Wir sind dann wohl die Angehörigen

AB 29. MÄRZ 2026 IN DER ARD MEDIATHEK
AM 29. MÄRZ, 00.05 UHR, IM ERSTEN

INHALT

Am 25. März 1996 wird der Publizist Jan Philipp Reemtsma entführt. Sein Sohn Johann und seine Frau Ann Kathrin erleben mit, wie sich ihr Zuhause über Nacht in eine Einsatzzentrale verwandelt. Zwei Betreuer der Polizei, der Anwalt der Familie und ein enger Freund bilden eine Schicksalsgemeinschaft, verbunden nur durch das gemeinsame Ziel, Johanns Vater möglichst schnell und unversehrt nach Hause zu holen. Mehr als vier Wochen lang wird Johann Zeuge, wie zäh das Ringen mit den Entführern ist, und wie die quälende Ungewissheit allen im Haus zu schaffen macht. Wie hält man die Sorge, die Angst und die Langeweile aus? Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber gleichzeitig zum Warten gezwungen wird?

BESETZUNG

Johann Scheerer
Claude Heinrich

Ann Kathrin Scheerer
Adina Vetter

Gerhard Schwenn
Justus von Dohnányi

Christian Schneider
Hans Löw

Vera
Yorck Dippe

Nickel
Enno Trebs

Rainer Osthoff
Fabian Hinrichs

Jan Philipp Reemtsma
Philipp Hauß

u. v. m.

STAB

Regie
Hans-Christian Schmid

Buch
Michael Gutmann, Hans-Christian Schmid

Romanvorlage
Johann Scheerer

Kamera
Julian Krubasik

Szenenbild
Zazie Knepper

Kostüm
Christian Röhrs

Maske
Stefanie Gredig, Pia Karlotta Paprzik

Schnitt
Hansjörg Weißbrich

Musik
The Notwist

Produktionsleitung
Dorissa Berninger, Daniel Buresch (NDR)

Ton
Patrick Veigel

Casting
Suse Marquard, Rietz Casting

Produzent*innen
Britta Knöller, Hans-Christian Schmid

Redaktion
Christian Granderath, Sabine Holtgreve (NDR), Claudia Simionescu (BR), Andreas Schreitmüller, Claudia Tronnier (ARTE)

Länge
108:53 Minuten

Drehorte
Hamburg, Nordrhein-Westfalen

Anlässlich des 30. Jahrestages der Entführung des Hamburger Stifters und Literatur- und Sozialwissenschaftlers Jan Philipp Reemtsma, am 25.März 1996. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Erinnerungsbuch von Johann Scheerer zur Entführung seines Vaters. 

„Wir sind dann wohl die Angehörigen“ ist eine Produktion der 23/5 Filmproduktion, gefördert mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Deutschen FilmFörderFonds, der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen und der Medienboard Berlin-Brandenburg in Koproduktion mit NDR und BR in Zusammenarbeit mit ARTE.

INTERVIEW

Michael Gutmann und Hans-Christian Schmid

Wer von Euch hatte denn die Idee, das Buch zu verfilmen?

Michael Gutmann: Hans-Christian und ich sind in unserer Arbeit immer wieder einmal auf Zeitungsartikel gestoßen, die uns inspiriert haben. Im Februar 2018 war das die Ankündigung einer kommenden Veröffentlichung: Johann Scheerer, Wir sind dann wohl die Angehörigen. Es sprang uns ins Auge, dass da ein 13-Jähriger erlebt, wie sein Vater entführt worden ist. Wir fanden es gut, wie nah hier aus der Perspektive der Angehörigen erzählt wird und wir dachten, für eine Drehbuchadaption würden wir auf keinen Fall in die Täterperspektive wechseln wollen, auch nicht zum Ort der Gefangenschaft gehen, wie das bei Krimis oft der Fall ist. Wir fragten uns, wie sich etwas, das man sonst mit „True Crime“ assoziieren würde, in Hans-Christians Werk integrieren könnte.

Aber ist es nicht gerade ein verbindendes Element vieler Eurer Arbeiten: Wahre Geschichten als Ausgangspunkte für Filme, die dann durchaus auch Genrekriterien erfüllen? Ich denke an Eure gemeinsamen Arbeiten „23“, „Crazy“ und „Lichter“, sowie Hans-Christians „Requiem“ und „Sturm“.

