ESCAPING BOLIVIA

BEST FRIENDS FOREVER

AB DEM 4. SEPTEMBER 2026 IN DER ARD MEDIATHEK
AM 11. SEPTEMBER, AB 21.30 UHR, AUF ONE

Prison Break – Die unglaubliche Geschichte eines norwegischen Drogenfalls, über die Grenzen von True-Crime hinaus

Die norwegisch-deutsche Koproduktion (NDR, WDR, SWR) „Escaping Bolivia“ ist inspiriert von einem der aufsehenerregendsten Kriminalfälle Norwegens. Im Jahr 2008 wurden drei junge Norwegerinnen am Flughafen der bolivianischen Stadt Cochabamba festgenommen. In ihrem Gepäck fanden die Behörden mehr als 20 Kilogramm Kokain. Während sich eine der drei mit der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern und der Hilfe norwegischer Behörden noch vor Prozessbeginn nach Norwegen absetzen konnte, wurden die anderen beiden anderen Frauen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Aufgrund ihres jugendlichen Alters und der bis heute ungeklärten Hintergründe des Drogenfundes ist der Fall in Norwegen extrem prominent. Regisseurin Emilie Beck wurde bereits als 16-Jährige auf den Fall aufmerksam – ihre Protagonistin war nur ein Jahr älter als sie, als der Fall die norwegische Öffentlichkeit bewegte. Beck recherchierte zehn Jahre lang und realisierte das Projekt als 35-Jährige als ihre erste große Serienarbeit fürs TV.

„Escaping Bolivia“ ist weit mehr als die Nacherzählung eines spektakulären Kriminalfalls. Die Serie zeichnet das intensive Psychogramm einer jungen Frau nach, die – anfangs selbst noch ein Kind – im Verlauf von sechs Episoden zu einer selbstbestimmten, widerstandsfähigen Frau und kämpferischen Mutter heranwächst. Wir bleiben stets dicht an Idas Figur und werden letztlich Zeuge ihres Erwachsenwerdens unter extremen Bedingungen.
Dabei begnügt sich die Serie nicht mit dem Narrativ einer jungen Frau als Opfer eines unerbittlichen Justizsystems, das selbst vor Minderjährigen keinen Halt macht. Anstelle tiefer Freundschaft, Loyalität und der ersten großen Liebe tritt im Laufe der Episoden zunehmend Misstrauen, Zweifel und Entfremdung. Auch wir als Zuschauerinnen und Zuschauer geraten dadurch in einen ambivalenten Wahrnehmungsraum. Immer wieder fordert die Serie unsere Sympathie und Identifikation heraus und konfrontiert uns mit einer unbequemen, aber unaufgelösten Frage: Wie viel wussten die drei Frauen tatsächlich – jede für sich.

Neben den psychologischen Dimensionen von Vertrauen, Verrat und Selbstbehauptung richtet Autorin und Creatorin Emilie Beck den Blick auch auf die größeren gesellschaftlichen Zusammenhänge, die in diesem Fall sichtbar werden. Die Serie tangiert Fragen sozialer Ungleichheit, ausgehend von den unterschiedlichen Voraussetzungen, mit denen Menschen hier einem System begegnen, das von Korruption und Willkür geprägt ist. Sie beleuchtet die Scheinheiligkeit einer westlichen Gesellschaft, die Drogenschmuggel moralisch und medial scharf verurteilt, in der jedoch zugleich der Konsum von Kokain und anderen chemischen Drogen als „Partydrogen“ längst salonfähig geworden ist. „Escaping Bolivia“ verschweigt letztlich auch nicht die Privilegien, die Herkunft und Hautfarbe mit sich bringen können – indem sie immer wieder zeigt, wen die Ungerechtigkeit eines dysfunktionalen Systems am härtesten trifft.

Trotz ihres kritischen Blicks tritt die Serie ihrer jungen Hauptfigur niemals verurteilend oder ausbeuterisch gegenüber, sondern bewahrt bis zum Ende eine besondere Wärme und Empathie.

