BONEY M.:

Disco. Macht. Legende.

AM 11. MAI 2026, 23:20 UHR, IM ERSTEN UND IN DER ARD MEDIATHEK

Sie waren weit mehr als ein gecastetes Disco-Projekt: Die Musik von Boney M. wurde zum Soundtrack einer Ära. Mit Welthits wie „Rivers of Babylon“, „Ma Baker“ oder „Rasputin“ eroberte die vierköpfige Gruppe Tanzflächen, Charts und Fernsehbildschirme rund um den Globus – und prägte das Bild der Disco-Zeit bis heute.

2021 ging „Rasputin“ erneut viral und erzielte auf TikTok über 22 Milliarden Views. Dabei schrieb die Band bereits 1978 Musikgeschichte: Als erste westliche Popformation traten sie im Dezember in Moskau auf – noch vor Elton John oder Deep Purple. Bis heute verkauften Boney M. rund 150 Millionen Tonträger und gehören gemeinsam mit ABBA und den Bee Gees zu den erfolgreichsten Disco-Gruppen aller Zeiten.

Hinter dem Glamour, den ikonischen Kostümen und der scheinbar mühelosen Leichtigkeit verbirgt sich eine Geschichte, die komplexer ist als ihr schillerndes Bühnenbild. Der Dokumentarfilm „BONEY M.: Disco. Macht. Legende.“ zeichnet erstmals den Aufstieg, die Konflikte und die kulturelle Wirkung einer Gruppe nach, die Millionen begeisterte und Millionen einspielte – und zugleich immer wieder im Spannungsfeld zwischen Kunst, Kommerz und Identität stand.

Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen die beiden Stimmen von Boney M., die Jamaikanerinnen Liz Mitchell und Marcia Barrett. Sie erzählen von ersten Schritten, von Erfahrungen des Alltagsrassismus im Deutschland der 1970er Jahre, von kreativen Auseinandersetzungen, ökonomischen Zwängen und dem Preis der Berühmtheit.

Der Film zeichnet aber auch ein Psychogramm von Frank Farian, der mit über 800 Millionen verkauften Tonträgern als erfolgreichster deutscher Musikproduzent aller Zeiten gilt. Farian war ein genialischer Maniac mit Gespür für Hits – aber auch ein Kontrollfreak, der seinen Künstlern wenig Spielraum ließ. Der Film greift hier exklusiv auf das letzte große TV-Interview zurück, das Farian vor seinem Tod in Miami gab, und zeigt dieses in weiten Teilen erstmals im deutschen Fernsehen.

Neben Wegbegleitern wie Thomas Anders oder Sebastian Krumbiegel ordnet die Professorin für Global African Arts, Natasha A. Kelly die Band aus heutiger Perspektive ein und beleuchtet, inwiefern Exotisierung und die Aneignung „fremder“ Traditionen bewusst eingesetzte Instrumente einer Vermarktungsstrategie waren. Mit unveröffentlichtem Archivmaterial des Fotografen Didi Zill sowie exklusiven Super-8-Aufnahmen zeigt der Film Boney M. als globales Pop-Phänomen und Spiegel ihrer Zeit: von Migrationserfahrungen und der Macht der Produzenten bis hin zu einem Business, das Stars formt – und verschleißen kann

Autor: Oliver Schwehm
Redaktion: Timo Großpietsch (NDR), Petra Felber (BR), Jutta Krug (WDR), Simon Broll (HR)

Ich finde, wir haben zusammen großartige Musik gemacht. Viele Menschen wollten vielleicht nicht wahrhaben, dass unsere Musik eine Aufrichtigkeit hat, die die Herzen der Menschen berührt hat. Die ganze Welt konnte jeden Hit von Boney M. hören. Und es gibt nur einen anderen Künstler, dem das gelungen ist und das war: Michael Jackson.

Liz Mitchell, Sängerin von Boney M.

„Ich war zuerst Tänzerin in Hamburg Harburg, aber das war nicht anrüchig. Wir trugen Schlaghosen und unsere Shirts waren an der Taille zusammengebunden. Man nannte das Go-Go-Tanzen. Eines Abends nahm ich das Mikrofon und begann, eine Melodie zu summen. Ich glaube, es war „Oh, happy day“. Die Leute waren ganz still. Und am Ende bekam ich einen Riesenapplaus. Das war der Anfang. Man hörte von dieser Marcia aus Jamaika hier in Deutschland. Und ich reiste durchs ganze Land. So begann meine Karriere. Gott segne Deutschland.“

Marcia Barrett, Sängerin von Boney M.

„Wenn man englischsprachige Musik machen will, muss man auch die englischsprachigen Leute haben. Ich hatte mich halt mein ganzes Leben mit englischsprachiger Musik beschäftigt und da wird man Experte. Die deutschen Spuren mussten verwischt werden.“

Frank Farian, Produzent von Boney M.