Hans-Christian Schmid: Auch wenn unseren Filmen wahre Begebenheiten zugrunde liegen, stelle ich mir bei der Bearbeitung die Frage, was ein bestimmtes Ereignis oder ein Thema mit mir zu tun hat. Warum gerade ich diese Geschichte erzählen soll. Ich brauche einen klaren persönlichen Bezugspunkt, eine Verbindung zur eigenen Biografie. So wie „Requiem“ für mich in erster Linie kein Film über Exorzismus, sondern über eine misslungene Mutter-Tochter-Beziehung ist, so hat mich bei „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ vor allem das Dreieck
Vater-Mutter-Sohn interessiert.
Michael: Zum Thema Genre fällt mir ein: Johann Scheerer beschreibt im Buch, wie er sich abzulenken versucht, indem er alle möglichen VHS-Kassetten seines Vaters anschaut, hauptsächlich Action Adventure Movies mit gewitzten Helden. In Hans-Christians Filmen fällt mir auf, dass er keine Helden schildert, die sich im Kampf bewähren.
Hans-Christian: Es wäre gar nicht möglich gewesen, solche Helden zu erfinden, denn wir hatten keine großen Spielräume. Wir steckten im Korsett einer äußeren Handlung, die wir auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen mussten. Auch bei den Figuren waren wir festgelegt: Wir konnten sie nicht neu erschaffen, oder gar, wie im Genrefilm, ein ganzes Figurenteam mit einzelnen Aufgaben.

Wie habt Ihr dann mit den realen Rollenvorbildern Eure Vision abgeklärt – nur in der Drehbuchphase oder auch noch beim Dreh?

Hans-Christian: Das geschah im Vorfeld. Wir hatten mit Johann Scheerer vereinbart, dass wir mit allen Beteiligten Gespräche führen und ihnen die Drehbuchfassungen zum Lesen geben würden. Wir wollten den Schreibprozess transparent machen und die Beteiligten soweit es geht mit auf diese Reise nehmen. Wir haben uns zwei Jahre Zeit dafür genommen. Haben uns immer wieder getroffen – und so natürlich auch Vieles erfahren, das nicht in der Buchvorlage steckte.

Dieses Abgleichen mit den authentischen Perspektiven ist ja fast eine psychologisch-detektivische Arbeitsweise …

Hans-Christian: Ein Schlüsselmoment für Michael und mich war die erste Begegnung mit Johanns Mutter, Ann Kathrin Scheerer. Ihre Offenheit uns gegenüber hat uns gleichzeitig bewusst gemacht, wie groß unsere Verantwortung ist. Wir nehmen uns da ja ganz schön was raus: Als Außenstehende maßen wir uns an, etwas über die innersten Bereiche einer Familie in einem Ausnahmezustand zu erzählen.
Sie bat uns, möglichst psychologisch genau’ und ‚nicht unterkomplex’ zu erzählen. Bei einem weiteren Treffen, als schon die erste Buchfassung vorlag, sagte sie: „Im Drehbuch steht, dass ich auf dem Polizeirevier einen Zusammenbruch habe. Das stimmt nicht, ich hatte da nie einen Zusammenbruch“. Ich dachte, sie haut uns das gleich um die Ohren, aber dann sagte sie: „Für mich klingt es genau richtig so. Genau so hab‘ ich mich gefühlt, zu dieser Zeit.“ Das hat uns Mut gemacht, den Stoff frei zu bearbeiten, solange es uns gelingt, die Gefühle der Beteiligten auszudrücken.

Der Polizei muss man ja in unseren Breiten keine Drehbücher vorlegen – oder unterliegen einzelne Aspekte der Reemtsma-Entführung noch immer der Geheimhaltung?

Hans-Christian: Man muss der Polizei keine Drehbücher vorlegen, aber auch ein Polizist hat Persönlichkeitsrechte, und deshalb haben wir mit den Angehörigenbetreuern, der Polizeipsychologin und später auch mit dem Einsatzleiter die Buchfassungen besprochen. Für uns wurde bei den Gesprächen mit der Polizei ein Aspekt deutlich, der in Johann Scheerers Buch nur am Rande vorkommt: Der unauflösbare Widerspruch zwischen den Interessen der Angehörigen und denen der Polizei. Johann und seine Mutter wollten unbedingt,
dass bereits die erste Geldübergabe klappt. Die Polizei will das auch, doch sie hat auch einen Ermittlungsauftrag und sieht in den Übergaben ihre einzige Chance, den Tätern nahe zu kommen. Es wird also observiert, was wiederum die Übergaben gefährdet. Dieser Widerspruch wurde insbesondere für Ann Kathrin Scheerer zu einer unerträglichen Belastung. Ihr Zusammenbruch auf dem Revier ist eine komprimierte Veräußerlichung dieser Phase der Entführung.

Lässt sich ein autobiographisches Erinnerungsbuch überhaupt eins zu eins adaptieren?

Hans-Christian: Wir hätten Johann Scheerers Erzählperspektive einhalten und näher am Buch bleiben können, aber es war klar, dass er als 13-jähriger Vieles gar nicht miterleben konnte. Wenn seine Mutter und ihr Anwalt zu einer nächtlichen Geldübergabe aufbrechen, liegt er mit einer halben Valium im Bett. Wir haben uns also entschieden, die Perspektive auf seine Mutter zu erweitern, später auch noch auf den Anwalt, wenn er allein zu einer Übergabe fährt. Gleichzeitig haben wir uns bemüht, Johann schnellstmöglich an diesen äußeren Ereignissen teilhaben zu lassen, möglichst zeitgleich mit den Zuschauerinnen und Zuschauern.
Michael: Wir mussten den Blickwinkel öffnen, durften Johann aber nicht verlieren. Dafür haben wir viele kleine Spannungsbögen erfunden: Wie die kleine Szene, wo er in der Mülltonne nach der Vergil-Lektüre sucht, die ihm sein Vater gegeben hatte. Sonst wäre Johann leicht zur Nebenfigur geworden.