Sabine Holtgreve & Rosa Krohn
Redaktion NDR

INHALT

Inspiriert von wahren Begebenheiten

Ein unbeschwerter Mädelstrip wird zum Alptraum; Ida (17), ihre erste große Liebe Cecile (18) und Michelle (21), die Exfreundin ihres Bruders, sind BFF – Best Friends Forever. Nach einem gemeinsamen Trip nach Bolivien werden sie am Flughafen mit 22 Kilo Kokain im Gepäck verhaftet. Die drei beharren darauf, dass jemand ihnen die Drogen untergeschoben hat, doch niemand glaubt ihnen. Sie werden bis auf weiteres im Frauengefängnis in Cochabamba festgehalten und müssen in einer für sie schockierenden Lebensrealität bestehen. Ihr Alltag ist fortan von harter Arbeit und Korruption geprägt. Als die erhoffte Hilfe durch das norwegische Außenministerium ausbleibt, wird die Freundschaft der drei auf eine harte Probe gestellt.
Nachdem sich bald abzeichnet, dass jede für sich allein kämpfen muss, werden der Journalist eines Männermagazins und ein wortkarger Söldner zu Idas ungeahnten Verbündeten. Mit einem waghalsigen Fluchtplan riskiert sie alles und steht schließlich vor der entscheidenden Frage, ob sie es sicher zurück nach Hause schaffen oder der Amazonas zu ihrem endgültigen Gefängnis wird.

Die Serie entstand im Rahmen der FabFiction-Initiative von WDR, NDR und SWR.

„Escaping Bolivia“ wurde im Dezember 2025 zuerst bei TV2 Norway veröffentlicht und entwickelte sich schlagartig zum Streaminghit. Die Serie erreichte über 1 Million Zuschauer, was in einem kleinen Land mit insgesamt 5.66 Mio Einwohnern bedeutet, dass jeder fünfte Norweger sie gesehen hat.

CAST, STAB & KEY FACTS

CAST

Ida
Ella Øverbye

Michelle
Josephine Tetlie

Cecilie
Lisa Marie Hovden

Joakim
Jakob Oftebro

Wenche
Ingvild Lien

Tommy
Joachim Fjelstrup

Max
Marc Antoine Garrivier Arias

Marcus
Emil Gukild

u. v. a.

STAB

Creator
Emilie Beck

Regie
Anna Gutto, Emilie Beck

Drehbuch
Emilie Beck, Helena J. Nielsen

Produzentin
Marte Hansen

Executive Producer
Håkon Øverås, Tom Marius Kittilsen, Håvard Gjerstad

Kamera (DoP)
Malin Gutke

Musik
Christine Hals

Redaktion
Mimi Cejka (TV2), Sabine Holtgreve, Rosa Krohn (beide NDR), Brigitte Dithard (SWR), Frank Tönsmann (WDR)

KEY FACTS

Originaltitel
Flukten fra Bolivia

Staffel
1

Episodenanzahl und -dauer
6 x 44 Minuten

Produktionsjahr
2024/25

Genre
Thriller/Drama/Coming-of-Age

Drehorte
Norwegen, Südafrika und Bolivien

Produktionsfirmen
Fenomen Studios & 4 ½ Film

Sender
TV2, SWR, WDR, NDR

HAUPTFIGUREN

IDA, 17

Zu Hause in Norwegen ist sie es gewohnt, dass ihre Mutter Wenche ihr jeden Wunsch erfüllt. Sie steht kurz vor dem Abitur und der Mädelstrip nach Bolivien bedeutet für sie zunächst ein willkommenes Abenteuer und eine Kostprobe der großen weiten Welt, die sich vor ihren Füßen ausbreitet. Später wird sie behaupten, von ihrer Schwägerin Michelle und besten Freundin Cecilia zu dem Urlaub gedrängt worden zu sein. Als Minderjährige und Ausländerin wird sie vom brutalen Ton und der strikten Hierarchie im Gefängnis hart getroffen. Als „Schneeflöckchen“, wie sie von anderen Insassinnen abfällig genannt wird, muss sie bald lernen, sich im eigenartigen Mikrokosmos des Frauengefängnisses zu arrangieren.  
Sie lernt, für sich selbst einzustehen, auch wenn das bedeutet, wichtige Menschen in ihrem Leben zu verlieren. Ida wird im Gefängnis erwachsen und entwickelt sich von einem abhängigen Mädchen zu einer starken, entschlossenen Mutter.

