Nord bei Nordost – Jagd in die Vergangenheit
8. JANUAR 2026
20.15 UHR, IM ERSTEN
AB 31. DEZEMBER 2025 IN DER ARD MEDIATHEK
Mit über sechs Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern feierte „Nord bei Nordost“ als neue Krimireihe im Oktober 2024 einen beeindruckenden Einstand. Cordelia Wege als selbstbewusste, freiheitsliebende Polizistin bildet den Mittelpunkt eines nicht alltäglichen Ermittlertrios, das auch im Privaten besonders ist. Nach „Westend“ führt der neue Film „Jagd in die Vergangenheit“ die Protagonistin Nina Hagen in die eigene Geschichte, als ein enger Vertrauter ihrer Eltern aus dem Gefängnis ausbricht und sie die Spur aufnimmt.
Wie der erste Film der Reihe stammt auch der zweite aus der Feder des Grimme-Preisträgers Holger Karsten Schmidt. Regisseurin Aelrun Goette, ebenfalls mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, erzeugt einen Spannungssog hin zu einem dramatischen Finale. Als ebenso malerische wie mystische Kulisse dient die Mecklenburgische Seenplatte.
INHALT
Die Polizistin Nina Hagen (Cordelia Wege) kennt den aus dem Gefängnis entkommenen Mörder noch als besten Freund ihrer verstorbenen Eltern: Werner Roth (André M. Hennicke) gehörte zu DDR-Zeiten quasi zur Familie und wollte mit beiden gemeinsam in den Westen fliehen! Während Ninas Eltern die Flucht gelang, wurde Werner gefasst. Erst nach dem Fall der Mauer trafen die drei sich wieder. Und Werner wurde der im Westen geborenen Nina ein guter Freund. Noch immer versteht Nina nicht, was den feinen Menschen aus Kindheitserinnerungen vor drei Jahren zu einem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter bewegt hat. Als Nina ihn bei seiner Vertrauten Teresa Lind (Mélanie Fouché) stellt, kommt es zu einem dramatischen Aufeinandertreffen – und Roth entkommt.
Während die Fahndung auf Hochtouren läuft, durchforstet Nina mit ihren Kollegen Bittner (Franz Dinda) und Engelmann (David Bredin) die Akten des Millionenraubes, mit dem ihr inzwischen verstorbener Vater als Polizeichef befasst war. Die verschwundene Beute und Roths Widerruf des Geständnisses, seinen Komplizen getötet zu haben, werfen offene Fragen auf. Wer ist der unbekannte dritte Mann, der damals entkam? Und warum deckte Roth ihn? Bei ihren Nachforschungen stößt Nina Hagen mit ihren Kollegen auf verstörende Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte. Als sie den Grund für Roths Schweigen herausfinden, müssen sie verhindern, dass alte Rechnungen beglichen werden.
BESETZUNG
Nina Hagen
Cordelia Wege
Tim Engelmann
David Bredin
Felix Bittner
Franz Dinda
Werner Roth
André M. Hennicke
Teresa Lind
Mélanie Fouché
Alexander Bedolf
Lasse Myhr
Patrick Schneider
Matthias Lier
Sophia
Heike Hanold-Lynch
Frau Wippermann
Rosa Enskat
Frau Wiedekind
Julia Gräfner
u. v. m.
STAB
Regie
Aelrun Goette
Buch
Holger Karsten Schmidt
Kamera
Axel Schneppat
Szenenbild
Lena Schønemann
Kostümbild
Anette Schröder
Maske
Jeanette Kellermann, Katharina Hepp
Licht
Anton Stielow
Musik
Daniel Hoffknecht
Casting
Marion Haack
Schnitt
Simon Blasi
Ton
Michael Kunz
Produktionsleitung
Olaf Kalvelage, Jonas Sticherling (ARD Degeto Film)
Produzenten
Joshua Lantow, Seth Hollinderbäumer, Oliver Behrmann
Redaktion
Niklas Wirth, Christoph Pellander (beide ARD Degeto Film), Ulrike Toma, Christian Granderath (beide NDR)
Drehzeit
25.04. – 27.05.2025
Länge
90 Minuten
Drehorte
Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), Plau am See (Landkreis Ludwigslust-Parchim) sowie in und um Hamburg
Eine Produktion der triple pictures GmbH (tp3) im Auftrag der ARD Degeto Film und des Norddeutschen Rundfunks für die ARD.
