KINDERSCHAUSPIELER
DER PREIS DES ERFOLGS

ARD MEDIATHEK AB DEM 26. FEBRUAR 2026
NDR FERNSEHEN AM 4. MÄRZ, 22.50 UHR

INHALT

Für uns waren sie ein „Wilder Kerl“ oder „Titus, der Satansbraten“. Eigentlich sind es Nick Romeo Reimann, Luna Jordan und Constantin von Jascheroff. Die Doku blickt mit ihnen hinter die Kulissen von Kinder- und Jugendschauspiel und zeigt, wie Ruhm und Erwartungen ihre Kindheit geprägt haben. Wie verändert sich das Aufwachsen, wenn Millionen zuschauen? Nick Romeo Reimann steht seit seiner Kindheit vor der Kamera, er war Darsteller in der erfolgreichen Kinoreihe "Die Wilden Kerle". Damals war die Wertschätzung groß, Kritik gab es kaum. Doch er wird älter, und die Rückschläge werden mehr. 65 Castings, 65 Absagen. Heute spielt er an einem renommierten Theater in Wien und auch eine Filmrolle hat er inzwischen wieder ergattert.

Schon als junges Mädchen war auch Luna Jordan an Filmsets zu Hause. Als Teenager übernahm sie dann immer schwierigere Rollen. In den Filmen werden Themen wie Missbrauch, Suizid und Gewalt behandelt. Irgendwann kann sie nicht mehr zwischen sich und der Rolle unterscheiden, die sie in den Sommerferien am Set verkörpert hatte. Bis heute spielt Luna oft schwierige Charaktere. Sie sagt, sie liebt diese Herausforderung und feiert große Erfolge damit.

Constantin von Jascheroff ist Ende 30. Seine Anfänge als Kinderschauspieler fanden in einer ganz anderen Zeit statt als bei Luna und Nick. 1994, mit sieben Jahren, beginnen für ihn die Dreharbeiten zu seiner ersten großen Rolle im Kinoerfolg „Rennschwein Rudi Rüssel”. Seine nächste Hauptrolle folgt bereits 1997 als „Titus, der Satansbraten” und viele weitere Rollen als Schauspieler und Synchronsprecher. Als Kind dreht er oft über viele Stunden. Einmal sei sein Vater wütend ans Set gekommen und habe Constantin einfach mit nach Hause genommen, weil das Filmteam so stark überzogen hatte.

Mit allen drei Protagonisten blicken wir auf die Vergangenheit zurück und begleiten sie in der Gegenwart: "Kinderschauspieler - Der Preis des Erfolgs".

Nick Romeo Reimann

Nick Romeo Reimann ist ein ehemaliger Kinderschauspieler, der bereits im Alter von sieben Jahren durch seine Rolle in der erfolgreichen Kinoserie „Die Wilden Kerle“ deutschlandweit bekannt wurde. Früh stand er im Rampenlicht, erlebte Fanrummel, große Erwartungen und starke Anerkennung durch Erwachsene. Gleichzeitig machte er am Set negative Erfahrungen wie Ausgrenzung und Mobbing.

Heute ist Nick Ende 20, hat Schauspiel studiert und ist am Volkstheater Wien engagiert. Er reflektiert offen, wie der frühe Ruhm, der folgende Karriereknick in der Jugend und der anhaltende Leistungsdruck seine Persönlichkeit geprägt haben. Trotz Unsicherheiten und fehlender Absicherung hält er kompromisslos an seinem Traum fest, als Filmschauspieler erfolgreich zu sein.

„Als Kind berühmt zu sein und ich im Speziellen, wie ich es erlebt habe, ich wurde mit einer unglaublichen Bedeutung für mich selbst aufgeladen. Ich geh irgendwo hin, alle kennen dich, und die Eltern sagen zu den Kindern, schaut her, das ist der… von Erwachsenen wie von Kindern habe ich immer gelernt, ich bin irgendwas Besonderes.