MICHELLE, 21

Zu Hause in Norwegen ist sie es gewohnt, dass ihre Mutter Wenche ihr jeden Wunsch erfüllt. Sie steht kurz vor dem Abitur und der Mädelstrip nach Bolivien bedeutet für sie zunächst ein willkommenes Abenteuer und eine Kostprobe der großen weiten Welt, die sich vor ihren Füßen ausbreitet. Später wird sie behaupten, von ihrer Schwägerin Michelle und besten Freundin Cecilia zu dem Urlaub gedrängt worden zu sein. Als Minderjährige und Ausländerin wird sie vom brutalen Ton und der strikten Hierarchie im Gefängnis hart getroffen. Als „Schneeflöckchen“, wie sie von anderen Insassinnen abfällig genannt wird, muss sie bald lernen, sich im eigenartigen Mikrokosmos des Frauengefängnisses zu arrangieren.  
Sie lernt, für sich selbst einzustehen, auch wenn das bedeutet, wichtige Menschen in ihrem Leben zu verlieren. Ida wird im Gefängnis erwachsen und entwickelt sich von einem abhängigen Mädchen zu einer starken, entschlossenen Mutter.

CECILIE, 18

Cecilie schließt sich der Bolivienreise aus einer Laune heraus an, getrieben von ihrer noch frischen Beziehung mit Ida und ihrer Sehnsucht nach Abenteuer. Sie stellt nicht viele Fragen – allein das Versprechen von Luxus und ein bisschen Gefahr reicht aus, um sie zu begeistern. Der Trip bedeutet für sie auch ein kleines Stück Rebellion gegen ihr wohlhabendes, aber vor allem strenges, religiöses Elternhaus, in dem es wenig Raum zur Entfaltung gibt. Nicht nur den Trip, auch ihre Sexualität hält sie vor ihren Eltern geheim.
Doch als die Dinge schiefgehen, holt sie die Realität ein. Cecilie kommt am schlechtesten mit den harten Gefängnisbedingungen zurecht und schwankt zwischen der Loyalität zu Ida und dem Misstrauen Michelle gegenüber, die sie bald als Hauptschuldige ausmacht. Als ihre Eltern von dem geheimen Trip und der Inhaftierung erfahren, steht sie vor dem Dilemma, ihre eigene Haut zu retten oder mit den anderen unterzugehen.

JOAKIM, 35

Joakim ist ein ehrgeiziger Journalist und Co-Gründer des neuen Männermagazins Alfa. In der Hoffnung auf einen Durchbruch macht er sich daran, ein Exklusivinterview mit Ida zu ergattern und damit gemeinsam mit seinem skrupellosen Geschäftspartner Marcus einen ersten großen Achtungserfolg in der Medienwelt zu feiern. Als es ihm tatsächlich gelingt, Ida in bolivischer Haft für ein Interview zu treffen, überkommt ihn angesichts ihres zarten Alters schlagartig ein Gefühl aufrichtiger Empathie. Während sie sich langsam öffnet, überkommen Joakim zunehmend Gewissensbisse: Kann er ihre Geschichte, wie jede andere, einfach medial ausschlachten oder muss er ihr, einer minderjährigen Norwegerin im ausländischen Gefängnis helfen? Oder geht das vielleicht sogar irgendwie zusammen? Je hoffnungsloser eine legale Freilassung für Ida wird, desto höher wird Joakims Risikobereitschaft, seine journalistischen Prinzipien über Bord zu werden und bald steht auch für ihn selbst und Marcus alles auf dem Spiel…

WENCHE, 45

Wenche ist eine hart arbeitende alleinerziehende Mutter, die schon im normalen Alltag als Altenpflegerin hart arbeiten muss, um über die Runden zu kommen. Als sie erfährt, dass die Mädels nicht, wie behauptet, in Spanien sind, sondern in Bolivien verhaftet wurden, bricht ihre Welt zusammen. Für Wenche beginnt ein Horrortrip aus Überstunden, mit der sie ihre Reise- und Idas Anwaltskosten tilgen muss, versucht vergeblich an höhere Kredite zu gelangen, um die finanziellen Mittel für die hohen Kautionen der Mädels aufzutreiben. Sie setzt alles daran, ihre Tochter nach Hause zu holen, vergisst dabei aber auch nie Michelle, die sie als Teil der Familie betrachtet. Sie droht daran zu zerbrechen, dass sie ihre Mädchen nicht heimholen kann.

EPISODEN

Folge 1

22 Kilo

Das Leben scheint perfekt, als die siebzehnjährige Ida mit ihrer frischen Liebe Cecilie, ihrer Schwägerin Michelle und deren kleinem Sohn einen luxuriösen Urlaub in Cochabamba, Bolivien verbringt. Das Paradies wird zum Alptraum, als die vier mit 22 Kilo Kokain am Flughafen verhaftet werden und in ein lokales Frauengefängnis gebracht werden. Das enge Band zwischen ihnen wird im Angesicht der harten Gefängnisbedingungen auf die Probe gestellt.
In Norwegen erregt der Fall die Aufmerksamkeit des Journalisten Joakim, während Idas Mutter Wenche die schockierende Nachricht von Idas Verhaftung erhält, von der sie dachte, sie würde mit ihren Freundinnen Urlaub in Spanien machen.

