchern bekam ich immer nur einen oberflächlichen Eindruck des Lebens damals. Die Gespräche mit Achim haben dieses Bild total verändert. Ich habe die DDR und das Leben dort jetzt erst wirklich verstanden und kennengelernt. 

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