Udo.
Ein Leben an der Grenze.
Ein NDR 2 Podcast für die ARD
von Moritz Cassalette und Christina Hollstein
Ab sofort in ARD Sounds.
Hier gibt es alle Folgen
Udo sitzt am 13. Oktober 1983 vor dem Brandenburger Tor in Berlin
Udo sitzt am 13. Oktober 1983 vor dem Brandenburger Tor in Berlin
(Foto : Dieter Klar / picture alliance / dpa)
Weißt Du, in welchem Alter Udo seinen ersten Nummer-1-Hit hatte?
Tatsächlich mit 76 Jahren.
Udo Lindenberg ist immer da. Egal, ob er neben uns steht oder nicht. Udo hat die deutsche Musik verändert, wahrscheinlich hat er dieses Land verändert. Durch alle Generationen: Gibt es Menschen in Deutschland, die keinen Song von ihm kennen? Unwahrscheinlich.
"Ansonsten ist mal wieder alles klar", könnte man denken. Wer hat sonst einen Sonderzug besungen, über das Reparieren eines Herzens nachgedacht oder trotzig-cool ausgesprochen, was sowieso alle wissen: "Ich mach mein Ding". Doch das war nicht immer so, Udo war auch ganz unten. Und ist wiedergekommen. Und wie. In diesem Jahr wird er 80 Jahre alt. Udo ist ein Phänomen. Es gibt viel zu erzählen...
Ab sofort in ARD Sounds.
“Er ist ein fantastischer Frontmann. Der beste Frontmann, den ich eigentlich kenne. Die Magie schenkst du ihm, du spürst nie irgendwelchen Druck. Ich gehe davon aus, dass das eine Form von Magie ist.”
Bassist Steffi Stephan über Udo Lindenberg
Tourauftakt in Bremen 2019
(Foto: Axel Herzig)
Warum es diesen Podcast geben muss
Udo war ganz oben und ganz unten. Ist mit 80 fit wie Turnschuh, war aber schon halb toter Alkoholiker. Ist mit Chuzpe und einer gewissen Respektlosigkeit gegenüber den Mächtigen unkonventionelle Wege gegangen und ist doch ein Zweifler. Jeder kennt ihn, doch wer ist er wirklich? Dieser Podcast versucht, ein komplexes Leben kompakt zu erzählen. Viele Freunde haben uns dabei geholfen. Und auch das ist Udo: Er lebt im Hotel, aber nicht, weil er ein Snob ist - er lebt mit und für seine Panikfamilie, außer einem Porsche und dem, was er täglich braucht, hat er sich frei gemacht von Besitz und Verpflichtungen.
Moritz Cassalette und Christina Hollstein sind eure Podcast-Udonauten.
Moritz Cassalette und Christina Hollstein sind eure Podcast-Udonauten.
Sie sind Journalisten mit dem Gespür und der Leidenschaft für Menschen und ihre Geschichten. Für diesen Podcast sind Host Moritz Cassalette und Redakteurin Christina Hollstein den Spuren von Udo Lindenberg gefolgt von Gronau bis Hamburg, haben zahlreiche Weggefährtinnen und Weggefährten getroffen. Sie erzählen die Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen, der stets nach dem Motto lebte (und lebt):
Geht nicht? Gibt's nicht!
“80.000 Menschen singen seine Lieder, hunderttausende hören seine Songs. Und ehrlich gesagt: Ich gehörte lange gar nicht dazu. Für mich war Udo immer da - aber eigentlich ziemlich egal. Doch dann habe ich festgestellt: Udo wird 80. Krass! Dann habe ich mich länger mit ihm beschäftigt und festgestellt, was für eine unglaubliche Person Udo ist. Der hat so viel erlebt, vieles, was kaum einer weiß. Der hat so viele Geschichten geschrieben. Und wir erzählen sie euch."
Weißt du, was Udo ursprünglich gelernt hat?
Mit 15 begann er Lehre als Kellner, um auf Kreuzfahrtschiffen die Welt zu sehen.
(Hintergrundfotos: Konzert Hamburg im Oktober 2008 /
NDR 2 / Isabel Schiffler)
Raus aus der Spießigkeit:
Udo will weg ( E1/6)
Am 17. Mai 1946 kommt Udo Lindenberg in Gronau zur Welt. Es ist eine recht trostlose Welt im miefigen Nachkriegsdeutschland, in dem traumatisierte Männer (auch Udos Vater) abends in der Kneipe ihre Kriegserlebnisse betäuben.
Mit 11 Jahren entdeckt Udo seine Liebe zur Musik, vor allem zum Trommeln. Und den Alkohol als Helfer gegen das Lampenfieber.
Die sechs Stufen ins Elternhaus sind seine erste Showtreppe - er will ein Star werden...