Folge 2

Money, Money, Money

Die Spannungen im Gefängnis nehmen zu, und das Band zwischen den Mädchen droht zu reißen, so sehr Ida sich auch darum bemüht, die Gruppe zusammenzuhalten. Alle Hoffnung liegen auf einer Freilassung gegen Kaution, doch die ist höher als erwartet und nicht alle der drei jungen Frauen haben finanzielle Rücklagen bzw. vermögende Elternhäuser. Nach einer Einzelbefragung eskaliert das angespannte Klima. Ida rebelliert und muss eine Nacht in der Isolationszelle verbringen, darüber verliert sie den Kontakt zu Cecilie, die über Nacht ins Krankenhaus eingeliefert wird…

Folge 3

Falsche Versprechen

Nachdem ihre Kaution verdoppelt wurde, erscheint es für die Verbliebenen jetzt unmöglich, auf Kaution freizukommen und nach Hause zurückzukehren. Michelle muss eine harte Entscheidung treffen und Ida erkennt, dass sie die Dinge selbst in die Hand nehmen muss, und zwar noch vor Prozessbeginn. Gibt es erst einmal ein rechtskräftiges Urteil, ist es für sie unmöglich, rauszukommen. Sie bittet Antonio, den Sohn einer Mitinsassin, um Hilfe und lädt Joakim, den Journalisten eines norwegischen Männermagazins, ein, sie im Gefängnis zu besuchen und sich ihre Geschichte anzuhören – in der Hoffnung, dass Norwegen ihr zu Hilfe kommt.

Folge 4

Schwere Geburt

Angetrieben von Neuigkeiten, die alles verändern, zwingt sich Ida wider ihre Gewissensbisse dazu, gegen Michelle auszusagen, doch das Urteil fällt trotzdem vernichtend aus. Allein in ihrer Verzweiflung, wird plötzlich Joakim zur wichtigsten Bezugsperson für Ida, in einer ambivalenten Mischung aus professionellem, journalistischem Interesse und einer immer größer werdenden, tiefergehenden Empathie für die junge Frau und ihr Schicksal. Doch auch er kann Ida in ihrem desolaten Zustand bald nicht mehr aufmuntern. Ida bekommt ihr Baby und plötzlich ist alles klar, sie muss raus aus dem Gefängnis, koste es was es wolle...

Folge 5

Tommy

Ida ist durch Joakims Bemühungen auf Kaution freigekommen und zunächst bei der hilfsbereiten Dolmetscherin Solveig untergekommen, von wo aus sie ihre obligatorischen Arbeitsstunden ableistet. Die Tage gehen ins Land und Ida wartet auf den entscheidenden Anruf auf dem Prepaid-Handy, das sie von Joakim bekommen hat. Als es eines Tages endlich klingelt und sie in einem Hotelzimmer auf den distanzierten Söldner Tommy trifft, ist sie verunsichert, ob sie auf den waghalsigen Plan des Fluchthelfers vertrauen und damit wirklich alles riskieren soll. Auf der einen Seite stehen die Freiheit und die Rückkehr nach Hause, auf der anderen die unwiderrufliche Rückkehr ins Gefängnis.

Folge 6

Volles Risiko

Nachdem Ida und Tommy in der norwegischen Botschaft in Brasilien auf ungeahnte Komplikationen gestoßen sind, verstecken sie sich nun in einer Wohnung in Rio, wo Ida nun ohne Notfallpass feststeckt. Monate verstreichen und Idas Verzweiflung steigt ins Unermessliche. Als Tommy mit einer Lösung ankommt, folgt auf die erste Euphorie eine bittere Ernüchterung. Der Plan ist alles andere als sicher und setzt alles auf Spiel…
Auch in Norwegen spitzen sich die Dinge zu, als Joakim von anderen Journalisten bedrängt wird, die ahnen, dass Alfa etwas mit Idas illegaler Flucht zu tun hat.