Eine weitere Herausforderung sind ja auch die beiden Zeitebenen, denn die Erinnerungsperspektive des erwachsenen Johann ist natürlich eine andere als die Zeitebene der Entführung.

Michael: Allerdings, Romane können mit großer Leichtigkeit Zeitebenen und Handlungsstränge kombinieren, aber im Film ist das höchster Schwierigkeitsgrad. Uns hat die Frage beschäftigt, ob Johann das alles rückblickend, also aus der Erinnerung erzählen könnte. Zum Beispiel haben wir in dem Zusammenhang die Klassiker „Stand by Me“ und „Mein Leben als Hund“ diskutiert. Schließlich haben wir beschlossen, die Gegenwartsperspektive draußen zu lassen, weil wir sie nicht brauchten. Aber auch innerhalb der Filmhandlung spielt Erinnerung immer wieder eine wichtige Rolle, Ann Kathrin Scheerers Erinnerung vor allem.
Hans-Christian: Beim Lesen des Buches fiel uns auf, dass die Perspektive manchmal wechselt, zwischen dem früheren Ich des Autors als 13-jährigem Jungen und dem, was ihm als 35-jährigen alles durch den Kopf geht, wenn er sich in diesen Jungen hineinversetzt. Seine inneren Monologe, gerade auch über sein Verhältnis zum Vater, spielen im Film keine große Rolle.

Obwohl die eigentliche Geiselnahme nicht zu sehen ist, sind wir dennoch in einer Gefangenensituation – denn die Angehörigen leben ja unter der Belagerung der Polizei. Ich finde, ein interessanter Genre-Switch, der mich an klassische Geiselnehmerfilme wie „Funny Games“ erinnert …

Hans-Christian: Johann hat das nicht so sehr als Belagerung empfunden, sondern hat sich im Haus offenbar beschützt gefühlt. Nach gelegentlichen Ausflügen ins Kino oder auf den Dom empfand er die Anwesenheit der Anderen als beruhigend. Eine Art Notgemeinschaft, die sich gegenseitig Halt gab. Und Schutz vor den Gefahren, die möglicherweise vor der Tür lauerten: die Komplizen der Täter oder Fotografen. Und dann setzte mitten in der Arbeit am Buch der erste Lockdown ein, und wir selbst konnten auch kaum mehr das Haus verlassen.

Wie habt Ihr denn die Arbeit im Pandemie-Lockdown empfunden?

Michael: Man muss schon sehr gut miteinander befreundet sein und einen Glauben an die gemeinsame Vision haben. Ich kam mir manchmal vor wie im 19. Jahrhundert, als Briefe so eine wichtige Rolle gespielt haben. Wir haben uns viel geschrieben und viel analysiert. Und uns vor allem zu Johann sehr viel einfallen lassen, was nie in den Film kam.

Sprechen wir über Freundschaft: Das ist Euer erster gemeinsamer Film seit 19 Jahren, hat sich da mal jemand aus den Augen verlorenen?

Michael: Die Freundschaft gab es immer, vor allem auf familiärer Ebene. Wir haben über die Jahre immer nach einer Gelegenheit gesucht, wie man mal wieder zusammen schreiben könnte. Ich bin einer der langsamsten Schreiber der Welt, und das ist dann auch immer so ein Geduldsspiel.

Man kann auch sagen: Es ist ein außergewöhnlich sorgfältiges und reflektiertes Arbeiten …

Michael: Ich glaube, für unsere Art der Umsetzung eines Stoffes ist es schon sehr wichtig, dass man sich gut kennt. Ein Kino der Beobachtung, das eben nicht sagt, wir sind dann mal im Kopf der Hauptfigur drin, sondern seine Wirkung durch das Licht, durch die Szene, durch das Zusammenspiel der Schauspieler entfaltet.

Michael, Du hast schon „Nach fünf im Urwald“, Hans-Christians ersten Spielfilm, geschrieben. Gibt es etwas, das einen Stil für Dich besonders charakterisiert?

Michael: Hans-Christian bemüht sich, jedes „bigger than life“ zu vermeiden. Das fällt mir im Marvel-Zeitalter noch mehr auf als damals. Im Film will der Angehörigenbetreuer Nickel sich von Johann verabschieden, der ist aber scheinbar in das Daddeln am Gameboy vertieft. Er blickt Nickel nicht an und sagt kein Wort. Nickel akzeptiert das und geht. Für mich eine starke Szene, die viel erzählt. Erst bei einer Buchlesung von Johann Scheerer 22 Jahre später haben die beiden sich wieder gesehen.