Mit 16 macht er sich auf nach Tripolis in eine US-Kaserne, um dort live zu spielen. Wenig Schlaf, viel Alkohol und Stress - wenig später kehrt er als Wrack zurück.
Doch es fängt ihn einer auf, der bis heute sein Freund ist: Karl-Georg „Steffi“ Stephan.
Mit einer revolutionären Idee
zum Star (E2/6)
1963 ändert sich Udos Leben: Er lernt Steffi Stephan kennen. Er trommelt in dessen Band "Guitar Man", studiert kurzzeitig Musik in Münster und kriegt ausgerechnet während des Grundwehrdienstes sein Alkohol-Problem in den Griff.
Mit 22 geht er nach Hamburg, trommelt hier und da (u.a. mit Klaus Doldinger beim "Tatort"-Intro) und zieht mit Gleichgesinnten (u.a. Otto, Westernhagen) in die "Villa Kunterbunt". Udo singt erfolglos auf Englisch - bis er nach unzähligen Nächten in der Eckkneipe "Onkel Pö" einen Plan fasst: Er will eine "andere" Musik machen, auf Deutsch, aber keinen Schlager.
Das ist die Geburtsstunde des Deutschrock!
Udo ist 26 und gründet mit Steffi Stephan das Panik-Orchester. „Hoch im Norden“ ist der erste Radiohit, die LP "Alles klar auf der Andrea Doria" (rechts das Cover-Motiv mit "Prawda"-Udo) schlägt ein wie eine Bombe.
Auf Schlag wird Udo zur Marke: Sein respektlos-rotziger Stil, sein virtuoser Umgang mit der deutschen Sprache, seine abgedrehten Bühnen-Shows, Fantasie-Figuren wie Rudi Ratlos, Elli Pyrelli oder Votan Wahnwitz und ein ganz neuer Sound verändern die Musik, im Grunde das ganze Land. Udo ist eine echte Alternative zu den stinklangweiligen, vernünftigen BRD-Bauspar-Erwachsenen - und bekommt seinen ersten Millionen-Plattenvertrag.
Doch Udo hat einen größeren Plan, in dem ein
Sonderzug noch eine Rolle spielen wird...
Haltung zeigen: Udo und die DDR (E3/6)
Es grenzt an ein kleines Wunder, dass am 25. Oktober 1983 ein weißer BMW mit Udo Lindenberg und dem damals jungen Kamera-Assistenten Reinhold Beckmann auf dem Rücksitz den Grenzübergang Invalidenstraße in Berlin überquert und zum Auftritt in die DDR fährt.
Über Jahre hat Udo darauf hingearbeitet - ohne Erfolg, trotz "Mädchen aus Ost-Berlin", Hinweisen auf seine Fans und dem oft geäußerten Wunsch. Sein Stil und sein freier Geist kamen im Osten nicht gut an...
„Die Prüfungen ergaben, dass Lindenberg ein mittelmäßiger Schlagersänger der BRD ist, an dem kein Interesse besteht. Er gibt sich als gleichgültiger, pessimistischer Mensch und tritt betont anarchistisch auf. Diese Haltung spiegeln sich in seiner abgetragenen Kleidung, der Frisur und den Texten seiner Lieder wider. Sein gesamtes Verhalten und Auftreten ist dekadent.“
Zwei Dinge brachten die Wende: ein wohlwollend aufgenommenes Interview in der FDJ-Zeitung "Junge Welt" und der legendäre Song "Sonderzug nach Pankow", ergänzt um einen persönlichen Brief an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.
Obwohl Udo "Honni" im Song flapsig behandelt ("sturer Schrat"), findet offenbar der DDR-Diktator persönlich Gefallen an der Idee. Udo darf im Palast der Republik spielen und bekommt sogar die Zusage für eine DDR-Tournee (die allerdings wieder zurückgezogen wird).
Der Auftritt wird mit enormem Personalaufwand nervös von der DDR Staatssicherheit überwacht - doch Udo ist am Ziel und lässt sich auf der Bühne nicht vereinnahmen. Erich Honecker selbst trifft er tatsächlich erst 1987 in Wuppertal; mehr dazu im Podcast...
„Im Grunde genommen hat Udo damals schon ein paar Löcher in die Mauer gerissen. Was die Wiedervereinigung betrifft und das Zermürben der Mauer (nennen wir es mal so), einen großen Beitrag geleistet.“
Als die Mauer dann tatsächlich 1989 fällt, kämpft Udo ziemlich allein gegen einen ganz anderen Feind.
Einen Feind, der ihn fast umbringt...