CORDELIA WEGE SPIELT
NINA
HAGEN
Die Leiterin der Polizeidienststelle Westend mit dem ungewöhnlichen Namen Nina Hagen – eine Idee ihrer Eltern – ist selbstbewusst und autark, geht keine Kompromisse ein und lässt sich nicht verbiegen. Sich nicht einzulassen, abgebrüht zu erscheinen, das ist Nina Hagens Stil. So hält sie sich Ärger vom Hals. Außerdem passt es zu einer Qualität, die die Menschen in Westend eint: abwarten und kommen lassen. Mit ihrer resoluten Art tun sich deshalb besonders Nicht-Westender schwer.
Aber die Nachricht von Werner Roths Ausbruch aus der JVA macht sie nervös und zunehmend dünnhäutig, kommen doch im Zuge der Ermittlungen nach und nach sehr persönliche Dinge über ihre Eltern ans Licht, von denen sie bislang nichts wusste – und die ihre eigene Identität infrage stellen.
Frau Wege, „Jagd in die Vergangenheit" erzählt die sehr persönliche Geschichte Ihrer Filmfigur Nina Hagen, die in einen großen Konflikt gerät, als sie erfährt, dass der ihr aus Kindheitstagen vertraute beste Freund ihres Vaters aus dem Gefängnis geflohen ist. Was macht das mit ihr?
Nina Hagen hat man bislang als eher spröde und wenig zugänglich kennengelernt. Das persönliche Drama, das sie nun erleidet, macht sie dünnhäutig und verletzlich. Sie gerät in eine Art Identitätskrise und sieht sich mit existentiellen Fragen konfrontiert: Wer bin ich? Wie war meine Mutter? Und wer ist mein Vater? Und: Liebte meine Mutter tatsächlich (auch) zwei Männer gleichzeitig? Ich finde es toll, dass das Thema Identitätssuche mit einem Krimi verwoben wird.
Wie gefällt es Ihnen, dass Sie neue Facetten von Nina zeigen können?
Ich mag das sehr! Sie geben Nina eine Sensibilität, machen sie nahbarer und zugewandter. Nina ist eben nicht die Frau, die immer alles im Griff hat. Es war unser gemeinsames Anliegen, zusammen mit der Regisseurin Aelrun Goette meiner Figur in diesem Film eine Sinnlichkeit zu geben!
Nach wie vor ist offen, ob Ninas Kollegen Tim und Felix wissen, dass ihre Chefin mit beiden ein Verhältnis hat. Sind Sie gespannt, wie sich diese Ménage-à-trois weiterentwickeln wird?
Auf jeden Fall! Ich bin sehr neugierig, was auf uns zukommt, denn in dieser Konstellation steckt doch eine große Spannung! Vielleicht ahnen ja beide Männer längst, dass da auch etwas mit dem jeweils anderen läuft, und haben sich insgeheim damit arrangiert. Vielleicht aber wollen sie es auch gar nicht wissen. Nina, ist mit dieser Dreiecksbeziehung jedenfalls glücklich. Warum sollte sie sich auch zwischen den beiden Männern entscheiden? Beide sind attraktiv, jeder hat seine Vorzüge. Sie genießt die sinnlichen Momente, die sie mit Felix verbringt, ebenso wie die aufregenden Momente mit Tim. Und die wiederum genießen die Zeit mit ihr. Macht Nina möglicherweise auch drei Menschen glücklich wie damals ihre Mutter? Pragmatisch, wie Nina ist, sieht sie keine Notwendigkeit, ihren Kollegen zu sagen, dass sie mit beiden eine Affäre hat. Solange keiner von ihnen sie darauf anspricht oder sich von ihr abwendet, muss sie ja auch nichts sagen.
Es gibt einige dramatische Spielszenen zwischen Ihnen und André Hennicke, der den geflohenen Häftling verkörpert. Wie haben Sie das Spiel mit ihm empfunden?
Es machte unglaublich viel Spaß, denn wir passten sehr gut zusammen. Es gibt Szenen, in denen mich Andrés Spiel sehr berührte, etwa, als Nina und er sich in ihrem Telefonat annähern, wenn sie wagt, ihn zu fragen, was damals bei der Republikflucht der Eltern wirklich passiert ist und wie sein Verhältnis zu ihrer Mutter war. André Hennicke ist sehr klar, warmherzig, voller Energie, bringt tolle Spielideen ein und ist darüber hinaus ein kollegialer Partner. Für mich war die Arbeit mit ihm eine große Bereicherung.