INTERVIEW

Adina Vetter und Hans-Christian Schmid

Was diese Geschichte über das gemeinsame Leid von Mutter und Sohn so ungewöhnlich macht, ist, wie sie mit ihren Gefühlen umgeht: Die beiden lassen ja kaum etwas heraus …

Hans-Christian Schmid: Sie hatten sich das so verordnet. Sich bloß keine Hoffnungen machen, um dann nicht umso schlimmer enttäuscht zu sein, wenn etwa eine Übergabe nicht klappt. Sie hatten sich auch versprochen, möglichst tapfer zu sein und nicht zu heulen. Sogar ihre Haushälterin hatten sie nach Hause geschickt, als die es nicht aushielt, ohne zu weinen.

Ist nicht auch das Verhältnis des Vaters zu Johann schon vorher emotional etwas zurückhaltend? Fast irreal wirkt da die Szene, als sie sich nach dem Ende der Entführung ein Bett im Bundeswehrkrankenhaus teilen …

Hans-Christian: In seinem Buch nutzt Johann Scheerer Rückblenden, um seine Beziehung zum Vater zu beschreiben. Die Nähe bei einem gemeinsamen Filmabend, aber auch die Distanz, wenn er sich fragt, wie er als 13-Jähriger auch nur halb so interessant sein könne, wie all die Bücher, mit denen sein Vater sich obsessiv umgibt. Da der Film ohne Rückblenden auskommen sollte, blieb uns nur eine einzige Szene, vor der Entführung, um das Verhältnis der beiden zu zeigen: Der Vater lernt mit dem Sohn Latein und versucht dabei, ihm etwas von seiner Begeisterung für diese Kultur zu vermitteln. Mein Vorbild für die Szene war „L’eau froide“ von Olivier Assayas. Da versucht der Vater bei seinem Sohn anhand eines Gemäldes Verständnis für die Kunst zu wecken. Der Sohn hat überhaupt keinen Zugang, obwohl der Vater das sehr einfühlsam macht. Sie sind auf zwei verschiedenen Planeten. Diesen Widerspruch wollte ich zeigen.

Adina, ist es nicht schwierig, einen Menschen in seiner Gefühlswelt darzustellen, wenn er diese selbst nicht ausdrückt?

Adina Vetter: Das ist für mich das Herausfordernde und Spannende an meinem Beruf. Es gibt immer Gründe, warum ein Mensch seine „Gefühlswelt“ nicht ausdrückt oder zeigt. Ann Kathrin Scheerer ist Psychoanalytikerin, sie hat die Möglichkeit seelische Prozesse zu analysieren und vor allem zu beobachten. Sie wusste, wie wichtig es war, sich nicht gehen zu lassen und sich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren, damit sie sich und alle anderen davor bewahrt, durchzudrehen.

Hans-Christian, wie hast Du Adina als Darstellerin für die Rolle gefunden?

Hans-Christian: Als Adina zum Casting kam, kannte ich sie nur aus der Serie „Braunschlag“, wusste aber auch, dass sie am Burgtheater in Wien gespielt hatte. Mir ging es nicht um äußere Ähnlichkeit zu Ann Kathrin Scheerer, sondern ich habe darauf geachtet, dass eine gewisse Stärke und Entschlossenheit sichtbar sind, und ich trotzdem den Eindruck habe, sie ist gleichzeitig so verletzlich, dass sie das, was passieren wird, sehr mitnehmen wird. Das habe ich beides in Adina gesehen. Und dann natürlich noch etwas, das sich schwer beschreiben lässt. Eine Durchlässigkeit, die es ermöglicht, Gefühle glaubhaft sichtbar zu machen.

Manche Schauspieler haben Angst, über ihre Arbeit zu reden, weil sie damit die Unschuld verlieren könnten …

Adina: Das kann ich verstehen, vielleicht nimmt es etwas von dem Zauber, den es auch immer irgendwie braucht. Es ist spannend für mich herauszufinden, wie man sich auf einen Menschen zubewegt in der Darstellung. Wie war es, diese Frau zu sein, zu dieser Zeit, an diesem Ort und unter diesen Umständen. Und wie stehe ich dazu?

Man kennt Dich von vielen großen Theaterrollen. Du hast viel mit dem großen Regisseur Luc Bondy gearbeitet. Kann man sagen, dass sein feiner Stil abseits äußerer Expressivität eine Ähnlichkeit zu Hans-Christians Regiestil hat?

Adina: Ich erinnere mich an Proben mit Luc Bondy, das war „Tartuffe“ am Akademietheater in Wien. In einer Szene saß ich mit Gert Voss an einem Tisch. Luc hat eine Stunde lang meine Hände inszeniert. Wir hatten auch Text, aber es ging ausschließlich um die Hände. Dieses Detail auf einer großen Bühne, warum? Diese Feinheiten erzählen oft sehr viel mehr. Ich liebe Feinheiten. Und diesen Blick auf die Details gibt es auch bei Hans-Christian und seinen Arbeiten.