(Foto: picture alliance / Dieter Klar)
4,7 Promille:
Die traurigen Partyjahre (E4/6)
In den Neunzigern und frühen 2000er-Jahren säuft sich Udo an den Abgrund. Es ist eine jahrelange steile Bergabfahrt mit klar definiertem Beginn: Udo, gerade 40 und ein gefeierter Star, der seinen Alkoholismus im Griff hat, erkennt nicht, dass seine Freundin Gaby Blitz am Leben zerbricht.
Am 30. Mai 1986 nimmt sie sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben.
Udo schließt sich im Ballsaal des Interconti ein, komponiert den Song "Horizont" ("ein Paar wie Blitz und Donner...") zur Verarbeitung seiner Trauer - ein letztes kreatives Aufbäumen, bevor sich Udo an den Alkohol verliert.
Das Bild zeigt ihn bei einem Auftritt im Februar 2001 - aufgedunsen, erfolglos, allein, besoffen. Traurige Höhepunkte gibt es in dieser Zeit viele. Unter anderem werden einmal 4,7 Promille Blutalkohol bei ihm im Krankenhaus gemessen. Seine Platten will keiner mehr haben, Auftritte (z.B. bei "Rock gegen Rechts" - ein Reunion-Versuch von Steffi Stephan) geraten zur Vollkatastrophe.
"Es war traurig. Udo war eine Comic-Figur. Lächerlich. Da war Udo komplett am Ende. Er hat einmal im Jahr eine grauenhafte Platte herausgebracht, da wurde dauernd irgend ein Jubiläum gefeiert zu der Zeit, weil man nicht wusste, wie lange der eigentlich noch lebt.“
Udo ist in jeder Hinsicht abgerockt. Einzig sein Bodyguard Eddy Kante ist noch an seiner Seite. Als er Anfang 2002 ohne Plattenvertrag und damit ohne sichere Einnahmen dasteht, weiß Udo: Es muss etwas geschehen, sonst ist bald Schluss. Er muss sich selbst aus dem Matsch ziehen.
Das Erstaunliche dabei: Es ist wieder ein Todesfall in seinem Umfeld, der ihm die nötige Energie zum Comeback gibt...
(Foto: picture alliance / Public Address)
Udos grandioses Comeback (E5/6)
Mitte der Zweitausender Jahre startet Udo das Projekt "Der Superstar sucht Deutschland", schreibt neue Songs, doch es fehlt die Magie. Noch.
2006 passiert etwas Erstaunliches: Udos großer Bruder Erich stirbt im September an Herzversagen (auf dem Foto sieht man beide bei einer Ausstellungseröffnung Ende März 2006). Sein Vorbild. Mitten in den langsamen Wiederaufstieg ein neuer Schicksalsschlag. Sein Umfeld befürchtet das Schlimmste.
Doch es kommt anders als befürchtet, im Gegenteil: Erichs Tod inspiriert Udo. Die Magie ist zurück. Im Juli 2007 beginnt die Produktion von "Stark wie Zwei". Aus einem zwischenzeitlichen Rückfall rettet Udo eine Nachricht seines Freundes Steffi Stephan:
„Dein Schicksal ist nicht eine Frage des Zufalls, sondern eine Frage deiner Entscheidungen.“
Udo ist wieder an Bord. Und legt 14 großartige, bewegende Songs im Vintage-Style vor, unterstützt u.a. von Jan Delay, Till Brönner, Silbermond oder Helge Schneider, herausragend produziert von Andreas Herbig. Die Plattenfirma ist begeistert. Und seine Fans auch. Ein Auftritt bei "Wetten, dass..." befeuert die Udo-Mania!
Neben starken persönlichen Songs wie "Wenn du durchhängst" oder "Ich zieh meinen Hut" bleibt vor allem eine Botschaft hängen:
"Ich mach mein Ding. Egal, was die anderen sagen." Und das ist gut so!
(Foto: picture alliance/dpa/Soeren Stache)
Der Komet schlägt ein! (E6/6)
Im Grunde genommen könnte dieser Podcast mit Folge 5 enden - dem unfassbaren Comeback der Nachtigall. Tut er aber nicht. Denn: Es fehlt noch was. Und Udo nimmt es in Angriff, unterstützt von Daniel Flamm, mit dem er zu Corona-Zeiten eine Art WG im menschenleeren Hotel Atlantic gründet.
Udo hat alles erreicht, war ganz oben, war ganz unten, gefeiert und bedauert, nach seinem Comeback einer, der Stadien füllt. Was noch fehlt, ist tatsächlich ein Nummer-1-Hit. Udo erkennt im Mannheimer Rapper Apache 207 einen Verwandten im Geist. Die beiden verstehen sich sofort. Unter teils abenteuerlichen Umständen entsteht "Komet". Es wird nicht nur tatsächlich Udos erster Nummer-1-Hit, es wird auch der erfolgreichste deutsche Song ever, 21 Wochen an der Spitze der Charts.