Im ersten Film der Reihe lieferten Sie sich einen handfesten Kampf im Wasser mit einem Mörder, dieses Mal haben Sie einen Tandemsprung aus etwa 3500 Meter Höhe gewagt. Was reizt Sie daran, sich in actionreichen Szenen nicht doubeln zu lassen?
Ich mache auf diese Weise Erfahrungen, die nicht alltäglich sind, die mich körperlich herausfordern. Solange ich keine Stunts mache, die mit einem echten Risiko verbunden sind – und bei dem Tandemsprung fühlte ich mich dank der professionellen Begleitung sehr sicher –, nehme ich derartige Angebote immer wieder gern an. Der Tandemsprung war ein unfassbares Erlebnis! Besonders der freie Fall in der ersten Minute außerhalb von Raum und Zeit war unbeschreiblich schön und unvergesslich.
DAVID BREDIN SPIELT
TIM
ENGELMANN
Tim Engelmann, handfester Ermittler in der Polizeidienststelle von Westend, kennt den Ort wie seine Westentasche und ist tief in dessen soziales Netz eingebunden. Tim geht raus, spricht mit den Leuten und hält auch einen guten Draht zu denen, die im Gefängnis sitzen und ihn gern gegen eine Zigarette oder auch zwei mit nützlichen Informationen versorgen – so auch im aktuellen Fall. Tims Stärken liegen vor allem in seiner körperlichen und psychischen Robustheit. Er ist intuitiv, handelt aus dem Bauch heraus, hat ein feines Gespür für Menschen und Situationen – er ist einer, an den man sich gern anlehnt.
Herr Bredin, was mochten Sie an diesem Buch, was an dieser komplexen Geschichte?
Mich hat an dem Buch besonders fasziniert, dass es tief eintaucht in die Hintergrundgeschichte unserer Kommissarin und zugleich die dunklen Abgründe von Westend, aber auch des Ostens mit all seiner vielschichtigen Historie beleuchtet. Es erzählt von zerrütteten Familien, von Flucht und den Wunden, die solche Erfahrungen hinterlassen – Themen, die uns heute in einer Zeit der gesellschaftlichen Spannungen und Neuorientierungen aktueller denn je begegnen. Die Figuren tragen ihre Vergangenheit sichtbar mit sich, und gerade das macht sie so menschlich, verletzlich und nahbar.
Wie blicken Sie in dem zweiten Film der Reihe auf die Ménage-à-trois?
Unser Verhältnis wird in diesem Teil ein Stück weiter in Richtung Normalität geführt. Die Ménage-à-trois befindet sich noch mitten in ihrer Entwicklung – wir sind weit davon entfernt, eine gleichberechtigte Dreiecksbeziehung auf drei Ebenen ohne Eifersucht oder Missgunst zu erzählen. Aber genau daraus entsteht die zwischenmenschliche Spannung, die diese Konstellation so reizvoll macht. Es geht nicht um Perfektion, sondern um das Ringen miteinander, das Suchen nach Balance.
Wie haben Sie den Tandem-Fallschirmsprung erlebt?
Der Fallschirmsprung war eine Herausforderung – weder Cordelia noch ich hatten das vorher schon mal gemacht – und so mussten wir beide mit Tandemmastern springen. Unsere Aufgabe war es, diese Szene dennoch so intensiv, aufregend und verbunden wie möglich zu spielen. Es sollten Adrenalin, Vertrauen und Nähe spürbar werden, auch wenn wir in Wirklichkeit getrennt sprangen. Ganz ehrlich: Ich persönlich hüpfe lieber in einen eiskalten See als aus dem Himmel zu fallen, auch wenn der Fallschirmsprung unbestritten ein besonderes Erlebnis war.
FRANZ DINDA SPIELT
FELIX
BITTNER
Felix Bittner komplettiert das Trio in der Polizeidienststelle Westend. Er ist der strebsame Polizist, zeigt grundsätzlich ein bisschen mehr Einsatz als die anderen. Er will den Dingen auf den Grund gehen. Außerdem ist er immer adrett gekleidet und überaus korrekt in seinem Verhalten. Vorschriften nimmt er sehr genau, sind sie doch dafür gemacht, eingehalten zu werden. Vielleicht reagiert er deshalb so empfindlich darauf, dass seine Chefin Nina im Fall Roth ermittelt, obwohl man sie möglicherweise für befangen halten könnte. Dass sein Kollege Tim Engelmann das anders sieht, zeigt, wie unterschiedlich die beiden Polizisten sind.
