NORD BEI NORDWEST

PECHMARIE

DONNERSTAG, 29.1.2026, 20.15 UHR, IM ERSTEN
AB 1.1.2026 IN DER ARD MEDIATHEK

INHALT

Eine schreckliche Entdeckung erschüttert das beschauliche Schwanitz. In einem nahegelegenen Wald werden vier Tote aufgefunden, scheinbar die Überreste eines aus dem Ruder gelaufenen Drogengeschäfts. Das Kokain ist noch da, das Geld verschwunden.
Die Schwanitzer Polizisten Hauke Jacobs und Hannah Wagner stehen vor einem Rätsel. Im Zuge der Ermittlungen sind allerdings nicht nur sie auf der Suche nach dem verschwundenen Geld, sondern auch die Strippenzieher des Deals. Einer der Toten, Moritz Hansen, führt zu dessen Schwester Marie Hansen, die alle nur als „Pechmarie“ kennen. Die junge Frau hatte schon als Kind ihre Eltern und ihre Schwester bei einem Unfall verloren und seit sie kurz danach vom Blitz getroffen wurde, ist Marie taub. In Schwanitz heißt es, Marie ziehe das Unglück an.
Diese muss nun nicht nur den Tod ihres geliebten Bruders verkraften, sondern erfährt auch, dass der Kredit für ihr Elternhaus an einen skrupellosen Investor abgetreten wurde. Als Marie herausfindet, dass Moritz versucht hatte, das Haus zu retten und ihr kurz vor seinem Tod einen Hinweis auf das verschwundene Geld hinterlassen hat, ist sie fest entschlossen, den Lauf der Dinge diesmal umzukehren und sich ihr Leben nicht weiter vom Schicksal bestimmen zu lassen.
Mithilfe von Jule Christiansen erfahren Hauke und Hannah viel über die Vergangenheit der Hansens und kommen so auch Marie auf die Spur. Aber wie geht man mit einer Frau um, der man das Glück des unverhofften Geldsegens gönnt, obwohl es gegen das Gesetz verstößt, sie unbehelligt damit ziehen zu lassen? Kann Glück ohne Pech existieren? Und wäre das überhaupt sinnvoll? Macht Geld glücklich? Was ist eigentlich Glück? Und interessieren sich die Handlanger der Drogenbosse überhaupt für solche Fragen?

BESETZUNG

Hauke Jacobs
Hinnerk Schönemann

Hannah Wagner
Jana Klinge

Jule Christiansen
Marleen Lohse

Mehmet Ösker
Cem Ali Gültekin

Herr Töteberg
Stephan A. Tölle

Frau Bleckmann
Regine Hentschel

Bine Pufal
Victoria Fleer

Puttkammer
Joshy Peters

Marie Hansen
Anne Zander

Oliver Mienle
Patrick von Blume

Anna Blum
Mona Pirzad

Moritz Hansen
Pascal Houdus

Jan Keller
Johannes Kühn

Holly
Fritz

u. v. m.

STAB

Regie
Joana Vogdt

Buch + Reihenidee
Holger Karsten Schmidt

Kamera
Fee Strothmann

Szenenbild
Kay Anthony

Maske
Marie-Ena Wolf, Simone Rademacher

Kostümbild
Antje Petersen

Schnitt
Antonia Fenn

Ton
Maarten van de Voort

Casting
Marion Haack

Musik
Stefan Hansen

Produzenten
Seth Hollinderbäumer, Joshua Lantow, Oliver Behrmann

Redaktion
Donald Kraemer (NDR), Katja Kirchen (ARD Degeto Film)

Drehzeit
9. Oktober 2024 – 7. November 2024

Länge
88:28 Minuten

Drehorte
Fehmarn und Umgebung, Hamburg und Umgebung

„Nord bei Nordwest – Pechmarie“ ist eine Produktion der triple pictures GmbH im Auftrag der ARD Degeto Film und des Norddeutschen Rundfunks für die ARD.

Anne Zander spielt

MARIE
HANSEN

„Am Ende wehrt sich Marie mit einem Instinkt, den man nicht erklären kann – das hat mich sehr fasziniert.“

Marie Hansen trägt den Rufnamen „Pechmarie“ nicht ohne Grund. Seit ihrer Kindheit ist die junge Frau vom Schicksal gebeutelt: Bei einem Unfall verlor sie Eltern und Schwester; seit sie von einem Blitz getroffen wurde, ist sie taub und nun muss sie auch noch den Tod ihres Bruders verkraften. An all den Erfahrungen ist Marie nicht zerbrochen, sie scheint stärker und gefestigter daraus hervorgegangen zu sein und ihre Situation, ohne zu klagen, angenommen zu haben. Doch unterschwellig lauert immer die Angst, wieder in eine Pechsträhne zu geraten. Glücklich ist Marie, dass die Schwanitzer ihr freundlich und vorurteilsfrei begegnen, allen voran Jule Christiansen, mit der sie über Gebärdensprache kommuniziert. Dass man ihr nun ihr Elternhaus wegnehmen will, wertet sie zunächst als Unglück – bis ihr das Schicksal dieses Mal in die Hände spielt – wenn auch nicht ganz legal. Als Marie im eigenen Haus von Unbekannten bedroht wird, zieht sie alle Register. Dabei mangelt es ihr weder an Mut noch an Fantasie. Sie weiß, dass man sie wegen ihrer Taubheit gern unterschätzt. Dabei sind gerade deswegen ihre anderen Sinne geschärft und die helfen ihr im handfesten Kampf ums Überleben. Fast. Bis das Schicksal wieder zuschlägt. Aber diesmal hat Marie Glück im Unglück.      