Dass ich da eingestiegen bin in die Filmwelt, hat mein Leben bis heute so stark beeinflusst wie nichts anderes. Wenn du berühmt bist als Kind, verändert das deine Eigenwahrnehmung und die Wahrnehmungen anderer total.

Das war krass für mich so als Jugendlicher mit 15, 16, dann mit 17 wollte ich dann ja wieder einsteigen und da zu merken, das ist weg, das ist schon krass. Die Aufmerksamkeit so auf der Straße ist so langsam weggegangen, über die Jahre wurde das immer weniger, das ist so in Ordnung. Aber zu merken, wie schnell sich die Ökonomie verändert, dass du nicht mehr gefragt bist oder so, diesen Crash erlebt zu haben, das war echt ein krasses Erlebnis für mich. Also das hat mich auch, glaube ich, bis heute immer geprägt und ich habe so eine gewisse Ruhe dadurch bekommen.

Dann hatte ich ein Jahr nur Absagen in Filmcastings, zweites Jahr nur Absagen im Filmcasting, drittes Jahr: nur Absagen. Da habe ich erst mal drei Jahre lang gar nichts gemacht. Viertes Jahr: nur Absagen. Das war echt eine krasse Zeit für mich, weil ich so dachte: Hä? Ich habe das studiert an einer super Schule. Ich habe für mich herausgefunden, wie Dinge funktionieren. Ich wurde besser als Schauspieler in meinem Handwerk. Aber ich habe fünf Jahre lang, in Folge 65 Casting-Absagen bekommen. Jedes Mal, wenn ich nach Berlin gereist bin oder irgendwo nach München und in einem Castingbüro stand, kam danach ein Nein. Irgendwann war ich wirklich an so einem Punkt, wo ich so dachte: Das ist ja voll mein Traum, also ich muss das machen. Ich habe ein inneres Gefühl in mir. Das kommt sicher aus der Kindheit, dass ich da mal war an so einem Punkt. Also wer einmal geflogen ist, der läuft sein restliches Leben mit dem Blick gen Himmel, und so habe ich das auch empfunden, aber es soll einfach nicht sein.

Luna Jordan

Luna ist eine junge Schauspielerin, die seit ihrer Kindheit an Filmsets aufwuchs. In ihrer Jugend wurde sie mit den Schattenseiten der Branche konfrontiert, die nachhaltig ihre Karriere prägten. Heute spielt sie vor allem komplexe, schwierige Rollen und feiert dafür Erfolge. Luna hinterfragt auf der einen Seite, ob sie in einer Branche weitermachen will, die ihr so viel Schmerz gebracht hat, und genießt auf der anderen Seite doch auch immer wieder, bei tollen Filmprojekten dabei zu sein.

„Ich glaube, meine erste Rolle in einem Film hatte ich ungefähr mit sechs. Als Jugendliche war das für mich halt so ein krasses Freiheitsgefühl auch, spielen zu können. Wie so ein Rauschzustand. Also ich hab nie irgendwie Drogen genommen oder Party gemacht, sondern mich in irgendwelche Projekte komplett fallen lassen, wo ich irgendwie alles fühlen und spielen durfte, was ich halt als private Luna nicht kann.

Ich bin davon überzeugt, dass man immer was mitnimmt von jeder Produktion, von jeder Figur, dass man emotional da Anteile sich einfach festsetzen im Gehirn. Je nach Projekt denke ich auch manchmal wirklich lange drüber nach. Okay ähm, ist das wirklich gut für mich und wie kann ich das händeln, dass ich da gesund rausgehe, weil ich von früheren Erfahrungen einfach gelernt habe, okay, ich kann mich nicht mehr zerstören für solche Projekte, sonst kann ich diesen Beruf mit 25 nicht mehr machen.

Mir ist dieses Thema, also Jugend- und Kinderschauspiel, so wahnsinnig wichtig, weil ich das Bedürfnis habe, andere zu schützen vor dem, was mir passiert ist.