Das klingt ja, als sei es für Dich keine große Umstellung zwischen Bühne und Film …

Adina: Viele sagen, das eine hätte mit dem anderen nichts zu tun. Vielleicht sind die Ausdrucksmöglichkeiten andere, aber es geht ja darum, eine Geschichte zu erzählen. Wenn die Gedanken stimmen, ist es ganz egal ob da 1300 Leute sitzen wie im Burgtheater, oder ob da eine Kamera ist.
Hans-Christian: Aber um das Burgtheater zu füllen, braucht man eine gut ausgebildete Stimme, eine Sprechtechnik. Im Film geht das auch ohne.
Adina: Stimmt, aber es hat auch mit dem Raum zu tun. Es geht gar nicht darum, dass man besonders klar und deutlich spricht, sondern dass man seinen Gedanken nach da hinten, in die letzten Reihen schickt.
Hans-Christian (lacht): Wenn ich meinen Gedanken im Burgtheater nach hinten schicken würde, käme da vermutlich nichts an. Da fehlt mir die Stimme. Man lernt ja auch das Theaterflüstern, das finde ich faszinierend.
Adina: Es ist aber auch der Gedanke, der deine Stimme dahin trägt! Eine Art geteilte Aufmerksamkeit. Wie wenn ich jetzt mit Dir flüstern würde – und zugleich die ganz hinten im Saal anspreche.

Adina, wie hast Du Deine Rolle entwickelt?

Adina: Seit dem Moment, in dem ich wusste, dass ich diese Rolle spielen würde, hab‘ ich alles, was mir begegnet ist, was mich umgab, auf die Arbeit bezogen. All meine Sinne hab‘ ich auf diese Zeit und die Geschichte bezogen. Wir hatten eine lange Vorbereitungszeit und haben sehr viel geredet. Wie Spürhunde haben wir alles an Informationen abgeschnüffelt: Woher sie kamen, wo sie studiert haben und so weiter. Über Frau Scheerer gibt es aber nicht viele öffentliche Informationen. Es gab ein gemeinsames Treffen bei ihr im Haus, wo sie erzählt hat, wie sie Jan Philipp Reemtsma kennengelernt hat und was sie verbindet. Das war für mich sehr berührend und wichtig. Woran hält sie sich fest über diese Zeit der Entführung. Ich hab‘ sie aber auch gefragt, ob sie Schmuck getragen hat. Weil wir gerade überlegten, ob sie Ohrringe, Ketten oder Ähnliches zu der Zeit getragen hat. Ich hatte schon meinen Kollegen Philipp Hauß gefragt, ob er nicht den Schmuck aussuchen kann, weil Herr Reemtsma ihr, wie ich dachte, bestimmt Schmuck geschenkt hatte. Darauf lachte sie und sagte, der Schmuck lag meist im Safe. Solche Details waren Gold für mich.

Adina Vetter spielt Ann Kathrin Scheerer

Adina Vetter spielt Ann Kathrin Scheerer

Ist das nicht einschüchternd, das reelle Vorbild seiner Rolle kennenzulernen, über das man vielleicht schon eine eigene Vorstellung entwickelt hat?

Adina: Ich hab‘ kurz überlegt ob es mich irritieren könnte. Ich war dann aber doch zu neugierig. Ich fand es sehr befreiend sie kennenzulernen. Ich finde sie ganz toll.
Hans-Christian: Auch für mich war es etwas Besonderes, mit ihr an diesem Tisch zu sitzen und in dem Haus zu sein, in dem das damals passiert ist. Es hat mir geholfen, mir bestimmte Abläufe, wie sie in Johanns Buch beschrieben sind, besser vorstellen zu können. Gleichzeitig wurde mir noch mal die Verantwortung bewusst, die wir mit unserem Film auf uns nehmen.

Adina, was fandest Du besonders bemerkenswert an diesen Dreharbeiten?