DER WAHRE FALL

„Norwegens größter Kokainfall“ - Der wahre Fall hinter „Escaping Bolivia"

„Escaping Bolivia“ ist inspiriert von einem der aufsehenerregendsten Kriminalfälle der jüngeren norwegischen Geschichte. Im Mai 2008 werden drei junge Norwegerinnen am Flughafen der bolivianischen Stadt Cochabamba festgenommen. In ihrem Gepäck finden die Behörden 22,4 Kilogramm Kokain, das in mehreren Sporttaschen vernäht ist. Später erklärt die norwegische Polizei, die tatsächliche Menge des Kokains habe elf Kilogramm betragen – die bolivianischen Behörden hätten auch die Verpackung und die Taschen selbst mitgewogen.

Die drei Frauen1 werden in das Frauengefängnis San Sebastián gebracht und dort unter prekären Bedingungen in Untersuchungshaft genommen. Während in Bolivien die Ermittlungen beginnen, entwickelt sich der Fall in Norwegen zu einem Medienspektakel. Zahlreiche Journalist:innen reisen nach Cochabamba, um über den Fall zu berichten – unter ihnen der Gründer und ein Mitarbeiter des norwegischen Männermagazins Alfa.

„Cecilie“ gelingt es noch vor Prozessbeginn, mit der finanziellen Unterstützung ihrer Familie und mithilfe der norwegischen Botschaft nach Norwegen zurückzukehren. Ihr wird später in Norwegen der Prozess gemacht, bei dem sie freigesprochen wird.
„Ida“ und „Michelle“ werden 2010 wegen Drogenschmuggels zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt, die später auf 10 Jahre und acht Monate reduziert wird. Im selben Jahr bringt „Ida“ im Gefängnis ihren Sohn zur Welt. 2011 wird sie gegen Kaution unter der Auflage entlassen, die Stadt Cochabamba nicht zu verlassen. Kurz darauf gelingt ihr gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn mit der Unterstützung eines ehemaligen Söldners die spektakuläre Flucht durch das bolivianische Tiefland nach Brasilien und von dort zurück nach Norwegen. Finanziert wird die Aktion vom Männermagazin Alfa, das sich die exklusiven Rechte an ihrer Geschichte gesichert hatte.

Während zwei der Frauen schließlich nach Norwegen zurückkehren können, befindet sich „Michelle“ bis heute in Bolivien. Sie kommt erst 2016 nach acht Jahren Haft mithilfe einer Spendenaktion gegen Kaution frei, darf das Land jedoch nicht verlassen, da der Fall juristisch noch immer nicht abgeschlossen ist. Laut des norwegischen Magazins VG hat sie inzwischen drei Kinder, die mit ihr in Bolivien leben. Ihre Tochter, die damals bei der Festnahme in Bolivien dabei war, ist inzwischen 19 Jahre alt und lebt in Norwegen.

Mit dem Start von „Escaping Bolivia“ Ende 2025 rückte der Fall in Norwegen erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Zwillingsschwester der in Bolivien verbliebenen Frau hat erneut eine Spendenkampagne ins Leben gerufen, um die Finanzierung weiterer juristischer Schritte zu ermöglichen und eine Ausreise ihrer Schwester und deren Kinder nach Norwegen zu erreichen. Die Familie hofft auf eine baldige Rückkehr.

Bis heute unterscheiden sich die Aussagen der drei Frauen darüber, was sie damals tatsächlich wussten und welche Rolle jede Einzelne spielte, fundamental. Was sich im Frühjahr 2008 wirklich ereignete, wird sich vermutlich nie vollständig aufklären lassen.

Die Serie orientiert sich an den realen Ereignissen, versteht sich jedoch ausdrücklich nicht als Rekonstruktion des Falls, sondern als fiktionale Interpretation. 

Verwendete Quellen:
https://www.tv2.no/underholdning/dette-er-den-ekte-historien/18420755/
https://www.tv2.no/underholdning/gjenforent-etter-ti-ar-helt-sykt/18730689/
https://www.dagbladet.no/kjendis/17-ar-seinere-fortsatt-fanget-i-bolivia/83985545?utm
https://www.vg.no/nyheter/i/Ko2PM/dette-er-bolivia-saken
https://www.nrk.no/norge/madelaine-rodriguez-er-ute-av-fengsel-1.13020134

1 Die Namen der drei Frauen wurden für die Serie geändert. Im Folgenden verwenden wir die Figurennamen Ida, Michelle und Cecilie in Anführungszeichen.