In meiner Jugend war Druck auf jeden Fall ein sehr großes Thema.

Das war kurz vor meinem Abi und ich hatte da halt gerade crazy viel zu tun. Ich glaube, ich hatte da gerade irgendwie zwei Projekte gedreht, habe zusätzlich noch eine super anstrengende Theaterproduktion gehabt. Und ich habe irgendwie von einem Tag auf den anderen bin ich aufgewacht und es hat sich so alles gedreht und ich konnte einfach nicht aus dem Bett aufstehen und ich hatte so einen ganz, ganz krassen Herzschlag, dass mir das Atmen dann auch eben so schwer gefallen ist und sowas. Und dann meinte eine Ärztin einfach so: Bei dem was sie erzählt haben, ich würde mal sagen, dass sie eine Art Burnout haben. Und ich war so schockiert davon, dass mein Körper in dem Alter einfach schon Burnout haben kann. Aber klar, wenn man irgendwie versucht gerade Schule, dann auch noch den Abschluss der Schule zu stemmen, dann auch noch so viele Produktionen auf einmal. Das war einfach zu viel. Und ich würde auch nicht sagen, dass das jetzt irgendwie ein Versagen von meinen Eltern war oder sowas, weil ich hätte auch immer nein sagen können. Das war ja auch, dass ich das selber unbedingt machen wollte. Ich fand ja auch zu der Zeit alles ganz toll, was ich gemacht habe, aber irgendwie diese Realisation, dass man einfach nicht mehr kann, das war mir neu.

Ich werde nie verstehen können, wie mein Leben gewesen wäre, wenn ich nicht diesen Weg gegangen wäre vom Schauspiel. Es würde mich sehr interessieren, aber ich werde es halt nie wissen und ich bin auch krass dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte, so früh schon zu drehen und zu spielen. Ich glaube es hat mir sehr, sehr, sehr viele tolle Türen im Leben geöffnet. Ich glaube, ich habe auch ganz viele tolle Erfahrungen gemacht, die Menschen niemals machen werden. Ich bin schon froh und ich bin vor allem stolz auf mich.

Ich bin wahnsinnig dankbar, trotzdem für jede Erfahrung, die ich gemacht habe und für jede Produktion, auch wenn wahnsinnig viel Negatives passiert ist, was ich später erst realisiert habe.“

Constantin von Jascheroff

Constantin ist Ende 30 und begann seine Karriere als Kinderschauspieler Mitte der 90er Jahre mit Filmen wie „Rennschwein Rudi Rüssel“ und „Titus, der Satansbraten“. Er hat in seiner frühen Karriere oft sehr lange Arbeitszeiten und sagt heute, dass er dadurch auch einen Teil seiner Kindheit verpasst hat. Heute lebt er mit seinen drei Söhnen in Berlin und arbeitet als Schauspieler, Synchronsprecher und Unternehmer.

„Ich habe schon ein Stück in Kindheit verpasst. Ich habe ja nicht nur so viele Filme gedreht, ich habe ja auch viel Synchron gemacht. Wenn ich wusste, meine Freunde sind alle im Freibad da bin ich ins Studio gegangen und hab gearbeitet. Es gibt ein paar Meilensteine in meiner Karriere.

Der Übergang vom Drehen in die Schule, das war ein Absturz nach unten für mich. Weil ich plötzlich nicht mehr in der Erwachsenenwelt war, sondern ich wurde wie ein Kind behandelt. Das ging für mich nicht und das habe ich den Lehrer dann spüren lassen, aber voll.