Adina: Was ich beeindruckend fand, war das Vertrauen, das von Hans-Christian kommt in jedes Department. Das habe ich so noch nicht erlebt. Dass jemand von vornherein so von den Fähigkeiten der Einzelnen überzeugt ist.
Hans-Christian: Bei der Besetzung der Rollen, aber auch wenn wir ein Team zusammenstellen, versuche ich, mir so sicher wie möglich zu sein, mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten. Im Vorfeld der Dreharbeiten ist hoffentlich genug Zeit, sich all diese Gedanken zu machen. Später am Set bin ich dann sehr fokussiert, auf den einen Moment, in dem alle bisherigen Bemühungen zusammenlaufen und wir eine Einstellung drehen. Und da ich nicht zu denen gehöre, die glauben, in allen Bereichen selbst am besten Bescheid zu wissen, ist es um so wichtiger, allen um mich herum vertrauen zu können.
Adina: Ich fand beeindruckend, dass jeder gefragt wird, und auch jeder gehört wird.
Hans-Christian: Ich freue mich, wenn die Leute mitdenken, und etwa ein Beleuchter kommt und sagt: „Mir ist da etwas aufgefallen“. Wenn sich alle, die mitarbeiten, als Teil des Ganzen fühlen.
Adina: Das kreiert eine besondere Arbeitsatmosphäre, was gerade auch bei den Corona-Regeln sehr geholfen hat. Es war ein Miteinander. Vom Kamerateam ging dabei eine besondere Ruhe aus.
Hans-Christian: An Julian Krubasik, mit dem ich zum ersten Mal zusammengearbeitet habe, fand ich beeindruckend, mit welcher Offenheit er mich an seiner Arbeit hat teilhaben lassen. Schon in der Vorbereitung hat er alle Gespräche, Notizen und Ideen zu einzelnen Szenen in einem offenen Kommunikations-Tool auf seinem Laptop gesammelt, so dass sie dann allen zur Verfügung standen. Obwohl Julian die Optiken und Bewegungen seiner Kamera sehr bewusst einsetzt, hatte ich nie das Gefühl, es geht ihm darum, die Kameraarbeit in den Vordergrund zu stellen.

In Deinen Filmen steht ja auch nicht eine Sache im Vordergrund, sondern die Geschichte …

Hans-Christian: Inhalte sind mir wichtiger als Technik, das stimmt. Trotzdem geht es immer auch um die Frage: Wodurch wird das, was wir hier machen, zu Kino? Wie kann ein Film, der fast nur in einem Haus spielt, im Kino überzeugen, auch durch die Art und Weise wie er aussieht?

Was ist denn das, was einen Film zum Kino macht?

Hans-Christian: Ein Thema auf verschiedenen Ebenen zu durchdringen. Der Geschichte eine Stimmigkeit und Form zu geben, die sie zwingend und dicht erscheinen lassen. Sich die nötige Zeit in der Stoffentwicklung und der Vorbereitung zu nehmen. Die Zuschauer mitzunehmen, ihnen nicht alles zu erklären, sie etwas in den Bildern entdecken lassen, versuchen, zu verstehen, wie man der Geschichte hilft.

INTERVIEW

Johann Scheerer und Claude Heinrich

Johann, was hat Dich überzeugt, dass Deine Erinnerungen bei Hans-Christian Schmid in den richtigen Händen sind?

Johann Scheerer: Da muss ich etwas ausholen: Als ich die Buchvorlage des Films „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ 2017 geschrieben habe, ging es mir in erster Linie darum, die Deutungshoheit der Geschichte, die zuvor ja lange Jahre und im Grunde bis zum heutigen Tag durch die Medien ging, wieder zu mir zu holen. Es war also ein Akt der Selbstbestimmung. Es gab nach der Buchveröffentlichung viele Angebote für eine Verfilmung, die ich erst mal alle abgelehnt habe. Nicht zuletzt, weil in den Jahren davor immer wieder Filmangebote an meine Familie herangetragen wurden, die Entführung an sich zu verfilmen, worauf niemand von uns Lust hatte. Mein Blick auf eine Verfilmung hat sich erst gewandelt, als ich Hans-Christian kennen gelernt hatte. Denn mir wurde klar, dass die generelle Frage: soll es eine Buchverfilmung geben – ja oder nein – gar nicht zu beantworten ist, weil man ja gar nicht weiß, worüber man spricht. Eine schlechte Verfilmung will man natürlich nicht, eine gute Verfilmung will man vielleicht schon. Dann habe ich mich mit all diesen Filmemacher*innen getroffen, und dachte, dass das nur mit Hans-Christian für mich zu machen ist. Und das hat unterschiedliche Gründe: der Wichtigste aber – und das war schon bei unserem ersten Treffen klar – ist der, dass er jemand ist, der sehr vorsichtig und sehr genau hinschaut und in der Lage ist, Familienpsychogramme in seinen Filmen zu zeichnen, die eine emotionale Präzision mit sich bringen, die mich wahnsinnig beeindruckt hat.

Und dann hast Du ihm und Michael Gutmann bei der Drehbuchadaption freie Hand gelassen?

Johann: Ja, selbstverständlich. Denn genau um diesen Vorgang ging es mir. Die Verfilmung des Buches ist der Schritt, die wiedergewonnene Deutungshoheit abzugeben oder – besser und genauer – abgeben zu können. Dazu kommt, dass Hans-Christian und Michael Gutmann die einzigen Menschen sind, die mit allen Beteiligten dieser Entführung gesprochen haben. Mit meiner Mutter, mit mir, mit der Polizei, mit den Menschen, die während der Entführungszeit bei uns im Haus ein- und ausgegangen sind und auch denen, die letztendlich die Geldübergabe organisiert haben. Das hatte es vorher noch nicht gegeben. Und somit haben die beiden einen wirklich umfassenden Blick auf die Situation gewinnen können, einen quasi Lagebericht. Sie konnten eine Kartierung der einzelnen Charaktere und Vorgänge dieser Entführung erstellen, um dann anhand meines Buches einen Film zu machen, der nochmal etwas anderes kann als das Buch selbst. Ich bin mir relativ sicher, dass ich, hätte ich mich mehr eingemischt – was mir durchaus mehrfach angeboten wurde – den Film nicht hätte besser machen können. Sondern nur mehr wie mein Buch, und das war nicht die Absicht.