Frau Zander, mit welchen Gefühlen denken Sie an die Dreharbeiten zu „Pechmarie" zurück?
Ich bin quasi von einer Hauptrolle direkt in die nächste gesprungen – ohne Pause. Körperlich war ich zwar schon aus England von den Dreharbeiten zu einem Kinofilm zurück, geistig aber noch „über dem Wasser“. Auf Fehmarn konnte ich von meinem Zimmer die Natur und das Meer beobachten. Diese Eindrücke haben mir in dieser intensiven, aber auch spannenden Zeit Kraft gegeben. So eine Chance, von einem zum nächsten Projekt zu springen, ist nicht selbstverständlich für mich – und ich hoffe, dass es noch viele weitere Gelegenheiten geben wird.
Was meine Rolle in „Pechmarie“ angeht, fand ich besonders die Szene mit Herrn Töteberg sehr spannend. Beide Figuren stehen in einem Konflikt und sind stark mit dem Thema Tod verbunden. Doch Marie gelingt es, aus ihrem Schicksal etwas Positives zu schöpfen und das sogar in Tötebergs Figur einfließen zu lassen. Diesen inneren Konflikt und Wandel zu spielen, war absolut spannend und bereichernd.

Was hat Sie an der Figur der „Pechmarie" gereizt, wie würden Sie sie charakterisieren?
Das Märchen von Frau Holle kennt fast jeder und die Pechmarie wird darin dunkel und negativ gezeichnet. Der Titel allein hat mich schon neugierig gemacht: Eine Marie, die vom Unglück verfolgt und geprägt ist, findet am Ende dennoch Gerechtigkeit und Hoffnung. Ihre Figur entstand für mich aus vielen kleinen Details: dunklere Haare, ein perfekt ausgewähltes Kostüm – selten habe ich eine Rolle so stimmig erlebt, so dass ich bei der Anprobe sofort wusste: „Das ist sie.“ Daraus ergab sich schließlich auch ihr Gebärdenname. Gebärdennamen sind in der Gebärdensprache typisch, ähnlich wie Rufnamen. Der Unterschied ist, dass sie sich auf bestimmte Charakterzüge, Eigenschaften oder Besonderheiten beziehen und eine Person dadurch einzigartig machen.
Marie selbst ist früh mit dem Tod konfrontiert worden, besitzt aber einen starken Überlebensgeist. Am Ende wehrt sie sich mit einem Instinkt, den man nicht erklären kann – das hat mich sehr fasziniert.

Kannten Sie bereits „Nord bei Nordwest", als das Angebot auf Sie zukam? Und konnten Sie sich schnell mit dem Humor und der skurril-lakonischen Erzählweise dieser Reihe anfreunden?
Nein, ich kannte die Reihe tatsächlich nicht. Aber meine Großeltern waren begeistert und meinten nur: „Das musst du machen, ohne Wenn und Aber!“ Mich hat vor allem das persönliche Regieanschreiben überzeugt. Mit der skurril-lakonischen Erzählweise konnte ich mich schnell anfreunden – ich habe ohnehin kein Problem mit Skurrilität. Im Gegenteil: Ich bin selbst manchmal ein bisschen weird.

Sie haben in einigen Filmen mitgewirkt, wie etwa in Petra Wagners Film „Du sollst hören", oder in „For Jojo" oder in Episoden der Reihen „Soko Stuttgart", „Soko Köln" und „Nächste Ausfahrt Glück". Spüren Sie noch immer eine gewisse Scheu oder Unsicherheit bei nicht tauben beziehungsweise nicht gehörlosen Kolleg*innen, mit denen Sie vor der Kamera stehen?
Ja, leider schon. Anfangs muss ich mich oft erst beweisen. Wer bislang keinen Kontakt zu tauben Menschen hatte, stellt viele Fragen aus Unwissenheit. Das liegt an der fehlenden Repräsentation im Alltag. Eigentlich gibt es genug Informationen und taube Menschen hat es immer schon gegeben. Doch in der deutschen Film-Branche werden Geschichten fast ausschließlich aus der Perspektive von Hörenden erzählt.