Die Zeit 18 bis 21, das waren drei Jahre, da habe ich ziemlich voll Gas gegeben, könnte man sagen. Extrem viel gefeiert, habe auch andere Substanzen probiert. Ich hatte unheimlich krasse Partys, viele Freundinnen, viele Mädels. Mädels war auch ein ganz, ganz, ganz großes Thema damals. Und das Einzige, was einen Menschen bewahrt, da noch tiefer rein zu rutschen, ist, was in die andere Richtung geht. Und das war Verantwortung. Dann bin ich ja relativ früh Papa geworden. Und es war so ein Punkt, als ich meinen ersten Sohn in den Armen gehalten habe, wo ich wusste, ok, du hast jetzt etwas in deinem Leben, was wichtiger ist als du selbst. Also, ich würde sagen, meine Söhne haben mich bewahrt davor, irgendwie auch ein bisschen auf eine schiefe Bahn zu kommen. Weil einfach die Verantwortung, die es mit sich gebracht hat und mein Empfinden Kindern gegenüber so stark war, dass ich einfach aus vielen Sümpfen dadurch rausgekommen bin. Deswegen sage ich, dass meine Kinder mich auch zum Teil gerettet haben.

Wenn man auf den Erfolg guckt, sage ich jetzt mal so, war ich als Kind berühmter. Klar, da haben mich viel, viel mehr Menschen erkannt auf der Straße. Aber ich bemesse Erfolg nicht daran, wie viele Menschen dich erkennen, den größten Erfolg bemesse ich daran, wie lange überlebt man.“

 

Was war die Motivation für den Film?

Kira Gantner: Wir haben bereits 2024 eine Doku veröffentlicht, für die wir mit sehr vielen Schauspielenden gesprochen haben (“Gegen das Schweigen - Machtmissbrauch bei Theater und Film”). Es gab hier vereinzelt Gesprächspartner:innen, die schon als Kinder auf der Bühne oder vor der Kamera standen und uns von ihren Erfahrungen berichteten. Wir haben dabei gemerkt, dass das ein ganz eigenes Thema ist. Wenn es erwachsenen Darstellenden zum Beispiel schon schwer fällt aus einer intensiven Rolle herauszufinden, wie muss das dann erst für Kinder sein? Wie verändert sich die Kindheit, wenn man viele Wochen an Filmsets verbringt? Fragen wie diese haben uns beschäftigt.

Zita Zengerling: Im Zuge unserer vergangenen Recherchen in der Film- und Theaterbranche wurde das Thema Kinder- und Jugendschauspiel an uns herangetragen. Mit dem Film jetzt wollten wir es differenziert umsetzen.

Wie schwierig war die Recherche – und warum? Wie habt Ihr die Hindernisse überwunden?

Kira Gantner: Wir haben Dutzende ehemalige Kinderschauspielende angefragt. Manche waren schwer zu kontaktieren, weil sie nach der Kinderzeit ihre Schauspielkarriere beendet hatten und somit heute nicht mehr in der Öffentlichkeit stehen. Einige hatten das Gefühl, zu wenig erlebt zu haben, oder es gab Bedenken sich kritisch zu äußern und sich damit in der Branche unbeliebt zu machen.

Zita Zengerling: Wir haben mit einigen ehemaligen Kinderschauspielenden gesprochen und gemerkt: Es gibt viele positive, aber auch negative Erinnerungen an die Kindheit vor der Kamera. Schnell haben wir gemerkt: Wir können und wollen die Erlebnisse nicht verallgemeinern und haben uns deshalb entschieden, das Thema in drei Porträts zu erzählen.

Wie habt Ihr diese drei Protagonist*innen gefunden?

Betül Sarikaya: Zu diesen ersten drei Fragen kann ich nichts sagen, da ich erst ab der Realisation in das Projekt eingestiegen bin.

Zita Zengerling: Zum Teil kannten wir sie schon aus vorigen Recherchen, zum Teil sind wir durch neue Recherchen auf sie aufmerksam geworden. Uns war es wichtig, individuelle Geschichten zu erzählen, die nicht unbedingt für ein großes Ganzes stehen, deshalb haben wir nach Schauspieler:innen gesucht, die unterschiedliche Blickwinkel und Erfahrungen mitbringen und diese auch vermitteln können - und sind bei Luna, Nick und Constantin gelandet.

Was waren die Herausforderungen beim Dreh?