Claude, Du spielst jetzt schon zum zweiten Mal eine Person, die tatsächlich existiert – nach der eindrucksvollen Leistung in „Udo Lindenberg – Mach Dein Ding“. Wie beeinflusst das Dein Spielen?

Claude Heinrich: Auf der einen Seite ist es leichter eine Person zu spielen, die wirklich existiert, da es möglich ist über diese Person zu recherchieren und so einen Einblick in ihr Leben und Verhalten zu bekommen. Johanns Buch habe ich schon im Castingprozess gelesen, es war für die Rollenentwicklung sehr hilfreich, da es die Situation und Johanns Gedanken zu dieser Zeit sehr detailliert beschreibt. Zudem hatte ich mir zuvor Dokumentationen und Artikel angeschaut. Die Produktion stellte uns außerdem ein umfangreiches Info-Paket bereit. Bei einer fiktiven Rolle ist diese Information nicht vorhanden, obwohl das Drehbuch oft schon einen guten Einblick in das Leben der Rolle bietet.

Claude Heinrich spielt Johann Scheerer

Claude Heinrich spielt Johann Scheerer

Johanns Buch ist reich an Schulerinnerungen, hast Du da viel aus Deinem Alltag wiedererkannt – oder ist das schon eine andere Generation, die da erzählt?

Claude: Ich denke, mein Schulalltag ist im Prinzip ähnlich. Einige Dinge im privaten Alltag, mit einem Walkman Musik hören und Videokassetten schauen, sind heute anders, es gibt technologische Fortschritte und das Internet. Aber ich habe mich schon wiedergefunden in dem Buch. Das Buch ist einfach sehr, sehr gut. Als die Polizisten kamen und ihre vielen Geräte aufbauten, die wie aus einem Agentenfilm wirkten, war ich, wie Johann, ziemlich beeindruckt.

Wie ist es überhaupt, wenn man als Kinderschauspieler anfängt und dann langsam ins Erwachsenenfach wechselt. Ist das eine große Umstellung? Muss man seine Unschuld aufgegeben und ganz viel dazu lernen?

Claude: Als Kinderschauspieler anzufangen ist auf jeden Fall etwas Positives, da man schon in jungen Jahren Erfahrung sammeln kann und so auch der Übergang zu den älteren Rollen leichter wird. Da man selbst ja auch älter wird, wächst man quasi mit seinen Rollen mit. Jede Rolle und jeder Filmdreh bieten viel Neues und sind ein Lernprozess.

Johann ist ja ein ungewöhnlicher Protagonist, weil er eher beobachtet und gleichsam mit dem Publikum begreifen lernt, was geschieht. Das wiederum gibt dem Film eine eindringliche Spannung und Faszination. Dazu gehört auch eine Unsicherheit, welche Gefühle man in einer so fremdartigen Situation zeigen kann.

Johann: Ich glaube, das ist etwas, was ein Film vielleicht sogar grundsätzlich besser kann als ein Buch, nämlich die Sprachlosigkeit zu zeigen. Diese wortlose Kommunikation der Protagonisten im Film ist eine große Stärke der Schauspielerinnen und Schauspieler, die das umgesetzt haben. Ich kann nur meine größte Bewunderung für Adina und Claude aussprechen. Ich finde es eine große schauspielerische Leistung – gerade auch bei Claude – so wenig zu machen. Diese Sprachlosigkeit zu zeigen und das Publikum spüren zu lassen, bekommt Claude eben mit wenigen Gesten und Gesichtsausdrücken hin.

Johann, warum ist es Dir in der Vergangenheit nicht gelungen, Verständnis für Deine traumatische Erfahrung zu finden?

Johann: Die Entführung meines Vaters hat im deutschsprachigen Raum große Wellen geschlagen. Die Presse berichtet im Grunde bis zum heutigen Tag darüber, und sobald Menschen davon hören, sieht man förmlich die Assoziationsblasen über ihren Köpfen aufgehen; die haben dann immer mit Vorstellungen von viel Geld oder irgendeinem besonders spektakulären Verbrechen zu tun, und sobald es diesen Moment gibt, erschwert es eine zwischenmenschliche Unterhaltung ungemein. Ich trage nun einen anderen Nachnamen als mein Vater, aber durch das Internet ist seit Jahren, fast seit Jahrzehnten da gar keine wirkliche Trennung mehr möglich. In den Begegnungen, die ich in meinem Leben hatte, konnte ich immer sehr klar den Moment ausmachen, wenn Menschen herausgefunden haben, was mein familiärer Background ist. Das war unter anderem der Grund, warum ich mein erstes und dann auch mein zweites Buch geschrieben habe: weil es mir die Möglichkeit gab, auf etwas verweisen zu können, so nach dem Motto: lest euch lieber das durch und bildet euch dann selbst eine Meinung, als euch irgendetwas vorzustellen anhand von Überschriften in irgendeiner Zeitung.