Und heute? Udo geht es blendend, sein persönlicher Coach Natalie hält ihn fit (der aktuelle Rekord für vier Stockwerke im Atlantic steht bei 53 Sekunden). Udo ist offenbar trocken, raucht nicht mehr und achtet auf seine Ernährung. Es juckt ihn, nochmal die großen Stadien zu füllen.
Ob das tatsächlich klappt? Wir werden sehen. Schon jetzt hat er gesagt, dass er seinen 100. Geburtstag groß feiern will. Dann ist ja noch etwas Zeit...
Bis dahin danken wir der Panik-Familie und natürlich Udo selbst für die Unterstützung bei diesem Podcast! Fest steht: Er ist nicht nur ein musikalischer Gigant, er ist ein ganz besonderer Mensch.
Wir freuen uns mit Dir, Udo, und sind gespannt, was noch kommt. Alles Weitere beschnacken wir auf der Feier zu Deinem 100. Geburtstag!
(Foto: picture alliance/dpa/Warner Music | Tine Acke)
Von großer Liebe und noch größerem Drama (Bonusfolge)
In der Bonusfolge erzählen wir die wunderbaren und unglaublichen Geschichten, die es nicht in die Folgen geschafft haben.
Wer ist eigentlich das angeschmachtete Mädchen aus "Cello" und warum kann Udo sie bis heute nicht vergessen? Und wird er sich jemals mit Ex-Bodyguard Eddy Kante versöhnen?
Diverse prominente Überraschungsgäste kommen ebenfalls zu Wort und erzählen, was Udo für ihre Leben bedeutet. Nina Hagen zum Beispiel, auf dem Foto mit Udo live auf der Berliner Waldbühne 1983, sagt: "Udo war mein Engel."
(Foto: picture alliance / Sammlung Richter)
"Udo ist für alle, die im deutschen Pop unterwegs sind, ein Vorbild - ob man will oder nicht. Er hat letztlich die Sprache geebnet, eine Umgangssprache, er hat Prosa salonfähig gemacht. Da war er der erste."
Clemens Buss
Jugendfreund
Steffi Stephan
Bassgitarrist,
Freund seit 1963
Hartmut König
1983 Sekretär für Kultur des Zentralrats der FDJ
Reinhold Beckmann
1983 mit Udo in Ost-Berlin
Eddy Kante
Bodyguard
Natalie Zimmermann
Personal Coach
Benjamin von Stuckrad-Barre
Autor, Fan, Freund
Jan Delay
Musiker, Autor, Freund
Rita Flügge-Timm
Musikmanagerin
Daniel Flamm
Songwriter, Produzent
Ben Streubel
Moderator, Freund
In terra panica
Das Team hinter dem Udo-Podcast
"Udo. Ein Leben an der Grenze" ist ein Podcast von NDR 2 für die ARD.
Host: Moritz Cassalette
Interviews: Moritz Cassalette und Christina Hollstein
Skript: Moritz Cassalette, Christina Hollstein, Adrian Breda
Konzept, Formatentwicklung und Redaktion:
Christina Hollstein
Kreativ Produzent: Michael Woddow
Distribution: Nina Wietholz und Max Rohloff
Projektleitung: Christina Hollstein und
Anne-Mareike Täschner
Sounddesign: Oliver Klenk, Sound Quadrat
Storyboarding: Birgit Frank
Dramaturgische Beratung: Adrian Breda
Leitung NDR 2 Digital: Christian Kusel
Crossmedialer Support: Christina Haacke
Promotion: Frank Probst
Cover: Annette Hecht
Technischer Support: Oliver Kleist, Enrico Martinez Meier, Moritz Klessmann
Landingpage: Jochen Moseberg
Redaktioneller Support: Marcel Hammacher
Die Idee zu einem Biopic kommt von Torsten Engel. Ein großes Dankeschön geht raus an alle Unterstützer*innen im NDR und in der ARD.
Allen voran NDR Kultur & die ARD Popwellen: RBB 88,8 und WDR 2 – sowie MDR Jump, HR 3, SWR3, SR 1 – und an WDR 4.
Und noch ein echter Tipp: Die neue Fernseh-Doku über Udo Lindenberg - ab 10. Mai in der ARD Mediathek!
Fotos: Hamburg, 12. März 2012 / NDR 2 / Mirko Hannemann
Folgender Fotoblock, mittlere Reihe: picture alliance / Geisler-Fotopress, dpa
Viel Spaß beim Hören!
Foto: picture alliance/United Archives
(C) NDR 2 / 2026
Udo. Ein Leben an der Grenze ist ein NDR 2 Podcast für die ARD.
Alle Folgen ab sofort bei ARD Sounds.
Gebaut mit Shorthand.
Impressum Norddeutscher Rundfunk