STATEMENT VON EMILIE BECK

„Die moralischen Grauzonen machen wahre Geschichten faszinierend“

Emilie Beck (Regie, Autorin, Creatorin)

Aus der Perspektive einer Filmemacherin ist dieser Fall außergewöhnlich: Drei junge Frauen werden nach einem Urlaub mit Kokain verhaftet und in ein bolivianisches Gefängnis gebracht. Es gibt drei unterschiedliche Versionen dessen, was passiert ist und wer die Verantwortung trägt. Und schließlich folgt eine spektakuläre Flucht durch den Regenwald – organisiert mit Unterstützung eines Söldners, dessen Einsatz von einem norwegischen Männermagazin finanziert wurde. Sowas kann man sich in der Fiktion gar nicht ausdenken.

Mich hat die Geschichte jedoch immer schon persönlich bewegt. Ich habe den Fall als 16-Jährige in den norwegischen Medien verfolgt. „Ida“ war nur ein Jahr älter als ich und ich fragte mich damals oft, ob so etwas auch mir und meinen Freundinnen hätte passieren können.

Mich interessieren Geschichten, die keine einfachen Antworten liefern, True-Crime, der sich nicht aufgeklärt anfühlt. Im Mittelpunkt stand für mich deshalb nie die Frage nach Schuld oder Unschuld, sondern viel mehr, was extremer Druck mit Menschen macht und wie weit sie bereit sind zu gehen, um sich selbst zu retten. Gerade diese moralischen Grauzonen, in denen wir uns alle wiederfinden können, machen wahre Geschichten so faszinierend.

Schon mit 25 Jahren wollte ich diese Serie machen. Mir war früh klar, dass wir dieser besonderen Geschichte nur in Form einer Serie gerecht werden konnten – auch wenn der Weg bis zur Finanzierung lang und herausfordernd war.
Gemeinsam mit meiner Co-Autorin Helena Nielsen haben wir dann einen besonderen Ansatz gewählt: Während ich die Recherche übernahm, behandelte sie den Stoff bewusst wie eine fiktionale Geschichte. Angesichts der Komplexität des Falls haben wir uns außerdem eine klare erzählerische Regel gesetzt: Das Publikum erfährt nur, was auch Ida, unsere Hauptfigur, weiß. So konnten wir der Geschichte treu bleiben, ohne uns in das Terrain juristischer Sachzwänge zu verirren. Meine wichtigste Regel war jedoch, stets meinem Bauchgefühl zu folgen. Denn mir lag sehr viel daran, die Figuren und die Geschichte mit Respekt zu behandeln.

Nach zehn Jahren Arbeit bin ich dankbar für dieses Projekt und all die großartigen Menschen, die ich kennengelernt und von denen ich so viel gelernt habe. Gleichzeitig bin ich sehr erleichtert und froh, dass die Serie nun ihren Weg zu einem internationalen Publikum findet.

Emilie Beck ist eine norwegische Regisseurin und Drehbuchautorin. Sie studierte Dokumentarfilmproduktion an der norwegischen TV-School und absolvierte anschließend ihren Master in Spielfilmregie mit Schwerpunkt auf Serienformaten an der Norwegian Film School in Lillehammer.
Neben zahlreichen renommierten Kurzfilmprojekten zu sozialen, kulturellen und politischen Themen, war sie 2018 als Co-Regisseurin an dem abendfüllenden Dokumentarfilm „When the Wind Turned“ für Klikkmonster und NRK beteiligt. Mit der dokumentarischen Webserie „Stuck“ für Aftenposten TV setzte sie sich als Moderatorin vor der Kamera gegen die in verschiedenen Teilen der Welt verbreitete Praxis der Kinderehe ein. Die Serie wurde 2017 für den norwegischen Fernsehpreis nominiert und erreichte ein internationales Millionenpublikum. Zuletzt veröffentlichte Beck unter anderem ihren eigenen Dokumentarlangfilm „No Place Like Home“ (2022), führte Co-Regie bei dem Netflix-Film „Royalteen“ (2022) und wirkte als Autorin und Regisseurin an mehreren Staffeln der norwegischen Young-Adult-Serie „VGS“ mit.
„Escaping Bolivia“ ist ihr erstes großes, eigenes fiktionales Serienprojekt.

TRAILER

IMPRESSIONEN

Impressum

Herausgegeben von Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation

Redaktion:
Bettina Brinker, NDR/Presse und Kommunikation

Texte:
Rosa Krohn, NDR

Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation

Bildnachweis:
NDR/Rune Bendiksen (Cover)
NDR/Ronald Vargas (Inhalt, Folge 2/3/4, Emilie Beck)
NDR/Charlie Sperring (Cast, Hauptfiguren, Folge 1/5/6)

Fotos:
www.ard-foto.de

Presseservice:
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