Kann es sein, dass diese Geschichte Lebensbereiche berührt, die wir so gut verdrängt haben, dass wir mit ihrer Gegenwart dann überfordert sind? Wie der Möglichkeit eines plötzlichen Todes?

Johann: Das ist eine interessante Frage, weil ich glaube, gerade Teenager leben mit der Angst, in bestimmten Situationen das falsche Gefühl haben zu können. Als zum Beispiel mein Vater entführt wurde und meine Mutter mir das sagte, war ich erst einmal erleichtert, weil ich wusste, ich muss die Lateinarbeit nicht schreiben. Man hat aus Filmen und Büchern die Idee, dass es bestimmte Gefühle zu bestimmten Situationen gibt und wenn die Realität dann davon abweicht, hat man jahrelang ein schlechtes Gewissen und ist überfordert und fühlt sich falsch. Man denkt, man reagiert falsch. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass das universelle Probleme sind, dass es eben nicht nur mir so ging, sondern dass es anderen, vielen, vielleicht sogar jedem mal so ging. Die Möglichkeit, über die Bücher, die ich geschrieben habe, oder eben jetzt über diesen Film, über diese Gefühle ins Gespräch zu kommen, ist natürlich toll.

Das Buch wirkt so gut erinnert, dass man das Gefühl hat: Du hast Dich schon vor dem Schreiben sehr intensiv mit all diesen äußeren und inneren Abläufen beschäftigt, und es musste dann einfach raus …

Johann: Der Schreibprozess an sich war nicht so lang, der ging nur ein paar Wochen, wenige Monate. Allerdings habe ich 20 Jahre vorher drüber nachgedacht, also könnte man genauso gut sagen, ich habe 20 Jahre an dem Buch geschrieben, das wäre auch nicht falsch. Außerdem ist es so, es gibt bestimmte, eindrückliche Dinge im Leben, die vergisst man nicht, da vergisst man auch kein einziges Detail. Ich erinnere da mal an Wolf Biermann, der in seiner Autobiografie sehr eindrücklich beschreibt, wie er als kleiner Junge durch den Hamburger Feuersturm mit seiner Mutter rennt und jedes Detail erinnert, jedes Bild, jeden Geruch, jedes Geräusch, jedes Wort, jedes Gefühl, jeden Stein und er auch darüber spricht und er sagt, das hat sich eingebrannt. Er sagt sogar, er ist danach nicht mehr gealtert: er ist immer dieser Junge geblieben.

Nun hört die Traumatisierung von Angehörigen ja auch nicht mit dem Ereignis einer Entführung auf. Wir kennen das von Holocaustüberlebenden und / oder Kriegsheimkehrern: Sie bringen ihr Trauma in die Familien mit.

Johann: Ich finde es nach wie vor erstaunlich, wie unterbelichtet das Schicksal der Opfer nach einem Verbrechen ist. Allein die Formulierung „nach einem Verbrechen“ ist ja falsch, denn das Verbrechen ist nicht zu Ende, wenn, sagen wir mal, der Täter gefasst ist, das Opfer freigelassen, oder irgendjemand gestorben ist. Das Verbrechen geht noch viel länger, hält noch viel länger an, ich weiß gar nicht, ob es überhaupt endlich ist. Was ich weiß, ist, dass es nicht gut ausgehen kann. Es ist schon schlecht ausgegangen, in dem Moment, in dem es passiert ist und dauert an. Und wie lange, hängt einzig und allein davon ab, wie es dem Opfer geht.

Gibt es Parallelen zwischen der Musik und der Arbeit an einem Film?

Johann: Am Film habe ich ja gar nicht großartig mitgearbeitet, ich kann also nur die Frage beantworten, ob es Parallelen gibt, zwischen dem Musik schreiben und dem Buch schreiben, und für mich ist das tatsächlich der gleiche Vorgang: aus dem Nichts etwas zu erschaffen. Das ist immer eine Kraftanstrengung, verbunden mit einer, wenn es denn klappt, wahnsinnigen Genugtuung. Ich glaube, dass es beim Film ähnlich wie bei der Musik darum geht, Entscheidungen zu treffen, mit wie wenig man eigentlich auskommt. Und das haben Claude, Adina und Hans-Christian meisterhaft geschafft: möglichst wenig, möglichst wenig Kitsch, möglichst ruhig, möglichst genau. Punkt.

Impressum

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Redaktion:
Bettina Brinker, NDR/Presse und Kommunikation

Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation

Bildnachweis:
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NDR/Gerald von Foris (Michael Gutmann und Hans-Christian Schmid)
NDR/Gerald von Foris (Johann Scheerer)

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