Es ist noch nicht selbstverständlich, dass Filme, in denen taube Menschen verkörpert werden, tatsächlich auch mit authentisch tauben bzw. gehörlosen Schauspieler*innen besetzt werden. Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen und wie ließe sich das ändern?
Leider liegt das häufig an bestehenden Strukturen und an der fehlenden Repräsentation – sowohl vor als auch hinter der Kamera. Viele Produktionen bewegen sich noch innerhalb gewohnter Abläufe und Besetzungsmuster, die selten hinterfragt werden. Gleichzeitig fehlt es oft an spezifischem Know-how und an Ressourcen, um inklusive Arbeitsweisen selbstverständlich umzusetzen. Ein weiterer Aspekt ist das Budget: Es besteht nach wie vor die Sorge, dass inklusive Produktionen – etwa durch den Einsatz von Dolmetscher*innen oder zusätzlichen Kommunikationswegen – teurer oder zeitaufwendiger sein könnten. Dadurch werden solche Projekte im Vorfeld manchmal gar nicht erst angestoßen. Langfristig wäre es daher sinnvoll, einen öffentlich-rechtlichen Fördertopf speziell für inklusive Filmproduktionen einzurichten. So könnten entstehende Mehrkosten abgefedert werden, ohne dass sie auf Kosten der Kreativen oder Produktionsfirmen gehen. Das würde einen wichtigen Beitrag leisten, um die Vielfalt unserer Gesellschaft künftig authentischer auf der Leinwand und im Fernsehen abzubilden.

Meinen Sie, dass Filme wie „Du sollst hören" und der internationale Kinofilm „Retreat", der nur von und mit Personen der Tauben-Community realisiert wurde und in dem Sie die Hauptrolle spielen, zu einem Umdenken beitragen?
„Du sollst hören“ liegt inzwischen drei Jahre zurück. Ehrlich gesagt hatte ich Veränderungen erhofft, aber gespürt habe ich bisher nicht viel. Auf den Impact des internationalen Kinofilm „Retreat“ bin ich sehr gespannt – allerdings hat bislang noch kein deutsches Festival den Film angenommen. Er ist bisher nur international auf Festival-Reise gegangen. So feierten wir Anfang September unsere Weltpremiere auf dem TIFF in Toronto, danach folgten direkt das Zürich Film Festival und das London Film Festival. In Großbritannien gibt es bereits eine aktive Community tauber Regisseur*innen, Autor*innen und Produzent*innen – in Deutschland leider noch nicht. Ich selbst arbeite bereits an einigen Stoffen und warte nur auf den richtigen Moment und ein Team.

Glück ist ein durchgehendes Thema in dem Film „Pechmarie“. Auf Hauke Jacobs Frage, was Glück für Marie Hansen bedeutet, antwortet diese: "zu sein". Was bedeutet für Sie Glück?
Sich an den kleinen Dingen im Leben erfreuen zu können.

„Mir ging es in erster Linie darum, das Schicksal einer Figur zu erzählen, die vom Leben nicht beschenkt worden ist und sich ständig gegen das behaupten muss, was das Leben für sie parat hält.“

Statement von Autor Holger Karsten Schmidt

Mir ging es in erster Linie darum, das Schicksal einer Figur zu erzählen, die vom Leben nicht beschenkt worden ist und sich ständig gegen das behaupten muss, was das Leben für sie parat hält. Gibt es ein Schicksal? Ist unser Weg vorherbestimmt? Oder sind wir frei und können es selbst gestalten? Wie gehen wir um mit Bürde, Last, Pech? Beugen wir uns, stehen wir auf?
Marie Hansen hat im Leben praktisch nur schlechte Karten zugespielt bekommen.
Es zeichnet sie aus, dass sie nicht klein beigibt – obwohl sie zum Schluss am Ende ihrer Kräfte angelangt ist und doch, statt klein beizugeben, diesen kärglichen Rest in die Waagschale wirft. Und dabei ihre Würde behält und Anerkennung und Zuneigung gewinnt – die der Schwanitzer.
Alle Figuren in dieser Geschichte befassen sich mit Glück oder Unglück. Gibt es das überhaupt? Folgen beide einem Rhythmus? Unterliegt es einer höheren Gerechtigkeit, wer Glück und Unglück erfährt? Kann man Glück erzwingen? Jemand anderen glücklich machen? Was bedeutet Glück für den Einzelnen überhaupt? In „Pechmarie“ habe ich versucht, einige dieser Fragen über die Figuren in den Krimiplot einzuweben.

Und was den „Tarnkuss“ zwischen Hauke Jacobs und Jule Christiansen betrifft: Das ist einer und bleibt einer. Und ebenso bleibt die Dreierkonstellation. Sie ist von mir von Anfang an als Rückgrat der Reihe konzipiert worden. Sie ist ihr Wesen, ihre DNA, ihr Motor, ihr Kern.

Impressum

Herausgegeben von Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation

Redaktion:
Bettina Brinker, NDR/Presse und Kommunikation

Mitarbeit:
Nicola Sorgenfrey, NDR

Texte & Interviews:
Gitta Deutz

Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation

Bildnachweis:
NDR/Gordon Timpen
NDR/Ira Zehender (Holger Karsten Schmidt)

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