Betül Sarikaya: Die Drehs fanden unter anderem an Filmsets oder hinter den Kulissen am Theater statt. Das sind sehr sensible Bereiche. Unsere Protagonist:innen haben sich dafür eingesetzt, dass wir die Drehs und Vorstellungen begleiten konnten. Normalerweise ist es selten, dass externe Teams bei den Produktionen dabei sein können, vor allem da einige Serien und Filme erst noch im Laufe des Jahres erscheinen. Deshalb sind wir sehr dankbar für die Möglichkeiten und das Vertrauen.

Zita Zengerling: Die Protagonist:innen hatten alle ein sehr arbeitsreiches und erfolgreiches Jahr, was natürlich schön ist. Andererseits hat es uns das teilweise schwer gemacht, eine ruhige Minute mit ihnen zu finden, um zum Beispiel die langen Interviews zu drehen.
Dass wir am Ende bei so vielen Teilen ihres Lebens hinter die Kulissen gucken konnten, ist nicht selbstverständlich. Hier sind wir sehr froh, dass uns sowohl die Schauspieler:innen selbst als auch Sender und Produktionen oder zum Beispiel das Volkstheater in Wien ihr Vertrauen geschenkt haben.

Ihr erzählt in der Doku ausschnittsweise die jeweiligen Geschichten – gibt es bei allen Unterschiedlichkeit Gemeinsamkeiten? Welche? Und lässt sich dabei so etwas wie eine Struktur erkennen?

Betül Sarikaya: Überrascht hat doch, wie viel gemeinsam die drei hatten. Sie sind alle sehr durchgetaktet, müssen manchmal von einem Tag auf den anderen hunderte Kilometer reisen, um am nächsten Tag am Set zu sein. Das ist auch etwas, was sie alle für den Beruf in Kauf nehmen. Durchhaltevermögen für lange Tage und Resilienz – etwa in Bezug auf Castingabsagen – scheint definitv auch etwas zu sein, was sie sich alle angeeignet haben. Trotz der Herausforderungen haben sie sich immer wieder für diesen Job entschieden. Sie hatten als Kinder alle Spaß und Freude daran. Dazu gehörte auch, für ihre Arbeit ernst genommen zu werden. Die ehemaligen Kinderschauspieler:innen erzählten uns auch, dass sie schon in jungen Jahren gelernt haben, auf gewisse Aspekte zu verzichten, die für andere Kinder und Jugendliche normal sind, etwa in den Schulferien zu arbeiten, statt frei zu haben wie andere Gleichaltrige.

Zita Zengerling: Eine Struktur oder ein System konnten wir nicht erkennen, deshalb haben wir uns auch bewusst für die porträthafte Erzählweise entschieden. In unseren Recherchen haben wir gemerkt, die Erfahrungen aller ehemaligen Kinderschauspielenden sind sehr individuell, trotzdem gibt es zum Teil Gemeinsamkeiten. Viele blicken auf eine tolle Kindheit zurück und denken gern an die Zeit am Set. Sie haben sich selbst dafür entscheiden und hatten die Unterstützung ihrer Eltern, diesen Traum zu leben.

Was unterscheidet die drei?