„Speziell in Deutschland haben wir nicht immer nur gute Kritik gehabt. Ich will nicht sagen, dass es was mit der Hautfarbe zu tun hatte. Aber sie war manchmal schon sehr gehässig.“

Hans-Jörg Mayer, Freund und rechte Hand von Frank Farian

Interview mit Autor Oliver Schwehm

Warum haben Sie sich für das Phänomen Boney M. Interessiert?
Boney M. waren eine der erfolgreichsten Disco-Bands überhaupt und haben in ihrer Hochzeit zeitweilig mehr Platten verkauft als ABBA und die BEE GEES.  Trotzdem gibt es bis heute erstaunlicherweise keinen allgemeingültigen Film über dieses musikalische Phänomen. Mehr noch: ABBA und die BEE GEES sind längst Kult und anerkannt - über Boney M. wird meist müde hinweg gelächelt.  Ich wollte wissen: Warum ist das so?

Wer kommt aus der Band in der Dokumentation zu Wort?
Der neunzigminütige Film enthält Interviews mit über 20 Menschen, die an Boney M. beteiligt waren und liefert somit „First Hand“ Einblicke. Neben den beiden Sängerinnen und Originalmitgliedern Liz Mitchell und Marcia Barrett, die uns jeweils ein exklusives Interview gegeben haben, kommt auch erstmals Vanessa zu Wort, eine Tochter des legendären Tänzers Bobby Farrell. Als Kind wurde sie von Bobby zur Adoption freigegeben, hat dieses Geheimnis weitgehend für sich behalten und war nun erstmals bereit im Rahmen dieses Films über ihren biologischen Vater zu sprechen.

Der Produzent Frank Farian ist eine Schlüsselfigur im Erfolg von Boney M., was ist seine Rolle in der Doku?
Der Film enthält das letzte große Interview, welches ich Ende Juli 2015 mit Frank Farian in seinem Studio in Miami habe führen können.  Es war meine erste Begegnung mit Farian und ich hatte eigentlich einen Rentner erwartet, der in Miami Beach Cocktails schlürft, dicke Zigarren raucht und seinen Lebensabend genießt. Stattdessen traf ich auf einen quirligen 75 Jährigen, der Tag und Nacht in seinem leicht runtergerockten Studio im Künstlerviertel Wynwood  verbrachte, umgeben von jungen Talenten und ständig auf der Suche nach dem nächsten großen Ding. Farian war ein von Musik Besessener.

Lange Zeit wurde die eigentliche Geschichte von Boney M. kaum reflektiert und einzig als Erfolgsgeschichte hingenommen. Frank Farian galt als der „Hitman“, der mit über 800 Millionen verkauften Tonträgern weltweit bis heute der erfolgreichste deutsche Produzent ist. Da Farian sich häufig bei karibischem Liedgut bediente, ist im Zusammenhang mit Boney M. auch immer wieder von „kultureller Aneignung “ die Rede. Und davon, dass Farian seine Künstlerinnen und Künstler mit unvorteilhaften Verträgen ausbeutete und sie exotisierte und erotisierte. Was in den 1970er Jahren zunächst für Begeisterung sorgte, hat heute Empörungspotenzial. Höchste Zeit also für eine genauere Betrachtung dieses Phänomens. Neben nie gezeigten Archiven taucht der Film auch ein in die Binnenkonflikte zwischen dem Kontrollfreak Farian und seinen Künstlerinnen und Künstlern.

Interessiert hat mich also, was sich hinter der glitzernden Oberfläche abgespielt hat. Wichtig war mir ein differenzierender Blick, der nicht voreingenommen ist und abschliessend urteilt, sondern der es den Zusehenden erlaubt, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Auszug Filmografie Oliver Schwehm:

2024 BORN TO BE WILD (Buch & Regie)
2021 VERZAUBERT UND VERDRÄNGT: DIE KARRIERE DES MAGIERS KALANAG (Buch & Regie)
2018 DER UNERSCHROCKENE: DER BERLINER FILMPRODUZENT ARTUR BRAUNER (Regie, gemeinsam mit Kathrin Anderson)
2018 FLY, ROCKET, FLY! – MIT MACHETEN ZU DEN STERNEN (Buch & Regie)
2016 MILLI VANILLI: FROM FAME TO SHAME (Buch & Regie)

STAB

Regie
Oliver Schwehm

Produzent
Markus Hilß

Kamera
Hermann Sowieja

Ton
Oliver Guse

Schnitt
Helmar Jungmann

Musik
Heiko Maile und Torsten Kamps

Sound Design
Bettina Bertók-Thumm und Michael Thumm

Grafik
Felix Paul, Dirk Frömmers, Florian Tiphine, Henning Weskamp

Archiv Producerin
Thembi Linn Hahn

Redaktion
Timo Großpietsch (NDR), Petra Felber (BR), Jutta Krug (WDR), Simon Broll (HR)

Eine Produktion der Lunabeach TV  & Media GmbH Im Auftrag von NDR, BR, WDR & HR

Impressum

Herausgegeben von Presse und Kommunikation / Unternehmenskommunikation

Redaktion:
Amelie Schwenke-Rolfs, NDR/Presse und Kommunikation

Gestaltung:
Janis Röhlig, NDR/Presse und Kommunikation

Bildnachweis:
NDR/Didi Zill
NDR/Frederik Rothkopf (Liz Mitchell)
NDR/Hermann Sowieja (Marcia Barrett)
NDR/Oliver Schwehm (Frank Farian)
NDR/Hermann Sowieja (Hans-Jörg Mayer)
NDR/Studio Renner (Oliver Schwehm)

Fotos:
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Presseservice:
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