Herr Dinda, was hat Sie an Holger Karsten Schmidts zweiter Geschichte zu der Reihe interessiert?
Die Vertiefung der Geschichte von Nina Hagen. Da alle unsere Figuren wie durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden sind, war das auch für mich spannend.
Ihre Figur Felix Bittner hadert damit, dass Nina eine private Verbindung zu dem geflohenen Werner Roth hat, ihn aber stellen muss, schließlich ist sie Polizistin. Warum hat Bittner ein so großes Problem damit?
Ich würde es weniger als Problem bezeichnen, denn als Wunsch, Nina vor Befangenheit zu schützen. Bei aller persönlichen Verbindung bleibt es schließlich unser Auftrag, die Fälle professionell zu bearbeiten.
Wie haben Sie das Zusammenspiel mit ihren beiden Kollegen erlebt?
Die Zusammenarbeit war wie beim ersten Mal getragen vom gegenseitigen Vertrauen, das wir ineinander haben. David kenne ich schon etwas länger als Cordelia, aber es war auch dieses Mal eine Freude zu spüren, dass unter uns dreien eine ausgesprochen feine Verbindung herrscht.
Auch in dieser Episode bleibt offen, ob Bittner und Engelmann wissen, dass Nina mit beiden eine Liebesbeziehung führt. Warum sprechen die Männer das Thema nicht an?
Es ist Teil des Charmes dieser Konstellation, hier vage zu bleiben. Wissen sie untereinander von der Ménage-à-trois? Gibt es wirklich kein Konkurrenzdenken beziehungsweise keine Eifersucht untereinander oder wird damit nur kokettiert? Bisher hatte Felix Spaß daran, Teil dieses Spiels zu sein. Aber natürlich lässt sich durch veränderte Voraussetzungen hervorragend damit spielen. Wenn, als zugespitztes Gedankenspiel formuliert, Nina von einem der beiden schwanger würde, was wäre dann?
EIN GESRPÄCH MIT REGISSEURIN
AELRUN
GOETTE
Frau Goette, wie haben Sie reagiert, als man Ihnen diesen Stoff anbot, was hat Sie an dieser Geschichte interessiert, was war für Sie das zentrale Thema?
Ich habe mich gefreut! Ich sollte dem fiktiven Ort ‚Westend‘, der im Osten liegt, ein unverwechselbares Gesicht und dem Format einen besonderen Ausdruck geben. So etwas ist natürlich total interessant. Bei diesem Film geht es darum, den schmalen Grat zwischen Krimi und Drama, Leichtigkeit und Tiefe zu balancieren und einen DonnerstagsKrimi zu etablieren, der etwas Besonderes ist.
Im Zentrum stehen die Beziehungen der Figuren untereinander. Einerseits erzählen wir in diesem Film ein geheimnisvolles und widersprüchliches Vater-Tochter-Verhältnis, das sich allmählich entblättert, und zum anderen erleben wir die Geschichte unserer Hauptfigur Nina mit ihren beiden Kollegen Tim und Felix. Es hat mir gefallen, dass der Autor Holger Karsten Schmidt einer Polizistin zwei Liebhaber geschenkt hat.
Worauf haben Sie in Ihrer Inszenierung den Fokus gelegt?
Ich wollte alles ein bisschen ‚bigger than life‘ erzählen; etwas abgefahrener und knalliger, die Charaktere ein bisschen schräger und intensiver zeichnen. In jeder einzelnen Figur, in den Filmsets, in Kostümen und Maske stecken viel Liebe; das hat großen Spaß gemacht. Zusammen mit dem dokumentarischen Stil von Axel Schneppat haben wir eine Bildsprache entwickelt, die mit den insgesamt schwieriger werdenden Produktionsbedingungen umgeht und trotzdem die Attraktionen feiert und große Bilder schafft. Wir sind aus dem Flugzeug gesprungen, haben aufwendige Stunts gedreht und einen Geldtransporter in die Luft gejagt. Bis in die kleinste Nebenrolle hinein haben wir uns um besondere Schauspieler:innen bemüht, die in ihrer Spielfreude und Präsenz leuchten.
Was hat Sie an dieser für das deutsche Fernsehen doch ungewöhnlichen Ménage-à-trois zwischen Nina Hagen und ihren beiden Kollegen gereizt, was an der Hauptfigur Nina innerhalb dieser sehr gleichberechtigt erzählten Figurenkonstellation?
