Interview mit Florian Naß
Du kommentierst schon seit vielen Jahren Handball in der ARD. Was macht den Handball und die Atmosphäre dort für dich so besonders? Und gibt es Momente, die dir aus früheren Turnieren besonders in Erinnerung geblieben sind?
Natürlich sind die beiden Endspiele der WM 2007 und der EM 2016 besonders haften geblieben. Es waren besondere Momente für die Teams samt der Trainer, aber auch für diesen Sport, der Millionen von Menschen am Bildschirm begeisterte. Diese Spiele kommentieren zu dürfen, waren auch deshalb so besonders, weil ich ja selbst Handballer war. Mir war immer klar, dass dieser Sport die Massen mobilisieren kann, weil er trotz einer gewissen Härte von Fairness geprägt ist. Die Fans sind dicht dran. All das macht den Handball einzigartig.
Was sind die größten Herausforderungen für dich als Handball-Kommentator – eine der schnellsten Mannschaftssportarten überhaupt?
Das Tempo ist tatsächlich enorm. Auch ich bin dann gemeinsam mit Johannes Bitter als Co-Kommentator an meiner Seite gefordert, schnelle Entscheidungen zu treffen. Offensivfoul? Schrittfehler? All das geht rasend schnell, auch wenn die Zeitlupen anschließend unterstützen. Handball gewährt – anders als der Radsport, den ich ja auch für die ARD kommentiere, kaum Raum für Randgeschichten. Ich versuche sie dennoch zu integrieren, aber der Handball ist eben unglaublich schnell und es passiert permanent etwas.
Und was sind die größten Herausforderungen für das Team von Alfred Gislason?
Der Turnierverlauf verzeiht keinen schwachen Tag. Um das Ziel Halbfinale zu erreichen, müssen die Vorrundenspiele gegen Österreich, Serbien und Spanien eigentlich gewonnen werden. Denn in der Hauptrunde – vermutlich gegen Dänemark, Frankreich, Norwegen und Portugal – wird es nicht leichter. Die Auslosung war unglaublich hart. Hinzu kommt der Turnier-Rhythmus: Jeden zweiten Tag ein Spiel. Der gilt natürlich auch für die anderen Teams, aber die körperliche und mentale Belastung ist enorm. Ich halte die Zielsetzung Halbfinale und damit die Chance auf eine Medaille aber für möglich. Das wäre ein toller Erfolg.