Betül Sarikaya: Sie haben alle unterschiedliche Werdegänge und sehr verschiedene Schwerpunkte.
Nick hat beispielsweise schon früh in großen Kinoproduktionen mitgespielt und als Jugendlicher entschieden, eine Pause zu machen. Als er als junger Erwachsener an seinem Erfolg von damals anknüpfen wollte, gelang ihm das nicht ohne Weiteres. Er studierte an einer renommierten Schauspielschule und spielt bis heute sehr erfolgreich am Theater. Sein Ziel war es aber auch immer, wieder Filme zu drehen. Wir haben seinen Weg dorthin begleitet.
Constantin hat auch schon sehr jung Hauptrollen gespielt in den 1990er Jahren. Zu seiner ersten Rolle kam er, als er seinen Vater bei einem Casting begleitet hatte. Constantin hat schon als Kind als Synchronsprecher gearbeitet, was er heute als sein Daily Business beschreibt. Er erzählt in der Dokumentation, dass es für ihn als Kind jedes Mal schwierig war, vom Set zurück an die Schule zu kommen. Es sei wie ein Absturz nach unten gewesen, weil er plötzlich von seinem Umfeld wie ein Kind behandelt worden sei.
Luna ist die Jüngste von den dreien. Sie wurde durch Hauptrollen in Filmen bekannt, die unter anderem auf internationalen Filmfestivals gezeigt wurden. Sie hat schon früh den Druck gespürt, den es mit sich bringt, wenn es darum ging mehrere Produktionen miteinander zu vereinbaren und nebenbei die Schule und den Abschluss zu stemmen.

Kira Gantner: Den Weg, den die drei im Schauspiel gegangen sind, ist sehr unterschiedlich. Luna hat sich gegen die Schauspielschule entschieden und überlegt auch manchmal, ob ihr auch ein anderer Beruf Spaß machen könnte. Nick hat Schauspiel studiert, für ihn war und ist schon immer klar, Schauspieler sein ist sein Traumberuf. Constantin liebt die Arbeit vor der Kamera, sieht das Ganze aber etwas pragmatischer. Er hat daneben mit seinem Vater ein eigenes Synchronstudio aufgebaut und generiert einen großen Teil seines Einkommens mit Synchronsprechen.

Zita Zengerling: Ihre Arbeit, ihr Angang und ihre Hintergründe sind sehr unterschiedlich. Nick hatte vor seiner Zeit bei den Wilden Kerlen keinen Kontakt zur Filmwelt, die anderen beiden kommen aus Familien, die die Branche schon kennen. Sie spielen auch ganz unterschiedlich und gehen ihre Rollen ganz verschieden an, das war sehr spannend zu sehen. Was sie eint, ist aber auf jeden Fall die Leidenschaft für das, was sie tun.

Was hat Euch am meisten verwundert? Was hat überrascht?

Betül Sarikaya: Nach außen wirkt das Leben von Kinderschauspieler:innen sehr glamourös, aber hinter den Kulissen kann es deutlich komplexer ablaufen. Es gibt sehr strenge Regeln für Kinderschauspiel, dennoch sind die Erfahrungen, die wir in unserer Dokumentation abbilden, teils ambivalent. Die ehemaligen Kinderschauspieler:innen können ganz genau reflektieren, was ihnen in ihrer Kindheit gut getan hat und was nicht.

Kira Gantner: Was mir vor dieser Recherche nicht so bewusst war, auf wie viele Kindheitserfahrungen unsere Protagonist:innen verzichtet haben für ihren Traum. Erfahrungen, die für viele normal sind, die eine Kindheit prägen können. Scheinbar endlose Sommer, die man mit Freund:innen im Freibad verbringt, Klassenfahrten, Kindergeburtstage – alles Dinge, von denen die drei uns berichtet haben, auf die sie oft verzichtet haben oder die sie absagen mussten, weil sie die Arbeit dem vorgezogen haben. Das zeigt, ja es kann ein Traum sein für Kinder vor der Kamera zu stehen, aber es gibt andere Erfahrungen, auf die man dafür verzichtet.

PRODUKTIONSVERANTWORTLICHE

Autorinnen: Betül Sarikaya, Kira Gantner, Zita Zengerling (NDR)

Distribution: Julia Kaiser & Janne Schmit (NDR)

Redaktion: Christine Gerberding & Melanie Thun (NDR), Kristian Costa-Zahn & Franciscus Wenner (ARD Kultur)

Impressum

Herausgegeben von Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation

Redaktion:
Bettina Brinker, NDR/Presse und Kommunikation

Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation

Bildnachweis:
NDR/Maurice Weiss/Ostkreuz
NDR/imago images/United Archives (Kinderbild Constantin von Jascheroff)

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