Die Frage macht deutlich, welch fulminanter backlash uns gerade um die Ohren fliegt, denn wer hält es heute für ungewöhnlich, wenn ein Mann eine Dreiecksbeziehung führt? Doch in Zeiten, in denen Tradwifes und Törtchen backende Supermoms social media überfluten, ist es nicht nur wohltuend, sondern geradezu unsere Pflicht, spielerische Alternativen im Zusammenleben zwischen Menschen zu skizzieren. Ich finde es klug, diese Konstellation in einem Krimiformat zu verarbeiten, in dem sie nonchalant und wie nebenbei erzählt werden kann und trotzdem den Ton setzt. Frauenfiguren in ihrem Facettenreichtum sind ebenso wie der Osten noch lange nicht auserzählt.
Wie sind Sie auf die Besetzung der Gastrolle mit André Hennicke gekommen, was brachte er aus Ihrer Sicht für die Figur Werner Roth mit?
André Hennicke kam mir sofort in den Sinn, als ich das Treatment gelesen hatte: Einerseits muss er als Vater der Hauptfigur ein gewisses Alter haben, andererseits fordert die Rolle mit ihren Stunts eine hohe Fitness; da gibt es schon mal nicht so viele Schauspieler, die das mitbringen. Aber was noch wichtiger ist: Die Figur Werner Roth ist ein seltsamer Mensch: einerseits ein harter Gangster, andererseits zutiefst aufrichtig. Er ist sehr männlich und trotzdem ein Kind geblieben, mit einer Zartheit im Brutalen, voller Unsinn im Kopf und einer inneren Freiheit und Liebe, die ihn für Werte einstehen lässt, an die außer ihm niemand glaubt. Diese Widersprüche vereinen nicht viele Männer seiner Generation in sich. André Hennicke ist ein Ausnahmeschauspieler, der auch in der Zusammenarbeit bezaubernd ist.
Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Verortung dieser Reihe an der Mecklenburgischen Seenplatte und welche Rolle spielt die Natur in Ihrem Film?
Wir brauchen mehr attraktive Geschichten im Osten, in denen sich die Menschen wiedererkennen. Zu oft werden Klischees bedient, die in der Summe zu einem verzerrten Blick auf diesen Teil unseres Landes führen. Deshalb hat es für Axel Schneppat und mich eine große Rolle gespielt, den Zauber der Mecklenburgischen Seenplatte einzufangen. Die Besonderheit der Wasserstraßen und Kanäle, die die zahlreichen Seen verbinden, sind in Deutschland einzigartig. Sie erzwingen eine gewisse Langsamkeit; eine Umsicht; man spürt dort eine ganz besondere Verbindung zur Natur. Um das nachvollziehbar zu machen, schläft unsere Hauptfigur in warmen Nächten unterm Himmelszelt und verbringt die freie Zeit auf ihrer Terrasse am See – mit Außendusche und einem Liebhaber, der nackt im See schwimmt. Wir hätten gerne noch viel mehr dort gedreht!
EIN GESRPÄCH MIT KAMERAMANN
AXEL
SCHNEPPAT
Herr Schneppat, welche Absprachen gab es bei „Nord bei Nordost – Jagd in die Vergangenheit" mit Regisseurin Aelrun Goette und Produzent Joshua Lantow hinsichtlich Ihres Bildkonzepts und der Auswahl der Bilder. Worauf haben Sie bei dieser Geschichte besonders geachtet?
Ich habe mich sehr gefreut, in meiner Heimat Mecklenburg einen Krimi zu drehen, und dann noch meinen ersten. Natürlich ging es mir schnell auch darum, Bilder zu finden, die mich an die Landschaft erinnern, in der die Mecklenburger leben. Unsere erste direkte Kontaktaufnahme zwischen Joshua, Aelrun und mir fand deshalb nicht zufällig in Mecklenburg vor Ort statt. Wir sind durch mögliche Motive unseres Projektes gegangen und haben zusammen mögliche Orte aufgesucht, um gemeinsam auf unsere zukünftigen Bilder zu schauen. Das war schon sehr spannend. Es gab sofort Details, die mir vertraut waren und wichtig wurden, um einen Weg zu diesem Film zu finden. Die Bootshäuser der Region zum Beispiel, die mir noch von Paddeltouren aus den 80er-Jahren in Erinnerung waren. Ich habe die so nie wieder gesehen. 2019 habe ich einen Kinodokumentarfilm in Russland über Garagen gedreht. So fand ich diese alten Holzhäuser am Wasser, die wie Garagen für Boote dienen, sofort mit vielen Geschichten wieder. Und außerdem stehen sie für mich für diese Region. Die ersten Locationfotos führten somit auch zu Buchkorrekturen. Unsere aus dem Gefängnis geflohene Figur Werner Roth flüchtet sich dann auch nach dem Ausbruch sofort in eine alte verlassene Bootsgarage. Somit konnten wir unseren ersten Anker in der Region legen. Das war das Ergebnis unserer ersten Locationtour.
Wie wichtig sind bei „Nord bei Nordost – Jagd in die Vergangenheit“ die unterschiedlichen Stimmungen des Wassers? Spiegeln sie womöglich das aktuelle Innenleben der Protagonist:innen oder den aktuellen Stand des Falls wider?
Das Wasser war für mich ein wichtiges Element für die Mecklenburgische Seenplatte, wie das Kfz-Kennzeichen MSE schon sehr eindringlich beschreibt. Also musste Wasser her, um ein Gefühl für diese Region zu bekommen. Der Fallschirmsprung musste deshalb auch gleich dort direkt über Malchow sein. Auch Roths Flucht und Bewegung spielen aus diesem Grund auf dem Wasser. Wir waren sehr glücklich, von seinem Unterschlupf in einem Motorboot in einem alten Bootshaus erzählen zu können. Wasser ist aber als ein wichtiges Element auch immer wieder interessant, um emotionale Momente zu erzählen. Nicht umsonst recherchiert Roth mit seinem Smartphone auf dem Bootssteg nah am Wasser. Seine Flucht übers Wasser hat etwas von Befreiung, vermittelt eine gewisse Aufbruchsstimmung. Und das Wasser erzählt die Sehnsucht, an diesen Ort zurückzukommen.
Es gibt einige sehr eindringliche Nahaufnahmen von Nina Hagen und Werner Roth. Wie gelang es Ihnen, deren Gefühlslage derart zu erfassen?
Ich lasse mich mit meiner Handkamera manchmal etwas treiben. Und wenn sich mir meine Protagonisten oder Schauspieler öffnen, lassen sie mich nah heran. Dann gelingen sehr intime Aufnahmen. Sie vergessen in diesem Moment der Nähe oft auch die Kamera.
Über welche Fähigkeiten sollten Ihrer Meinung nach Kameramänner und Kamerafrauen verfügen?
Offen bleiben, um sich überraschen zu lassen. Den Protagonist:innen und Schauspieler:innen zuhören und natürlich auch den Regisseur:innen.
Statement
Holger Karsten Schmidt, Autor
Nina Hagen wird mit der Flucht von Werner Roth aus der nahe gelegenen JVA der Boden unter den Füßen weggezogen – denn der Mann, den sie nun mit Hilfe ihrer beiden Kollegen jagt, steht ihr möglicherweise viel näher, als sie es bislang erahnen konnte. Und so, wie er sich verhält, ahnt er das anscheinend auch. Oder täuscht es vor.
Das Wort ‚Identität‘ fällt in dieser Geschichte nirgends, aber genau das wird hier unter der Oberfläche verhandelt: Wer bin ich? Woher komme ich?
Mit der Jagd auf den Ausbrecher Werner Roth beginnt für Nina eine Reise zu sich selbst. Und zu ihren verstorbenen Eltern. Hat ihre Mutter auch zwei Männer geliebt? Wurde Nina das quasi in die Wiege gelegt? Und hat ihr Vater damals seinen besten Freund verraten?
Diese Geschichte widmet sich Nina Hagens Kern. Und Nina ist doppelt motiviert, den flüchtigen Werner Roth zu stellen: einmal, um ihn zurück ins Gefängnis zu bringen, aber noch viel mehr, um ihm die alles entscheidende Frage zu stellen.
Impressum
Herausgegeben von NDR Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation in Zusammenarbeit mit der ARD Degeto Film
Redaktion:
Leo Boll, ARD Degeto Film GmbH
Texte & Interviews:
Gitta Deutz
ARD Degeto Film GmbH
Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation
Bildnachweis:
NDR/ARD Degeto Film/Frizzi Kurkhaus
NDR/Ute Mahler (Aelrun Goette)
Fotos:
www.ard-foto.de
Presseservice:
ARDTVAudio.de
Pressekontakt
Kommunikation und Presse / ARD Degeto Film GmbH
Leo Boll
Leo.Boll@degeto.de
Gitta Deutz
pr@presseagentur-deutz.de
Web:
www.degeto.de
